Verlagsfest der »edition AV« in Lich

Lich (gbp). Zwei Lesungen und eine Ausstellungseröffnung standen im Mittelpunkt des Verlagsfestes der »edition AV« in Lich.
05. Juli 2010, 15:22 Uhr
Verlagsfest bei »edition AV« in Lich: Übersetzerin Katja Cronauer, Autorin Ela Rojas und Verleger Andreas W. Hohmann bei der Lesung im Foyer.

Der Fels im Wasser, die Feder im Gezweig, Spinnweben und Rost: Der Künstler Uwe Rausch schafft aus oft gesehenen, aber selten wahrgenommenen Objekten phantastische Installationen, Bildnisse vom Leben »under cover«. Rauschs Foto-Assemblagen - Aufnahmen elementarer Materialien wie Pflanzen, Holz, Wasser, Erde, Metall oder Feuer, eingebettet in aus diesen Substanzen gewonnene Skulpturen - sind derzeit im Licher Verlag »edition AV« zu sehen. Die Ausstellung wurde am Samstag anlässlich des Verlagsfestes eröffnet.

Zwei Mal jährlich, jeweils im Frühjahr und im Sommer, zeigt der 22 Jahre alte Verlag eine Ausstellung in seinem Domizil in der Schäfergasse. Verleger Andreas W. Hohmann stellte den Gästen zudem die Autorin des Romans »Einer dieser chilenischen Tage«, Ela Rojas sowie Katja Cronauer, die Übersetzerin von Boff Whalleys »Anmerkungen* zu Chumbawamba und mehr« vor, die auf der Treppe in dem kleinen Foyer aus den beiden Büchern lasen. Boff Whalley, der Gitarrist von Chumbawamba, erzählt in seiner Autobiographie von einem Jungen aus dem klischeehaften, von roten Backsteingebäuden geprägten, kleinstädtischen England. Mormonentum und Punkrock sowie eine auf Höflichkeit und Anstand bedachte Geschäftswelt und politischer Aufruhr treffen zusammen - eine clever, lustig und respektlos geführte Debatte über Kunst versus Kommers.

Ela Rojas erzählt - eingebettet in Rückblenden, die auch den Nationalsozialismus und rechtsradikale Tendenzen im heutigen Deutschland thematisieren - von der ehemaligen Journalistin Karola Philipp, für die der Tag, an dem das Urteil des Obersten Gerichtshofs gegen den Pinochets ehemaligen Geheimdienstchef erwartet wird, »einer dieser chilenischen Tage«, die Erinnerungen an Zeiten wecken, als der alltägliche Staatsterror das Leben der Menschen bestimmte. Auch das von Karola und ihres Ehemanns Ricardo, der mehrfach »durch die Mühle gedreht« worden war und dennoch nicht ins Exil gehen wollte. Für den Mitte der 90-er Jahre geschriebenen Roman, der autobiographisch gefärbt sei, habe sie 15 Jahre lang einen Verleger gesucht, bis sie mit »edition AV« den passenden gefunden habe, erzählt die Autorin.

Im Anschluss an die beiden Lesungen führte der überwiegend im Rheinland und in Frankfurt am Main tätige Uwe Rausch durch seine Exponate. Neben Illustrationen zu Schriften Gustav Landauers zeigt er Foto-Assemblagen aus den beiden vergangenen Jahren.

Den Grundstock dieser Assemblagen bilden stets Fotografien. Einbettet in Materialien wie Rinde, Lehm, Mineralien, Stein, Zellstoff, aber auch Salz oder Rost sind die Assemblagen der Veränderung ausgesetzt, die Fotografien werden so durch den gesteuerten Zufall ergänzt. Auch verwendet Rausch Techniken der klassischen Malerei und arbeitet mit Feuer, mit dem er einen Kampf um das künstlerische Ergebnis führt. Durch die Erweiterung gelingt es ihm, dem Bild Aspekte hinzuzufügen, die in der Fotografie, dem eigentlich Abgebildeten, zunächst nicht vorhanden sind. Die Assemblagen tragen Namen wie »Lieber die Nacht in einem toten Baum verbringen, als in toten Worten«, »Spinnen sind manchmal nicht zu Hause« oder »Links unten in Eden war noch ein Platz frei«. Seine fotografischen Wurzeln hat der 1957 in Gelsenkirchen geborene Rausch in der klassischen Analogfotografie und in der experimentellen Arbeit im Schwarzweißlabor, mittlerweile hat er das Fotolabor weitestgehend gegen den Computer ausgetauscht und arbeitet mit einem Graustufen-Carbondrucker.

Die Ausstellung ist im Verlag »edition AV« in Lich, Schäfergasse 9 noch bis zum 10. Oktober an den Wochenenden oder nach Vereinbarung (Telefon 06404/ 6570763) zu sehen. (Foto: gbp)

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