Roman und Julian Wasserfuhr begeistern im »Traumstern«

Lich (nab). Rund zweieinhalb Jahre mussten die Fans des »Artist View« im Kino »Traumstern« ausharren. Am Freitagabend hatte das Warten dann ein Ende: Mit einem Gesamtkunstwerk meldete sich die etwas umgestaltete Reihe, bei der ein Künstler erst ein kleines Konzert gibt und danach dem Publikum seinen Lieblingsfilm vorstellt, zurück.
21. September 2014, 19:48 Uhr
Roman und Julian Wasserfuhr ergänzen sich beim Konzert im Kinosaal geradezu traumhaft. (Fotos: nab)

Weitere Termine sind im Dezember mit Martin Tingvall und im Februar mit Poppy Ackroyd.

Seit 1999 hat die Reihe »Artist View« schon manch legendären Abend hervorgebracht, berichtete Hans Gsänger. Eine nicht ganz vollständige Liste führt mehr als 50 Namen auf. Die Künstler – viele von ihnen leben gar nicht mehr – kamen aus den verschiedensten Ländern, brachten die unterschiedlichsten Instrumente mit und zeigten die erstaunlichsten Filme, erzählte der Kinomacher. So zeigte Alberts Mangelsdorff 1999 eine alte Version von »Of Mice and Men« oder Ramon Valle aus Cuba einen in seinem Heimatland verbotenen Film, an dessen einzige deutsche Kopie die Kinobetreiber nur durch deren Vorführung auf der Berlinale herankamen. Ausverkauft war die bis dato letzte »Artist View« 2011 mit Adriana Altaras, die aus »Titos Brille« las. Für den Neustart der Reihe haben nun die Brüder Wasserfuhr mit einem phänomenalen Auftakt gesorgt.

Zahlreiche Preise

Denn was Jazz-Pianist Roman Wasserfuhr zusammen mit seinem Bruder Julian Wasserfuhr (Trompete) musikalisch auf der »Traumstern«-Bühne veranstaltete, machte einfach nur Spaß. Grandiosen, modernen und vor allem berührenden Jazz boten die Brüder dar, die seit Kindestagen zusammen musizieren und sich mittlerweile national und international in der Szene hervorgetan haben. Gerade waren sie noch in Paris und Berlin, bevor sie ins beschauliche Lich kamen, verriet Roman Wasserfuhr im vorangestellten Künstlergespräch mit Helmut Fischer auf der Bühne, die mit Teppich, Ledersessel und alten Kinobänken regelrechten Wohnzimmercharakter hatte.

Schon früh sei er gefördert geworden, erzählte Roman Wasserfuhr. Der Vater habe der Mutter schon in der Schwangerschaft die Aufnahme einer Big Band an den Bauch gehalten. Im Alter von sieben Jahren lernte er Schlagzeug und Klavier, sein Bruder Julian dann Trompete. »Irgendwann haben wir einfach jeden Tag zusammen gespielt«, so der ältere Bruder. Als sie dann die Schule abbrechen wollten, um zu musizieren, hätten die Eltern – ein Musiklehrer und eine Sängerin – erst einmal die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Mittlerweile dürften sie aber mächtig stolz sein, was ihre Söhne erreicht haben: Fünf Studioalben, eine goldene Schallplatte für ihr viertes Album »Relaxed Jazzed« und zahlreiche Preise bei anerkannten Musikwettbewerben machen die beiden zu viel mehr als nur Nachwuchstalenten des deutschen Jazz. Ihre Lieder schreiben und komponieren sie allesamt selbst – zu Hause in Hückeswagen, einem 16 000 Einwohner zählenden Ort im Bergischen Land.

Wie gut sich die Brüder dann ergänzen, erfuhren mehr als 60 Besucher dann beim anschließenden Konzert – denn so richtig mag der eine ohne den anderen nicht. Nachdem Roman Wasserfuhr das erste Lied solo am Klavier spielte, schlich sich Bruder Julian auf die Bühne, um mit seinem Trompetenspiel die Klavierrhythmen mit passgenauer Leichtigkeit und Wärme zu ergänzen. An insgesamt sechs Titeln wie das etwas ältere »Joy und Sorrow« oder Chet Bakers »You don’t know what Love is« durfte sich das Publikum erfreuen, bevor es lautstark eine Zugabe von den Brüdern einforderte, und diese auch mit »Bill’s Religion« (entstanden in ihrer Zeit in Boston) bekam.

Viele Gedanken hatte sich Roman Wasserfuhr über den anschließenden Film gemacht, den er für das Publikum auswählte. Und so stimmte dann letztlich auch einfach alles, denn er entschied sich für »Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit«, eine 2011 erschienene Dokumentation über den französischen Jazzpianisten Petrucciani (1962-1999), der unter der Glasknochenkrankheit litt und kleinwüchsig war, und trotz dieser Hindernisse zu einem international gefragten Star wurde.

Tonarten, die keiner gerne spielt

In Deutschland hatte Petrucciani regelmäßige Auftritte in den TV-Sendungen seines Freundes Roger Willemsen. Petrucciani sei einer der ersten Jazzpianisten gewesen, die er gehört hat, erläuterte Roman Wasserfuhr seine Auswahl. Seine Musik und die Art wie er Musik geschrieben hat, mit ihren Tonarten, die eigentlich keiner so gern spielen möchte, hätten den ausgebildeten Komponisten sehr inspiriert.

Wer so neugierig auf das junge Duo – beide Musiker sind noch keine 30 Jahre alt – geworden war, hatte dann noch die Möglichkeit, sie in Verbindung mit einem Kombiticket mit ihrer Band am Samstag während der Reihe »Swingin’ Park« in Bad Salzhausen zu erleben.

Am 11. Dezember geht die Reihe »Artist View«, die der Verein »künstLich« mit Hilfe von Sponsoren wie der Ovag Energie AG veranstaltet, weiter: Zu Gast ist Martin Tingvall, der dem Tingvall Trio seinem Namen gibt. Am 20. Februar wird die klassisch ausgebildete Musikerin Poppy Ackroyd aus London ihre Musik und ihren Lieblingsfilm präsentieren.

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