Laubach

»Gegenwind«: Windräder bei Lauter Gefahr für Trinkwasser

14. September 2014, 21:48 Uhr
Nördlich des Wasserwerks Lauter der OVAG (lila-rote Fläche, Schutzzone 1) könnten zwei Windräder (VRG 4115) errichtet werden. Flächen der Wasserschutzzone 2 sind blau markiert, der Zone 3a gelb. (pm)

Die Planungen der »iTerra Wind« GmbH, Projektierer des Interkommunalen Windparks Grünberg und Laubach (IGL), nämlich sehen den Bau zweier »Mühlen« innerhalb der Schutzzone des Wasserwerks Lauter vor. Für die Bürgerinitiativen »Gegenwind« Weickartshain und Laubach eine Gefahr für das Trinkwasser, gingen doch mit Bau wie Betrieb von Windenergieanlagen (WEA) nicht zu akzeptierende Risiken einher.

Für die BIs ist es daher auch »absolut nicht nachvollziehbar, dass das RP Gießen im aktuellen Planungsstand des Teilregionalplans Energie ausgerechnet dort ein Vorranggebiet für Windenergienutzung (VRG 4115) festgesetzt hat.« Das Unternehmen iTerra plane zwei über 200 Meter hohe Anlagen auf dieser, in puncto Trinkwasser besonders kritischen Fläche.

RP: Wird in Abwägung einbezogen

Dabei, so die BI, »gelten Windenergieanlagen nachweislich als besonders gefährlich, enthalten sie doch große Mengen wassergefährdender Stoffe und dürfen grundsätzlich in Wasserschutzgebieten nicht errichtet werden.« Während des Baus wie auch des Betriebes, bei Störungen und Schadensfällen könnten diese Stoffe ins Trinkwasser gelangen und weitreichende Umweltschäden verursachen, die eine ernste Gefahr für die Gesundheit darstellten.

Pro WEA dieser Bauart kämen so nicht weniger als 2400 Liter wassergefährdender Hydraulik-, Transformatorenöle, Kühlmittel u.a.m. zum Einsatz, die austreten und somit das Grundwasser und in der Folge das Trinkwasser verunreinigen könnten. Bei unsachgemäßem Gebrauch, bei Unfällen, Explosion, Brand oder Leckagen aufgrund der hohen hydrostatischen Drücke, durch Windwurf bei Stürmen seien die Folgen technisch oftmals kaum beherrschbar, so dass riesige Mengen wassergefährdender Stoffe in den Untergrund gelangen könnten. Unkalkulierbarer Aufwand und enorme Kosten entstünden außerdem bei der erschwerten Beseitigung der Kontamination. Laut VDI stiegen die Schäden an Windrädern kontinuierlich an.

Wie die Windparkgegner erklären, habe man bereits im Oktober 2013 das RP Gießen darauf aufmerksam gemacht, dass man Bau und Betrieb der Anlagen in der Trinkwasser-Schutzzone als ein »nicht hinnehmbares Risiko für das Grund- bzw. Trinkwasser ansieht«. Zusätzliches Gefährdungspotential resultiere aus den ungünstigen topologischen Verhältnissen: »Geplante WEA-Standorte befinden sich in steiler Hanglage zum Fassungsgebiet, welche hangabwärts obendrein nur eine sehr dünne und somit stark erosionsgefährdete Bodenauflage aufweist.«

Die BI hat daher im August 2014 förmlich beim RP Gießen beantragt, die Vorrangfläche 4115 aus dem Teilregionalplan ersatzlos herauszunehmen bzw. bei einem Verfahren nach BImSchG dem Betreiber die Genehmigung zu versagen. Die Fachbehörde habe am 27. August zwar den Eingang der Eingabe bestätigt, jedoch ohne dezidierte Stellungnahme und ausweichend. Zitat RP: »Die vorgetragenen Argumente werden im Zuge des laufenden Planungsprozesses zum Teilregionalplan Energie behandelt und in die Abwägung durch die Regionalversammlung einbezogen werden.«

Zur wissenschaftlichen Stützung und Objektivierung ihrer Argumente, so wieder die BI, habe man vorsorglich einen Sachverständigen mit der Erstellung eines hydrogeologischen Gutachtens für dieses Gebiet beauftragt, dieses zusammen mit genanntem Einspruch dem Regierungspräsidium Gießen zugeleitet. In dem Gutachten würden alle wesentlichen hydrogeologischen Verhältnisse im Blick auf das bestehende Gefährdungsrisiko für das Trinkwasser dargestellt und kritisch bewertet.

Nicht zuletzt stehen für die BIs die folgenschweren Konsequenzen der Baumaßnahme zudem im Konflikt mit dem Wasserhaushaltsgesetz. Das verpflichte schließlich dazu, »die erforderliche Sorgfalt anzuwenden, um eine nachteilige Veränderung der Gewässereigenschaften zu vermeiden.« Insbesondere wenn es um den Trinkwasserschutz gehe.

»Ist es unter diesen Umständen überhaupt gerechtfertigt, besagtes Gebiet als geeignete Vorrangfläche für die Windenergienutzung auszuweisen?«, fragt die Bürgerinitiative. Auf der einen Seite stünden ausschließlich die wirtschaftlichen Interessen des Betreibers iTerra und der Gemeinde Grünberg (Flächeneigner); allerdings hätten diese beiden »Mühlen« kaum Aussicht auf Gewinn, besonders wenn man an die fragwürdig errechnete Windhöffigkeit und das Risiko der Nichtgenehmigung bedenke.

Zur Not rechtliche Schritte

Auf der anderen Seite stünden das Gemeinwohl, benannte Risiken sowie die fatalen Auswirkungen auf ein intaktes Waldgebiet. »Alle diese verhängnisvollen Folgen«, schließt die von Dr. Jörg Neudert verfasste Erklärung, »hätten Mensch und Natur zu erdulden, wobei ein Großteil der unkalkulierbaren Kosten wiederum von der öffentlichen Hand zu tragen wäre.« Um diese eklatante Gefährdung des Gemeinwohls abzuwenden werde man nötigenfalls alle gebotenen rechtlichen Schritte einleiten.

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