Osterkantaten in der Licher Marienstiftskirche

09. April 2012, 19:38 Uhr
Osterkonzert in Lich: Christof Becker dirigierte die Camerata Vocale Hessen und die Cappella Instrumentalis. (Foto: jou)

Die kammermusikalische Durchsichtigkeit des 14-köpfigen Chors beeindruckte schon zu Beginn in Friedrich Wilhelm Zachows Missa brevis »Christ lag in Todesbanden«. Unter Christof Beckers sorgsamer Leitung förderte das Vokalensemble zudem filigrane dynamische Nuancen zu Tage. Im Ganzen intensivierte die klare Räumlichkeit des Klangbildes die Wirkung.

Frappierende Transparenz zeichnete Chor und Instrumentalbegleitung auch bei Christian Friedrich Witts Kantate »Und da der Sabbat vergangen war« aus. Tenor Andreas Wagner sang hier vornehm-zurückhaltend, fast zu leise. Dem um eine Chorsängerin ergänzten Solistenensemble – neben Wagner Nicole Tamburro (Sopran), Michaela Wehrum (Alt) und Johannes Wilhelmi (Bass) – merkte man in Andreas Hammerschmidts »Oster-Dialog« reiche Erfahrung in der historischen Aufführungspraxis an. Die Interpretation mutete recht detailreich an, gefiel zudem durch plastische Textgestaltung und schien einem harmonischen Ideal verpflichtet.

Tamburro und Wehrum sangen in Georg Böhms Komposition »Satanas und sein Getümmel« eingangs ebenso fein aufeinander abgestimmt wie Wagner und Wilhelmi im weiteren Verlauf, bis sich das Quartett in »Macht und Kraft ist Christi worden« eindrucksvoll vereinte.

Kantor Becker dirigierte sehr umsichtig und spürte den artikulatorischen wie rhetorischen Facetten stilsicher nach. Sehr schön brachten Chor und Solisten im Eröffnungssatz der Kantate »Jesu schenk uns deinen Frieden« von Johann Theodor Römhildt die Melismen zur Geltung. Dramatische Akzente setzten die Musiker in der Phrase »Wenn wir hier vom Kampf ermüden«. Zur reizvoll untermalenden Violinmelodie sang Tamburro die Arie »Du Ruh der Müden« mit bezaubernd leuchtendem Timbre. Angemessen schwermütig interpretierte Wehrum die Arie »Wenn in diesem Jammerleben, Sünd und Angstflut mich umgeben«, während Wagner in »Sinkt ihr Hügel, Berge fallet« durch energischen, kontrastreichen Vortrag gefiel und Wilhelmi in der vierten Arie schlanke Tongebung mit Expressivität verband.

Einen gelungenen Abschluss markierte die Kantate »Christ lag in Todesbanden« BWV 4, ein auf der Technik der Choralvariation basierendes Frühwerk von Johann Sebastian Bach, aus dem hier der ergreifend ernste Zwiegesang von Sopran und Alt im Versus Nr. 2 hervorgehoben sei. Darüber hinaus faszinierte die vielschichtige musikalische Textdeutung bis hin zu den einprägsamen, immer wiederkehrenden Halleluja-Schlusswendungen. Dem lang anhaltenden herzlichen Beifall der Hörer folgte eine Zugabe.

Sascha Jouini

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