Spende aus Nonnenroth für Flutopfer in Kroatien

19. November 2014, 18:58 Uhr
Ortsvorsteher Leipold und Mijo Galir (rechts) überreichen Pfarrer Ikic 1500 Euro für die Flutopfer im kroatischen Gunja.

Referent war Pfarrer Mijo Ikic. Er arbeitet seit zehn Jahren Klinikseelsorger in Ludwigshafen. Er selbst ist nahe Gunja geboren und aufgewachsen – zu einer Zeit, als es noch keine Grenzstadt war. Nach dem Zerfall Jugoslawiens wurde praktisch vor den Toren der Stadt die Grenze zu Bosnien-Herzegowina gezogen. Dadurch konnten die Menschen nicht mehr in der Großstadt Brcko arbeiten gehen, denn die lag nun im Ausland. Die Gegend um Gunja verarmte.

Als die Flut kam, wurde den Menschen ihr Hab und Gut genommen, erzählte Ikic. Die Ernte in Gärten und auf dem Feld wurde vernichtet. »Die Menschen hatten 20 Jahre zuvor den Krieg erlebt, doch die Flut hat sie noch härter getroffen. Das Wasser hat buchstäblich alles weggespült.« 22 900 Quadratkilometer wurden überflutet, rund 230 Schulen und medizinische Einrichtungen zerstört.

Bereits im Juli reiste Ikic erstmals in das Katastrophengebiet, ein zweites Mal im Oktober. Er berichtet von der Verzweiflung der Menschen vor Ort. Viele leben in Massenunterkünften oder sind bei Bekannten und Freunden untergekommen, da ihre Häuser noch immer nass sind.

Gunja habe bei seinem ersten Besuch wie eine Geisterstadt gewirkt, sagte Ikic. An vielen Häusern seien die Fenster herausgerissen worden. Einige Gebäude müssten abgerissen werden, da sie sich wegen der verwendeten Baumaterialien nicht trocknen ließen. Nur wenige Menschen seien in der Stadt geblieben. Sie hatten das Glück, dass ihr Haus ein zweites Geschoss hatte, welches von der Flut nicht überschwemmt wurde. Doch die gesamte Infrastruktur sei zusammen gebrochen.

Neben dem Hochwasser sorgten Erdrutsche für große Schäden – in den ersten zehn Tagen nach der Katastrophe wurden über 2000 von der Regierung registriert. Eine dieser Lawinen traf auch Ikic’ 82-jährigen Vater. Dieser wollte, weil er ein Geräusch gehört hatte, gerade auf der Terrasse nachschauen, als ihn ein Erdrutsch traf. Nachbarsjungen konnten ihn aus dem Schlamm retten. Das rund 250 Jahre alte Haus ist jedoch ebenso wie mehrere Nachbargebäude schwer beschädigt.

Die staatliche Hilfe ist begrenzt. Familien, die ihr gesamtes Hab und Gut inklusive Haus verloren haben, erhalten 500 Euro. Davon kann man nicht viel neu aufbauen. Gleichzeitig gibt es jedoch ein Aufbauprogramm: So lässt der Staat für Personen, die das aufgrund ihres Alters nicht mehr selbst leisten können, Häuser sanieren oder abreißen und neu bauen. Jüngere Menschen erhalten Zuschüsse, die jedoch oft nicht ausreichen, um auch nur einen Teil der Schäden zu beseitigen.Um die Einrichtung müssen die Menschen sich selbst kümmern.

Überrascht ist der Seelsorger von der Solidarität der Flutopfer. Als im Oktober zehn Kühlschränke zu verteilen waren, ließen manche freiwillig ihren Nachbarn den Vortritt, weil die noch schlimmer dran waren als sie selbst. »Jeder hilft jedem – egal ob Jung oder Alt, egal ob christlich, orthodox oder muslimisch,« sagt Ikic.

Betroffen machte die Zuhörer auch das Schicksal einer älteren Frau, die fast blind ist. Das Leben in der Notunterkunft in einer fremden Umgebung mit den Warteschlangen vor Toiletten und Küche hielt sie nicht aus, weshalb sie in einen Verschlag in ihrem zerstörten Häuschen zog. Ein Nachbar bringt ihr jeden Tag Trinkwasser im Kanister und Essen aus der öffentlichen Küche vorbei. Zu solchen Menschen ist Ikic unterwegs. Auch der kleinste Tropfen Hilfe gebe den Menschen Hoffnung und das Gefühl, nicht allein zu sein..

Im Anschluss an seinen Bericht überreichten Mijo Galir, der Wirt im Dorfgemeinschaftshaus, der selbst aus Gunja stammt, und Ortsvorsteher Werner Leipold an Ikic einen Scheck über 1500 Euro. Das Geld stammt aus Spenden von Privatpersonen und Firmen sowie der Kollekte vom Nonnenröther Dorffest. Davon soll, wie Leipold verriet, die zerstörte Heizungsanlage eines Kindergartens erneuert werden.

Spenden für die Hochwasseropfer nimmt die »Aktion Silbermöwe« des Bistum Speyer entgegen, Verwendungszweck »Hochwasserhilfe Kroatien/Bosnien«. IBAN DE 25 7509 0300 0000 0363 40, LIGA Bank Speyer.

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