Lich

»Theater ist unser Leben«

29. März 2016, 13:37 Uhr

Drogenmissbrauch, das Erwachsenwerden oder die erste große Liebe – mit »Mensch, ich lieb Dich doch« führten Daniel Komma und sein Kompagnon Sebastian Hartings die großen Themen des Heranwachsens auf der Bühne zusammen. Ihr erstes Stück, ein multimediales Projekt, spielte dabei nicht nur im Theater, sondern auch am Gießener Bahnhof und im MuK. Die dort gedrehten Filmszenen wurden während der Aufführung gezeigt. Der große Erfolg kam für die Macher unerwartet und spornte an, weiterzumachen.

Es folgten »Frühlings Erwachen«, die »Dreigroschenoper« und als vierte Inszenierung das bisher größte und erfolgreichste Projekt: »Simba, König der Löwen«. »Mit diesem Stück hatten wir die meisten Vorstellungen, waren in ganz Hessen unterwegs«, erinnert sich Daniel Komma im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Der Höhepunkt: Die Aufführung im Stadttheater. »Dieses Gefühl, dort vor ausverkauftem Haus zu spielen – einfach großartig«, schwärmt der ausgebildete Bühnenkünstler noch heute. Tolle Kostüme, die meisten von Müttern angefertigt, benötigten kein großes Bühnenbild, sie sprachen für sich, begeisterten Land auf, Land ab. Junge und Ältere Seite an Seite, insgesamt rund 100 Akteure zwischen vier und Ende 20 vor und hinter der Bühne. Die Bewältigung des Ganzen für Komma im Rückblick ein »gewaltiger Kraftakt«. Doch für ihn und Hartings Anstrengung und Ansporn zugleich.

Theater Traumstern
Das Theater Traumstern wurde 2006 als freies Kinder- und Jugendtheater von Daniel Komma und Sebastian Hartings gegründet. Träger ist der Kulturverein »künstLich«, enge Kooperationspartner sind das Kino Traumstern, die Gesamtschule Hungen, die Dietrich-Bonhoeffer-Schule und die Musikschule Lich. Mittlerweile zählt das Theater Traumstern über 100 Leute vor, auf und hinter der Bühne. Die Darsteller sind zwischen fünf und 32 Jahren alt. Zusammengearbeitet wird mit vielen Profis aus den Bereichen Schauspiel, Musik, Tanz, Licht und Ton, Bühnenbild, Maske und Kostüm. Die bisherigen Inszenierungen waren: Mensch, ich lieb Dich doch, Frühlings Erwachen, Die Dreigroschenoper, Simba – König der Löwen, Diener zweier Herren, Dies alles nur ein Traum, Peter Pan, Tartuffe, Dog eat Dog, Hair, Der eingebildete Kranke, Das Sams - eine Woche voller Samstage, Was ihr wollt, Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel, Magic Musical Moments und Die kleine Hexe.     (ti)


Sie stellten weitere Musical-Produktionen wie »Peter Pan, fliege deinen Traum« und »Hair« auf die Beine, schrieben das Demenzstück »Dies alles nur ein Traum«, »das für uns eine ganz besondere Erfahrung war« – im Mittelpunkt ein Ehepaar aus Lich, dessen lebenslange Liebe und eine Krankheit, die nicht vermochte, sich gegen diese Kraft durchzusetzen. Ziel des multimedialen Projektes: eine unkonventionelle Annäherung an ein Thema, das kaum auf der Bühne umgesetzt worden war. Mit »Diener zweier Herren« präsentierten Komma und Hartings 2010 ihr erstes Sommertheater, inspiriert von den alljährlichen Aufführungen im Englischen Garten Münchens und getragen von der Idee, bei freiem Eintritt ein neues Publikum zu gewinnen. Solche Besucher nämlich, deren Weg eigentlich nicht ins Theater führt. Doch damit nicht genug: Seit 2013 stellen die beiden alljährlich auch noch ein Weihnachtsstück auf die Beine. Nach ihrer Motivation gefragt, antwortet der 35-Jährige: »Theater ist unser Leben«.

