Grünberg

Grünberg: Reges Interesse an Infoabend zu Flüchtlingsheim

09. Oktober 2014, 09:18 Uhr

Um zu informieren, Fragen der Bürger zu beantworten und mit der Sozialarbeiterin Hysnie Sagirmahmutoglu die Ansprechpartnerin vorzustellen, hatte das »Team Asyl« beim Landkreis sowie Grünbergs Bürgermeister Frank Ide in die Grundschule Stangenrod eingeladen. Wie sich zeigen sollte, war das Informationsbedürfnis der Stangenröder groß.

»Würden wir nicht das gleiche tun, würden wir nicht auch aus solchen Verhältnissen flüchten?«, fragte zunächst Ide in die Runde der etwa 70 Anwesenden. Er hoffte, dass sich auch in Stangenrod viele finden, die den »anfangs noch fremden Menschen« helfen.

Hermann Wilhelmy, ev. Flüchtlingspfarrer, sprach die höchst traumatischen Erlebnisse der Menschen an, etwa wenn sie sich in überfüllten Booten übers Meer gerettet haben. Er erinnerte an Berichte von Flüchtlingen, die vor dem Kentern der Schaluppe ausgelost hatten, wer über Bord muss, um die anderen zu retten.

Auch skizzierte Wilhelmy das Verfahren, dass alle Asylbewerber von der Einreise bis zur Anerkennung/Abschiebung durchlaufen müssen. Dazu zählt grundsätzlich die medizinische Untersuchung.

Seien 2008 nur 20 Flüchtlinge dem Landkreis zugewiesen worden, seien es in diesem Jahr bereits 600, fasste Jörg Glasenhardt-Freymann als Leiter des Teams Asyl beim Kreis Gießen die Situation mit nüchternen Zahlen zusammen. Binnen zwei Jahren habe man 350 Plätze geschaffen, in 14 Gemeinschaftsunterkünften sowie in Privatwohnungen. Auch für das in Stangenrod angemietete ehemalige Wohngebäude sei es das Ziel, die Belegung auf 75 Prozent zu begrenzen. Ob der hohen Zahlen aber werde das oft nicht erreicht. Angestrebt wird wiederum eine ehrenamtliche Begleitung der Flüchtlinge. Eine verbesserte Koordinierung dieser Hilfen – etwa beim Erlernen von Sprache oder Gebräuchen, »aber keine Sozialarbeit« – ist dank der neuen halben Stelle bei der Diakonie zu erwarten. Zu einem Treffen für Interessenten soll in Kürze eingeladen werden.

Hildegard Haarhoff, Leiterin der Grundschule Stangenrod, berichtete von entsprechenden Initiativen in Beltershain: Über die Schüler erreiche man die Eltern, treffe sich zum Frühstück, tausche sich aus, lerne einander kennen. Dass manche der Flüchtlinge keinen Kontakt wünschten, diese Erfahrung habe auch sie gemacht. Glasenhardt-Freymann verwies noch auf die Bemühungen des Kreises Gießen, den Wünschen der – mit Arbeitsverbot belegten – Asylbewerber nach Praktika und Arbeitsgelegenheiten zu entsprechen (kreisweit gibt es derzeit freilich nur acht Stellen, davon allein sechs am »Laubacher Stift«, die Red.). Diesen Punkt griff nicht nur ein Redner an diesem Abend auf: »Die Menschen werden dort einfach abgestellt.«

Der in Stangenrod nicht vorhandene ÖPNV (außer Schulbusse) wurde gleich von mehreren Bürgern als Problem benannt. Dem aber wurde wegen der – im Vergleich zu den Lebensverhältnissen in der »Dritten Welt« – geringen, das heißt fußläufigen Entfernungen nach Grünberg und Lehnheim (Bahn) widersprochen.

Vereinzelt kamen Ängste vor Belästigungen oder Diebstählen zur Sprache. »Es ist richtig, Probleme und Befürchtungen anzusprechen, ernstzunehmen und nach Lösungen zu suchen«, betonte hier Pfarrer Wilhelmy. Sollte etwas querlaufen, könne man sich jederzeit an die Sozialarbeiterin Hysnie Sagirmahmutoglu wenden, entweder direkt (zwei Stunden die Woche vor Ort) oder über Telefon (Nummer via Ortsbeirat zu erfahren).

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