Das Silvesterwürfeln in Laubach hat eine lange Tradition

Laubach (nab). Am letzten Tag des Jahres geht es in Laubach um die Worscht. Oder die Brezel. Oder um die Torte. Oder um Gutscheine. Denn das Silvesterwürfeln ist seit Jahrhunderten eine Tradition in der Stadt. Auch diesmal lockte es viele Besucher in die teilnehmenden Cafés und Gaststätten.
01. Januar 2013, 20:23 Uhr
Sie fordern das Glück heraus: Silvesterwürfeln in Laubach.

Die kleine Marla hat Glück. Quasi ein typischer Fall von Anfängerglück scheint da vorzuliegen, ist es doch schließlich ihr erstes Mal. Gespannt hatte sie den Würfelbecher in die Hand genommen, geschüttelt und die drei Würfel auf die weiße Spielfläche kullern lassen. Es galt, höher als die Zahl Zwölf zu kommen. Würfeln darf man zum Gllück so oft, bis man mit zwei Würfeln die gleiche Augenzahl erhält. Das brauchte Marla aber gar nicht lange, den schon beim ersten Wurf purzelten drei Sechser auf den Tisch. Gewonnen hat sie ein kleines gebackenes Hefeteig-Glücksschwein. Paschs fallen an diesem Nachmittag sehr viele im Café Göbel, einem der teilnehmenden Gasthäuser. »Früher haben sich die Leute mit dem Würfelspielchen die Zeit vertrieben bis es endlich Mitternacht wurde«, berichtet Annette Eggebrecht vom Café. Sie hat alte Listen gefunden, auf denen notiert war, das Karl, Schorsch und Hannes um Würstchen und Brezeln gewürfelt haben. Sie selbst kennt die gesellige Tradition von Klein auf. Ihre Großmutter hatte als junge Frau angefangen, zusätzlich zu den Brezeln auch Törtchen zu backen.

Heute drängeln sich die großen und kleinen sowie die alten und jungen Spieler nur noch von 14.30 bis etwa 17 Uhr um die fünf Spieltische. Bei Einsätzen zwischen 50 Cent für eine Brezel oder zwei Euro für eine Torte sind sie alle auf der Jagd nach einem Schnäppchen. Haben sie das Geld in den oberen von zwei Porzellantellern gelegt, können sie Fortuna herausfordern. »Je nach Wetterlage ist ganz schön was los«, resümiert Annette Eggebrecht. Mit Menschen voll besetzte Busse seien schon zum Spielen gekommen. »Und auch trotz Finanzkrise ist diesmal die Spiellust ungebrochen«, fügt die Inhaberin des Cafés hinzu.

Bei Ida und dem kleine Nick geht es gerade im wahrsten Sinnes des Wortes um die Worscht. Beide liegen gleichauf und müssen den Gewinn mit einem Stich ausmachen. Drei Fünfen würfelt das Mädchen, macht 15. Doch Nick hat drei Sechsen, also 18 und freut sich über die Bratwurst der ortsansässigen Metzgerei Kielbassa. »Früher gab es noch vier Metzger im Ort«, erzählt Peter Jockel, der in der Gaststätte »Alt Laubach« als Croupier für den regelgerechten Ablauf des Spiels sorgt. »Die Metzger haben die Bratwürste gemacht, die Bäcker haben die Brezeln gebacken. « So ging das Silvesterwürfeln jedenfalls der Tradition nach. Vermutlich haben französische Soldaten das Glücksspiel während des Dreißigjährigen Krieges in das Städtchen gebracht. Heute befürchten manche eine »Verunstaltung«, weil viele Gaststätten und Bistros statt Hausmacher Wurst und Brezel lieber verschiedene Gutscheine verteilen.

Den Mitarbeitern vom McDiyar Döner und Pizzahaus in der Oberen Langgasse gefällt die Laubacher Tradition jedenfalls bestens. Deshalb sind sie selbstverständlich seit der Eröffnung vor drei Jahren beim Silvesterwürfeln dabei. Zu gewinnen gibt es natürlich Döner. Auf der anderen Straßenseite etwas weiter unten tummeln sich Mädchen und Jungen mit ihren Eltern vor dem Eingang zum Restaurant »Litfaß«. Pizza und Gyros stehen am Bahnhof bei der »Dampflok« hoch im Kurs und auch im Steakhaus »Zur Eule« oder im Ristorante »Il Gusto« wird das Glück herausgefordert. Sicher ist, dass es eng und kuschelig in den Gaststätten ist. Vor dem »Café am Markt« stehen die Menschen sogar Schlange, um Einlass zu begehren.

Marla wird ihren Gewinn noch ein bisschen aufheben, weil er »so niedlich« aussieht. So wie die Sechsjährige haben sicherlich viele junge und ältere Besucher noch bis zum Abend »Schwein« gehabt. Oder Torte. Oder Wurst. Oder Döner. Oder ganz traditionell eben einfach Brezel.

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