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40 Kinder und eine einzige Kindergärtnerin: »Das ging!«

19. April 2012, 21:18 Uhr
»Midde in de Woch’»«: Vier Erzieherinnen aus vier Generationen berichteten in Eberstadt über ihre Erfahrungen: (von links) Renate Seitz, Jule Geyer, Annette Rück und Luise Mück. (Foto: juw)

Als Gäste gekommen waren Luise Mück, Renate Seitz, Annette Rück und Jule Geyer: Vier Erzieherinnen, die zusammen vier Generationen Kindererziehung und -betreuung in Eberstadt repräsentieren. »Über Erinnerungen wird das Dorf lebendig«, erklärte Martin Schmoranz vom Dorfladenverein, der den Abend gemeinsam mit Petra Prinz moderierte, und Erinnerungen gab es reichlich an diesem Abend. Amüsante Anekdoten warfen ein Schlaglicht auf Kinderpädagogik im Wandel der Zeit und 50 Jahre Dorfgeschichte.

Alte Aufnahmen aus der Nachkriegszeit ließen die Anfangstage der Kinderbetreuung in Eberstadt lebendig werden. Zu sehen waren zunächst Impressionen aus dem Jahr 1955, als nach dem Krieg der erste (Ernte-) Kindergarten in der Butzbacher Straße wiedereröffnet wurde. 40 Kinder hatte Luise Mück, die »grand old lady der Kinder-Pädagogik in Eberstadt«, seinerzeit zu betreuen, während die Eltern in der Erntezeit auf den Feldern waren. Mit einem Festumzug wurde bereits zwei Jahre später der Neubau eröffnet, der als Modellkindergarten nicht nur besonders gut mit Spielzeug ausgestattet war, sondern landesweit für Aufmerksamkeit sorgte: Zur Eröffnung war eigens die Musikkapelle der Feuerwehr aus Wiesbaden abgeordnet worden, und die neugierigen Besucher kamen mit Bussen aus ganz Hessen. Auch Renate Seitz erinnert sich noch gut an die luxuriöse Einrichtung, in der sie schon als Schülerin bei der Kinderbetreuerin aushalf. Nach vielen Jahren als Kinderpflegerin in Familien kehrte sie 1993 zurück in den Eberstädter Kindergarten. Annette Rück, die derzeit als Erzieherin tätig ist, berichtete von ihrem Arbeitsalltag und einem weiteren Eberstädter Erfolgsmodell: Seit 1986 ist die Lebenshilfe mit einer integrativen Kindergruppe im Kindergarten beteiligt. Kinder mit Behinderung können so mit gesunden Kindern zusammen spielen und lernen. Der Umgang der Kinder miteinander sei verständnisvoll und harmonisch, berichtete Rück, Skepsis bestehe eher auf Seite der Eltern.

Die neue Erzieher-Generation vertrat Jule Geyer. Die 19-Jährige absolviert im Eberstädter Kindergarten derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr, das sie als wertvolle Erfahrung beschrieb. Kinder seien heutzutage nicht nur empfindlicher, sondern auch verplanter geworden, erzählte sie in Hinblick auf ihre eigene Kindergartenzeit. Gespräche über Markenartikel und Fernsehserien seien unter dem Nachwuchs inzwischen an der Tagesordnung.

So viel sich geändert zu haben scheint in den letzten Jahrzehnten, kristallisierten sich im Verlauf des Gesprächs doch gewisse beständige Konstanten heraus. »Ungezogene Kinder gab es damals wie heute«, berichtete Luise Mück, die ihren ehemaligen Kindergartenkindern – von denen einige anwesend waren – bis heute nur als »Tante Lula« bekannt ist. Auf die Frage, wie sie zunächst 40, später 54 Kinder habe unter Kontrolle halten und bändigen können, antwortete die 84-Jährige humorvoll: »Es ging!«

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