Laubach

»Demenzfreundliche Kommune«: Podiumsgespräch in Laubach

02. November 2014, 19:48 Uhr
Podiumsdiskussion zum Thema »Demenzfreundliche Kommune« mit den Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Laubach, (von links) Michael Steigerwald, Monique Schmitt, Peter Klug, Dirk Michael Hofmann und Ralf Gontrum. (Foto: nab)

»Das Thema ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft«, hatte zuvor Kathrin Wind, Vorstand des Oberhessischen Diakoniezentrums, in ihrer Begrüßung deutlich gemacht. Es gehe um die Qualität und das Miteinander in Laubach. Ist die Stadt auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Kommune? Und wer muss dabei zusammenarbeiten? Was hat sich getan, was muss sich noch tun fünf Jahre nach den ersten Kunst- und Aktionstagen Demenz.

Was hat sich bereits getan?

Die Bewerber um das Bürgermeisteramt stellten sich dabei den Fragen von Dr. Angela Stender, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Dekanats-AG Grünberg, Hungen und Kirchberg, sowie Doris Wirkner von der Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung.

Der 34-jährige Amtsinhaber Peter Klug (unabhängig, unterstützt von Freien Wählern, Grünen, BfL) sagte, dass sich in den vergangenen fünf Jahren in einigen Köpfen etwas geändert hat. »Das Thema ist gesetzt, aber noch lange nicht so, dass wir alle uns bei entsprechenden Entscheidungen daran erinnern. « Mit Blick auf das Projekt Dorfschmiede Freienseen und das Projekt »Betreutes Wohnen« im Neubaugebiet Wetterfeld machte Klug aber auch deutlich, dass sich einiges tut. Wichtig seien dabei auch Vernetzungen auf vielfältigen Ebenen wie Oberhessisches Diakoniezentrum, Kirchen, privaten Pflegediensten, Fachleuten und beispielsweise auch des Seniorenbeirats der Stadt. Für die nächsten fünf Jahre wünscht er sich eine Runden Tisch, und dass Laubach zu einem Vorreiter in Sachen Demenzausbildung wird.

Klugs 39-jährige Herausforderin Monique Schmitt (CDU, Verwaltungsangestellte aus Beuern) sieht vor allem in der Unterstützung für pflegende Angehörige Handlungsbedarf. Die Kommune habe die Aufgabe, über Angebote zu informieren. Dies könne über ein Seniorenbüro oder in Mitarbeit bei der Servicestelle Demenz, die das Oberhessische Diakoniezentrum zurzeit einrichtet, realisiert werden. »Mit großen Ausgaben ist das nicht verbunden«, sagte Schmitt mit Blick auf die finanzieller Lage der Stadt, die unter dem sogenannten Schutzschirm steht.

Mit Blick auf die Finanzen machte auch SPD-Kandidat Michael Steigerwald (41 Jahre, Politologe/Verwaltungswissenschaftler) deutlich, dass Geld nicht die wichtigste Ressource sei, um einen Bewusstseinswandel herbeizuführen. Wichtig sei die Teilhabe von Menschen mit Demenz am gesellschaftlichen Leben, ihnen Sicherheit und Klarheit zu geben, sowie durch Aufklärung für eine Enttabuisierung des Themas zu sorgen. Dies könne man durch Kampagnen und Pressearbeit, aber auch Projekte, die durch die Stadtwaldstiftung oder die Robert-Bosch-Stiftung gefördert werden, erreichen. Steigerwald regte an, eine Stabsgruppe »Familienstadt Laubach« einzurichten. »Wo wollen wir in Zukunft hin?«, sei dabei die maßgebende Frage.

Der 50-jährige Industriekaufmann Dirk Michael Hofmann aus Freienseen (unabhängig) beklagt, dass Selbsthilfegruppen fehlen und wünscht sich, dass sich Angehörige ohne Scham an Institutionen wenden können und nicht mehr von Kassen und Sozialverbänden über Wochen und Monate wie Bittsteller behandelt werden. Die Kommune und Verbände, vor allem aber auch Vereine könnten dabei Erkrankte auch integrieren und damit den Angehörigen helfend unter die Arme greifen. »Es muss normal sein, dass wir als Gesellschaft mit an Demenz erkrankten Menschen umgehen.«

Der unabhängige Kandidat Ralf Gontrum aus Ruppertsburg (50 Jahre, Dipl.-Verwaltungswirt/Polizist) regte an, zur Unterstützung der Angehörige beispielsweise auch in Kooperation mit dem Arbeitsamt oder über die Gerichte und Sozialstundenleistende zusätzliche Demenzbetreuer zu generieren. Mit Blick in die Zukunft wünscht er sich, dass in fünf Jahren fast täglich Veranstaltungen für Senioren stattfinden. Ein Anfang sei schon mal gemacht, wenn beispielsweise die Internetseiten von Diakonie und Stadt umfangreichere Informationen und Ansprechpartner zum Thema bereithalten.

Jeder einzelne ist gefragt

Deutlich wurde aber auch während der Podiumsdiskussion, dass nicht die Kommune allein in der Verantwortung ist. Der Bürgermeister/die Bürgermeisterin kann Akzente setzen, weil die politisch Verantwortlichen die Rahmenbedingungen für das Leben der Menschen in der Kommune machen. Sehr eindringlich verdeutlichte eine Dame aus dem Publikum, dass jeder einzelne gefragt sei, wenn es darum gehe, hilfsbereit und freundlich anderen Menschen auf der Straße zu begegnen und geduldig und liebevoll miteinander umzugehen. »Toleranz« war dann auch der Begriff, den Vorstand Kathrin Wind ganz oben auf ihrer Liste stehen hatte, die aufführte, was sich die Besucher der ersten Kunst- und Aktionstage Demenz 2009 am meisten für die kommenden Jahre gewünscht haben.

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