Lich

»Integration von Migranten beim Brandschutz stärker fördern«

01. November 2009, 16:04 Uhr

Lich (mlu). »Europa engagiert sich bunt?“ So lautete in Lich der Titel eines Seminars der Freiwilligen Feuerwehr, das sich an Vertreter von Brandschutz, Politik und Bildung richtete und am Freitag in der Kreisvolkshochschule in Lich von Dr. Marieanne Ebsen-Lenz (VHS Landkreis Gießen) moderiert wurde. Angesichts der Zunahme von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund unterstrich Landrat Willi Marx die Notwendigkeit, diese Menschen brandschutztechnisch aufzuklären und darüber hinaus in die Feuerwehren zu integrieren.

Dr. Volker Meyer, der als Vertreter vom gemeinsamen Ausschuss für Brandschutzaufklärung der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. und des Deutschen Feuerwehrverbandes »grundsätzliche Überlegungen zum Brandschutz in einer Einwanderungsgesellschaft« vortrug, erinnerte an die Brandkatastrophe von Ludwigshafen im Februar 2008, bei der neun Menschen türkischer Abstammung ums Leben gekommen waren, um auf die Benachteiligung von Migrantinnen und Migranten in der Brandschutzaufklärung aufmerksam zu machen. Angesichts der damals erhobenen Vorwürfe, dass die Rettungsarbeiten schneller verlaufen wären, wenn das Haus von Deutschen bewohnt gewesen wäre, hatte der Deutsche Feuerwehrverband damals angekündigt, »die Integration von Migrantinnen und Migranten in die Feuerwehr voranzutreiben«, um die Kommunikation mit den Betroffenen zu verbessern und die Brandschutzaufklärung zu stärken.

Zwar sei eine besondere Gefährdung von Menschen mit Migrationshintergrund statistisch schwer belegbar, doch gebe es Tatsachen, vor denen man die Augen nicht verschließen könne, so Meyer. Dass die Opfer von Ludwigshafen in einem 100 Jahre alten und brandschutztechnisch unzulänglichen Wohnhaus gewohnt hatten, sei - vorsichtig gesprochen - nicht untypisch gewesen. Als ein weiteres Beispiel nannte Meyer die in anderen Kulturen anzutreffende Sitte, die Schuhe im Treppenhaus zu lagern, was im Brandfall fatale Folgen nach sich ziehe. Ein Weg zu gelungener Brandschutzaufklärung seien beispielsweise in Treppenhäusern angeschlagene Comics, die das richtige Verhalten zur Vorbeugung des Ernstfalls illustrierten. Um die Zielgruppen zu erreichen, wurden zu dem Seminar auch Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache eingeladen, die diese Problematik in ihren Kursen thematisieren sollen. Denn Volkshochschulen sind die erste Adresse für Einwanderer, die sich um den deutschen Spracherwerb bemühen, weshalb ihnen in der brandschutztechnischen Präventionsarbeit eine hervorragende Rolle zukommt.

Da angesichts des demografischen Wandels und der zunehmenden Mobilität unserer Gesellschaft der Nachwuchs der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland gefährdet sei, gelte es zudem, das Potenzial der Menschen mit Migrationshintergrund für diese wichtige ehrenamtliche Tätigkeit zu mobilisieren. Eine schwierige Voraussetzung sei hier allerdings die eigentümlich deutsche Prägung der Feuerwehrverbände, deren Entstehung auf die Bewegung des Turnvaters Jahn zurückgehe

Im Sinne einer erfolgreichen Integration und einer erhöhten Sicherheit für alle Menschen in diesem Landist es allerdings wünschenswert, dass auch Deutschland hinsichtlich des ehrenamtlichen Bürgerengagements bunter wird. Bis zum Abend setzten sich zahlreiche Referentinnen und Referenten in ihren Vorträgen mit der Frage auseinander, wie Beteiligung und soziale Integration im Bereich des Brandschutzes effektiv gestärkt werden können.

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