Gemeinsam mit Sebastian Hartings leitet Komma das Theater Traumstern seit zehn Jahren. Anstoß zu dessen Gründung gab ein Filmprojekt des Kulturvereins »künstLich« und Kino Traumstern, bei dem beide mitgemacht hatten. Motiviert von den Erfahrungen und dem Wunsch, nicht einfach aufzuhören »haben wir ein paar Leute gefragt, ob sie Bock haben, mit uns weiter Theater zu machen«. Sieben Akteure fanden sich für die erste Produktion.

Werden heute mehr Laienspieler für ein Stück benötigt, kann Komma aus dem kreativen Schülerpool der Hungener Gesamtschule schöpfen, wo er seit 2011 Darstellendes Spiel lehrt und zuvor bereits mehrere Jahre Theater-AGs geleitet hatte. Bei der Auswahl spielt für ihn weniger ein besonderes Talent eine Rolle. Er weiß: »Jeder Einzelne hat seine Stärken«. Eines allerdings ist ihm wichtig: Wer mitmacht, muss Zeit investieren. Die Inszenierungen bedeuten viel Arbeit für alle, drei bis vier Proben pro Woche über mehrere Monate, bei den großen Musicals mindestens ein halbes Jahr. Dazu kommen diverse Probenwochenenden.. Komma: »Das ist Pflicht.«

Heute haben die Theater-Gründer, die in ihren Produktionen selbst regelmäßig auf der Bühne stehen, einen festen Unterstützerkreis, der bei allen Inszenierungen mit von der Partie ist. Patrick Dörhöfer ist nicht nur musikalischer Leiter, der »man of the piano« komponiert für die Sommertheater-Aufführungen sogar eigene Songs. Für die Choreographie zeichnet Vanessa Wagner verantwortlich, die Frau für Maske und Bühnenbild ist Natascha Pranz. Und mit Kristina Ruppel haben Komma und Hartings eine Co-Regisseurin gefunden, die auch beim Jubiläums-Musical sagt, wo es langgeht. Wichtige Partner sind darüber hinaus Doris Blasini (Kostümverleih Wundertüte) und Techniker Henrik Eckl, der Mann für Licht und Ton.

Apropos Jubiläum: Auf »Hairspray« ist die Wahl gefallen, ein »Feel-good-Musical« mit »jeder Menge Ohrwürmern, die gute Laune verbreiten«, sagt Komma, den die Musik von Anfang an begeistert hatte. Doch nicht nur die Musik soll überzeugen, auch der Inhalt, der aktueller kaum sein könnte. Denn neben Liebe, Freundschaft und einem Leben für den eigenen Traum geht es um Rassendiskriminierung beziehungsweise den Kampf dagegen. Im Stück trägt diesen die übergewichtige Schülerin Tracy aus. Das Mädchen, das so gar nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht und dennoch über Nacht zum tanzenden Star wird, nutzt seine Position, um sich für andere stark zu machen. Premiere feiert die Inszenierung, für die noch afro-amerikanisch aussehende Darsteller zwischen 14 und 20 Jahren gesucht werden (Bewerbungen: info@theater-traumstern.de), am 21. September im Kino Traumstern. Weitere Aufführungen sind geplant, unter anderem im Gießener Stadttheater. Zudem gibt das Theater Traumstern im Sommer »König Ödipus(sy)« und zu Weihnachten »Lippels Traum« von Paul Maar.

Und die nächsten zehn Jahre? »Die stehen uns jetzt bevor«, schmunzelt Komma, der die bewährte Arbeit auf jeden Fall fortsetzen und weitere Bühnen für das Theater Traumstern erschließen möchte. Allerdings: In Zukunft will er sich häufiger aktuellen Themen widmen, die Zuschauer mit Dingen konfrontieren, die sie direkt betreffen. Die nächsten 16 Produktionen dürften also gesichert sein.

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