Laubach

»Gesundheitszentrum Laubach« bald in trocknen Tüchern?

15. März 2012, 11:28 Uhr
Für ein »Gesundheitszentrum Laubach« vorgesehen: die Häuserzeile im Bereich Bahnhofstraße/Marktplatz. (Foto: tb)

Das Zentrum mit Allgemein- und Fachärzten unter einem Dach soll bekanntlich über der »Engel-Apotheke« sowie in der ehemaligen Pizzeria nebenan Platz finden. Apropos Platz: Laut Vermieter Roßbach stünden für dieses »Gesundheitszentrum Laubach« (das zweite Projekt des Büros »CMM« am favorisierten Standort Kurze Hohl ist gescheitert) nicht weniger als 800 bis 1100 Quadratmeter in zentraler Altstadtlage zur Verfügung. Dank Aufzug barrierefrei.

Eingangs der Sitzung hatte Bürgermeister Klug an die »heißen Diskussionen« erinnert, wie die ärztliche Versorgung in Laubach zu sichern wäre. Im Ergebnis stand der Auftrag an das Fachbüro »CMM« (Düsseldorf). Klug wörtlich: »Es freut mich, dass durch die Arbeit des Büros und das Aufzeigen von Möglichkeiten sogar ein Laubacher Investor oder besser gesagt mehrere Investoren gefunden wurden.« Allen sei bei Auftragserteilung an »CMM« klar gewesen, dass die Stadt kein weiteres Geld investiert. Positiv nannte der Rathauschef, dass es nicht nur gelungen sei, private Financiers zu finden, sondern auch den Arztsitz von Dr. Sturm (»war ja schon fast verkauft«) zu sichern. Klug zufrieden: »Der Prüfauftrag ist abgehandelt.«

Dem Ausschuss stand auch Albrecht Römpp für Erläuterungen zur Verfügung. Der Berater mit Schwerpunkt »Praxis- und Qualitätsmanagement« bewertete das Konzept als »erfolgversprechend.« Dafür stünden die geplante Kooperation mit starken Partnern (Kliniken), die Verwurzelung der Initiatoren in der Stadt, die Vernetzung mit Praxen und Apotheken, der entwicklungsfähige Standort sowie die facharztübergreifende Konzeption, meinte Römpp, der auch Trainer der kassenärztlichen Bundesvereinigung ist.

Günter Stephan suchte den Sozialpolitikern zuvörderst eines klarzumachen: Ohne geordnete Krankenversorgung ist der Fortbestand einer Kleinstadt stark gefährdet. Der seit über 20 Jahren in Laubach praktizierende Allgemeinmediziner sah in dezentralen Versorgungsstrukturen die Lösung. Also das »Andocken« von Fachärzten an das Zentrum, das dafür Räume bereitstellt. Als gebotene Kompetenzen nannte er Kardiologie, Diabetologie, Pädiatrie, Gynäkologie, Orthopädie, Neurologie/Psychiatrie und Dermatologie. An das Laubacher Zentrum würde so zum Beispiel ein Viertel-Facharztsitz eines Hautarztes »angedockt«, der einige Sprechstunden die Woche anbietet.

Stephan: »Eine Win-Win-Situation«

Dem entgegen kommen Bestrebungen der Kassenärztlichen Vereinigung, die Facharzt-Zuweisung – auch: skizzierte Aufteilung – zu erleichtern (Arztsitze sind bisher nur per Zuweisung oder Kauf zu erhalten).

Ob der Überalterung der Ärzteschaft (hierzulande im Schnitt 58 Jahre, kaum Nachwuchs, schon gar nicht auf dem Land) sowie einer Frauenquote von 70 Prozent beim Medizinernachwuchs sei es geboten, sich für junge Kollegen/-innen attraktiv zu machen. Heißt: etwas für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun, etwa über Angestellenverträge und neue Arbeitszeitmodelle. Auch die Stadt sollte ihren Beitrag leisten, mit ihren Pfunden – etwa alle Schulformen vor Ort, kulturelles Angebot – wuchern.

Stephan machte im Weiteren deutlich, ein Gesundheitszentrum werde nur im Verbund mit Kliniken funktionieren. Er stehe daher nicht nur in Kontakt mit Facharztpraxen, sondern - unter anderen - mit dem Ärztlichen Direktor des Gesundheitszentrums Wetterau, Prof. Grimmiger. Wie Fritz Roßbach erläuterte, umfasst das Raumkonzept drei Etagen über der Apotheke sowie das Nachbargebäude (über ehemaligem »Nahkauf«). Erster Schritt sei der Umzug Stephans 2012, Multifunktionsräume würden hiernach bevorzugt an Fachärzte vermietet. Roßbach: »Erste Gespräche gibt es.«

Wieder Stephan verwies auf Ideen für Sponsoring und Gemeinnützigkeit sowie einen Förderverein. Er unterstrich: »Ein Projekt wie dieses wird nicht durch einen Beschluss realisiert, es ist nur der Anfang einer Entwicklung.« Und: Es bedürfe dringend einer Vernetzung mit Leistungserbringern vor Ort (Physiotherapeuten, Betreutes Wohnen, Hotels, etc.). Projekte wie diese funktionierten nur aus gewachsenen Strukturen heraus, »neu bauen und dazukaufen geht nicht.« Stephan wie Roßbach zeigten sich von den Chancen des Zentrums überzeugt, auch für die Belebung der Altstadt, seien doch Patienten auch Kunden: »Eine Win-Win-Situation.«

»Wir müssen das auf möglichst breite Schultern stellen, die Stadt sollte diese Initiative unterstützen, mahnte Joachim M. Kühn (FW). Einzige Bedenken kamen von Hans Gontrum (»BfL«): »Die Parkplatzsituation ist schon jetzt eine Katastrophe, bei einem Ärztezentrum wird es noch schlimmer.« Besser wäre ein Standort außerhalb der Altstadt, etwa der »MiniMal-Markt«, gewesen. Dass dies das »klitzekleinste Problem sei«, entgegnete Stephan.

So sahen es auch Bürgermeister Klug, der eine andere Parkplatzbewirtschaftung ins Gespräch brachte. Und ebenso Anne Sussmann (FW), die die Schaffung weiterer Stellflächen als machbar erachtete.

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