Laubach

Laubach: Klare Mehrheit für Erweiterung Fachmarktcenter

11. August 2014, 13:48 Uhr
Planskizze Erweiterung Fachmarktcenter. An den Investor werden verkauft: 2240 qm für einen »Landfuxx«-Gartenmarkt zu je 15 Euro/qm (33 600 Euro), 2900 qm für Backshop/»Casino« zu 25 Euro/qm (72 500 Euro). Rund 2010 qm erält das Kaufhaus Schwalbach. (pm)

Die Diskussion im »hohen Haus« erinnerte etwas an jene vom Sommer 2011: Auch damals stand die Erweiterung an, derselbe Investor wie jetzt wollte einen Drive-in-Backshop, eine Spielhalle und einen »NKD« nach Laubach holen; zudem klopfte der Gartenmarkt »Landfuxx« an. Doch bekanntlich hatten die Stadtverordneten Vorbehalte, machten die Investoren einen Rückzieher. Diesmal aber soll’s was werden, zumindest stimmte das Plenum dem Verkauf zu. Einzige Änderung gegenüber 2011: an die Stelle von »NKD« ist jetzt der »Landfuxx« (hier zunächst nur Kaufoption!) getreten. Zudem werden noch weitere gut 2000 qm ans Kaufhaus Schwalbach zur Philipp-Reis-Straße hin für eine eventuelle, spätere Aussiedlung verkauft.

Dass am Ende eine breite Mehrheit zu notieren waren, lag vor allem daran: In einer Sitzungsunterbrechung hatte Investor Welker versichert, sich an den Erschließungskosten (Bau von 623 qm öffentlicher Straße/siehe Skizze ) zu beteiligen. Was skeptische Stimmen vor allem aus der CDU verstummen ließ.

»›Casino» schon ein Problem«

Der Preis, so zuvor die Unionspolitiker Dr. Mike Rinker und Björn Erik Ruppel, liege deutlich unter dem von 2011. Würde der jetzt auch noch für voll erschlossenes Bauland gelten, legte die Stadt noch drauf. Nach dem Gespräch mit dem Investor zeigte sich Fraktionschef Ruppel aber beruhigt: »Nach seinem Bekunden sei es eine Selbstverständlichkeit, dass die Erschließungkosten auf die Grundstücke umgelegt werden.«

Dass ohne eine städtische Straße andere Parzellen östlich des Centers (kein Überwandlungsrecht) nicht zu erreichen wären, bat hier Bürgermeister Klug zu bedenken (die Baukosten der Straße werden mit rund 80 000 Euro veranschlagt, liegen über der zurzeit »sicheren« Einnahme aus dem Verkauf der 2900 qm für Casino und Backshop; wird die Option »Landfuxx« aber gezogen, käme es gar zu weiteren, mit der Erschließung möglichen Ansiedlungen, wendete sich dieserart Bilanz – nur »Momentaufnahme« – ins Positive, die Red.).

Alles in allem, so wieder Rinker, stimme die CDU für die Erweiterung des Fachmarktcenters, auch wenn das Gesamtpaket das ethisch-moralisch zweifelhafte »Casino« als »ungeliebtes Kind« enthalte.

Namens der Freien Wähler hatte Horst Lang zunächst daran erinnert, dass vor Landfuxx mit »tegut« bereits in 1990ern eine weitere Marktansiedlung gescheitert war. Zwar gelte es nach wie vor, die Auswirkungen auf den Innenstadthandel im Auge zu behalten, doch wiege die Skepsis seiner Fraktion nicht mehr so stark. Vielmehr sei das erfolgreiche Bemühen der Verwaltungsspitze zu würdigen, die Investoren von einem neuen Anlauf überzeugt zu haben.

Innenstadtschutz verliert Bedeutung

Lang ließ das »Casino« (2011 ein wesentlicher Ablehnungsgrund der FW ob der ethischen Bedenken, doch eben ergiebige Einnahmequelle, die Red. ) nicht außen vor. »Das ist ein Problem«, räumte er ein. Eine Lösung aber könne sein, wenn sich die Politik ihrer Pflicht stelle dagegenzuhalten, der Jugend alternative Freizeitgestaltung zu bieten.

Und Schwalbach? Sofern er denn tatsächlich rausginge (Grundstück vorsorglich gesichert), wäre das bedauerlich. Aber, auch darin war sich Lang mit Rinker einig: Die Stadt müsse eine unternehmerische Entscheidung akzeptieren. Langs Fraktionskollege Dr. Häbel griff den Aspekt »Grüne Wiese« auf. Er sieht einen Trend, wonach der Schutz der Innenstadt im politischen Diskurs an Bedeutung verliert. Seine Mahnung: »Je mehr wir an den Rand schieben, desto mehr geht im Inneren verloren.«

Da die SPD – so wie damals nur die CDU – bereits 2011 dafür war, freue man sich jetzt über den »Sinneswandel« der FW, meinte SPD-Fraktionssprecher Hartmut Roeschen. Zum Glück zeige der Investor nochmals Interesse. Ihrer (ablehnenden) Meinung treu bleiben die Grünen. Wie bereits Rinker (CDU) stellte Michael Köhler infrage, ob »Landfuxx« tatsächlich komme. Der Grüne ist sich sogar sicher: »Damals wie heute bleibt das ein Märchen. Das ist nur ein Zückerle.«

Backshop und Spielhalle jedoch brauche Laubach nicht. Köhler beantragte daher, direkt mit »Landfuxx« und Schwalbach zu verhandeln. Und: Angesichts der ungeklärten Fragen der Erschließung/Verwertbarkeit anderer Parzellen solle dann zunächst mit dem Projektierer im Fachausschuss beraten werden. Solcherart Vertagung aber wurde von einer breiten Mehrheit abgelehnt.

Dafür waren nur die »BfL«: Nach Hans-Georg Frank braucht Laubach selbst den »Landfuxx« (700 qm Verkaufsfläche) nicht; der habe keine Chance gegen den großen »Herkules« in Grünberg, werde aber ohnedies nicht gebaut. »Am Ende kommt nur Backshop und »Casino«.

Am Ende stand der Beschluss zum Verkauf der Grundstücke, auf CDU/FW-Antrag ergänzt um die Festsetzung skizzierter Erschließungsmodalitäten und einen Rückauflassungsvermerk im Grundbuch (falls nicht gebaut werden sollte). Ach ja: Als Gesamteinnahme aus den Verkäufen fließen rund 145 000 Euro an die Stadt bzw. an die Hessische Landgesellschaft (HLG). (Skizze: pm)

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