In Dornholzhausen Ge(h)denkfeier für Paul Schneider

Langgöns (bkl). »Unser Gedenken ist ein Dreiklang: Es geht um erschreckende Tatsachen, um das Erzählen dessen, was uns bewegt, so dass aus dem Gedenken ein ›Geh denken!» wird, und um einen Ort, wo wir der Nähe Gottes gewiss sein können« so Superintendentin Ute Kannemann bei einer Gedenkfeier für Paul Schneider,
24. Juli 2014, 19:38 Uhr
Die Jugendband »Back to life«, von links Andreas Jung, Benjamin Schmidt, Luisa Pracht, Max Wagner und Elena Schütz. (Foto: bkl)

Diese stand unter dem Leitspruch »Erinnern – Ge(h)denken – Bedenken«. Der ehemalige Pfarrer von Hochelheim und Dornholzhausen und Mitglied der Bekennenden Kirche war vor 75 Jahren wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im Konzentrationslager Buchenwald ermordet worden. Im Rahmen des Jubiläums »111 Jahre evangelische Jugend im Kirchenkreis Wetzlar« hatten sich an Schneiders Todestag, dem 18. Juli, rund 70 Besucher, darunter die Hälfte Jugendliche, auf dem Gelände des Paul-Schneider-Freizeitheims bei Dornholzhausen versammelt.

Kreuz aus Stacheldraht

Kannemann hielt die Andacht und übernahm damit den Part der erkrankten Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer. Im Zentrum stand Vers 37 aus dem 18. Kapitel des Johannesevangeliums. Dies war der Konfirmationsspruch Paul Schneiders. Darin geht es um die Frage nach der Wahrheit, der Schneider, wie sich zeigen sollte, in seinem Leben in unterschiedlicher Weise auf der Spur war: Mal als Vertreter liberaler theologischer Positionen, mal ganz konservativ, wenn er beispielsweise gegen Tanzveranstaltungen und Karneval Stellung bezog. Dabei seien weder das eigene Ansehen noch die grundsätzliche politische Opposition Richtschnur für den Theologen gewesen, so Kannemann, sondern allein der Wille Gottes. Der Seelsorger wehrte sich dagegen, die kirchliche Jugendarbeit zugunsten der Hitlerjugend aufzugeben oder sich in seine christliche Verkündigung von den Nationalsozialisten hineinreden zu lassen. »Ich habe Frau Schneider nie verbittert erlebt«, sagte Kannemann, die die Witwe noch persönlich kannte. Bis ins Alter habe sie zu dem gestanden, was ihr Mann gesagt und getan habe.

Paul Schneider sei in seinem Ringen um die Wahrheit ein Vorbild für Menschen in dem Sinne, dass sich auch heute manche Einstellungen im Laufe des Lebens ändern müssten. Die Herausforderung »Geh denken!« gelte es, im Blick auf die Gegenwart aufzunehmen, um Wahrheiten des persönlichen Lebens, aber auch in Kirche und Politik kritisch zu hinterfragen. Sämtliche Wahrheiten seien jedoch aufgehoben in dem Wort Christi: »Ich lebe und ihr sollt auch leben.« Zuvor hatte Kannemann anhand Schneiders Biographie einen ausführlichen Rückblick auf das bewegte Leben dieses Mannes gegeben.

Die Jugendband »Back to life« aus Lützellinden, deren Auftritt Kreiskantorin Jasmin Neubauer mit organisiert hatte, begleitete die Feier musikalisch. Gekonnt regte dabei das aus zwei jungen Frauen und drei jungen Männern bestehende Quintett die Gemeinde mit Liedern wie »Gut, dass wir einander haben« oder »Sei du der Mittelpunkt in meinem Leben« zum Singen an.

Nun wurde den Gästen auch die Bedeutung der am Anfang ausgegebenen Stacheldrahtstücke klar: Gemeinsam legten alle daraus ein Kreuz – zum Gedenken an Paul Schneider und die anderen Opfer des Nationalsozialismus. Ein Zeichen der Fürbitte für Menschen, die ihr Ringen um die Wahrheit teuer bezahlen müssen, setzten die Teilnehmenden, als sie Teelichter anzündeten und sie um das Kreuz stellten. Die Lichter verwandelten sich in Zeichen der Hoffnung, als das heiße Wachs durchsichtig wurde und die Worte »Gott segne dich« auf dem Teelichtboden zum Vorschein kamen.

Ein zusammenfassendes Schlussgebet sprach Rüdiger Henke, Jugendreferent des Kirchenkreises Wetzlar. Beim Imbiss, von Mitarbeitern des Paul-Schneider-Heims zubereitet, und angeregten Gesprächen klang die Gedenkfeier aus. Weitere Informationen zu Paul Schneider gibt es im Internet unter www.paul-schneider-gesellschaft.de.

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