Hungen

Jackl: »EEG bedroht unsere Existenz«

04. September 2014, 18:08 Uhr
Kai Jackl, Inhaber der Hungener Textilveredelungsfirma Jackl, erläuterte dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Michael Boddenberg, die Produktionsprozesse. (Foto: Geck)

Das mittelständische Unternehmen beschäftigt 49 Mitarbeiter und ist auf die Veredelung von Textilien spezialisiert. Im Mittelpunkt der Produktion steht das Färben von Gewebe sowie Wirk- und Maschenware aus Baumwolle, Polyester, Polyamid, Viskose und deren Mischungen. An jedem Werktag werden in dem Familienunternehmen rund vier Tonnen Maschenwaren aus tierischen, pflanzlichen und synthetischen Fasern veredelt.

Im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen Kai Jackl, Inhaber und Geschäftsführer des Traditionsunternehmens, und Boddenberg standen die Entwicklungen auf dem Energieversorgungsmarkt. »Das EEG ist ein Riesenproblem für kleine stromintensive Industriebetriebe, wie meine Textilveredlungsfabrik«, betonte Jackl. Die Kostenexplosion im Energiesektor verschlechtere die Standortbedingungen und erschwere den internationalen Wettbewerb. »Wir zahlen für Strom gut 18 Cent pro Kilowattstunde, da wir keine EEG-Entlastung bekommen, während unsere Konkurrenz in Frankreich nur sieben Cent und in China nur fünf Cent zahlt. Das können Betriebe mit geringem Energiekostenanteil verkraften. Nicht aber die stromintensive Textilbranche«, so der Unternehmer. Was für einen Privathaushalt bereits stark belastend sei, könne für ein Unternehmen wie Jackl existenzbedrohend werden.

Für gleitenden Einstieg

Jackl verdeutlichte im Beisein des kaufmännischen Leiters Volker Stromberger, dass die erträgliche Belastungsgrenze bei den Stromkosten für sein Unternehmen bereits überschritten sei. So entsprachen die Energiekosten 2013 knapp einem Fünftel des Umsatzes. Besonders die Stromkosten seien seit Jahr 2008 in Folge steigender Umlagen für EEG und Netzentgelte stark angewachsen: Im Jahr 2008 lag die Rechnung bei rund 120 000 Euro für Strom. Im Jahr 2014 erwarte er mit rund 200 000 Euro etwa 66 Prozent mehr – und das, obwohl der Stromverbrauch dank Energiesparmaßnahmen im gleichen Zeitraum um 28 Prozent gesunken sei.

Von der Politik erhofft sich der Unternehmer bessere Rahmenbedingungen, insbesondere für kleine stromintensive Betriebe. Die Energiewende dürfe nicht dazu führen, dass Deutschlands wettbewerbsfähige und innovative Industrie auf dem internationalen Markt keine Chancen mehr habe.

Konkret sprach sich der Mittelständler – ebenso wie Dr. Clemens Christmann von der Vereingung hessischer Unternehmerverbände – gegen den geforderten Mindestverbrauch von einer Gigawattstunde pro Jahr bei der EEG-Entlastung und für einen gleitenden Einstieg aus, damit auch Betriebe, die zwar weniger als 16 Prozent Stromkostenanteil an der Bruttowertschöpfung haben, aber immer noch stromintensiv sind, zumindest teilweise entlastet würden.

Boddenberg dankte Jackl für das offene Gespräch: »Die Energiewende ist gesamtgesellschaftlicher Konsens und wird von den Menschen überwiegend bejaht.« Nach Fukushima und dem Beginn der Energiewende hätte man viel deutlicher sagen müssen, dass diese sehr, sehr teuer werde. Auf die aktuelle Diskussion bezogen, verwies er darauf, dass sich die Bundesregierung bis zuletzt für den Erhalt der sogenannten ›Besonderen Ausgleichsregelung» eingesetzt habe, die für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch bzw. hohen Stromkosten Entlastungen bei der EEG-Umlage vorsehe. Diese Ausnahmeregelung für die Industrie könne jedoch nicht beliebig zulasten der privaten Stromkunden ausgeweitet werden.

Boddenberg zeigte Verständnis dafür, dass Unternehmen mit der Ausgleichsregelung nicht einverstanden seien. Angesichts des bereits abgeschlossenen Gesetzgebungsverfahrens sowie der bestehenden politischen Mehrheiten auf Bundesebene und in den Ländern bestünde aber im Augenblick keine Möglichkeiten für Änderungen oder für zusätzliche Ausnahmen.

»Die Kostendiskussion muss gleichwohl fortgesetzt werden und es müssen weitere Reformschritte folgen«, sagte der Fraktionsvorsitzende abschließend.

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