Staatsanwältin fordert lebenslang für Grünberger

Fulda/Grünberg (bf). Der Prozess zum Mordfall »Lorenzo« nähert sich dem Ende: Am Montag wurden die Schlussplädoyers gehalten, die Staatsanwältin forderte lebenslange Haft wegen Mordes für den angeklagten 39-jährigen Grünberger, dessen Verteidiger plädierte auf Totschlag.
13. Dezember 2011, 09:53 Uhr
Der angeklagte Grünberger zu Prozessbeginn. Am 20. Dezember soll das Urteil verkündet werden. (Archiv-Foto: sha)

Als die Plädoyers gehalten waren, standen die beiden Angeklagten nacheinander auf und baten die Mutter des Opfers um Verzeihung: »Ich möchte Ihnen mein Beileid ausdrücken. Ich hätte nicht mitgemacht, wenn ich gewusst hätte, dass eine Waffe im Spiel ist«, sagte die frühere Freundin des Angeklagten, eine 31-Jährige aus Mücke.

»Es tut mir wahnsinnig leid. Es ist für mich unfassbar, was ich da angerichtet habe«, sagte der Angeklagte. Lorenzos Mutter schüttelte den Kopf: »Gott und das Gericht werden über sie richten!«, rief sie aus. »Die Reue kommt zehn Monate zu spät«, rief der Onkel des Toten aus dem Zuschauerraum.

Unstrittig zwischen den Beteiligten ist der äußere Rahmen der Handlung: Der Angeklagte und seine Freundin fuhren am Tag vor der Tat nach Fulda und boten von einem Automatensalon aus im Internet einen nicht vorhandenen VW-Bus zum Kauf an. Die Kaufinteressenten sollten um eine Anzahlung oder vielleicht auch mehr geprellt werden. Den Tatort, die abgelegene Kinderakademie, hatten die Angeklagten vorher gemeinsam ausgekundschaftet. Mit drei auswärtigen Kaufinteressenten verabredeten sich die Angeklagten: Lorenzo und sein Schwager waren die ersten, die in Fulda ankamen.

Für Freundin vier Jahre Haft gefordert

Am Abend holte der Angeklagte die Kaufinteressenten am Bahnhof ab, fuhr mit ihnen zur Kinderakademie. Dort liefen die Münchner und der spätere Täter 55 Minuten umher, ehe der Angeklagte in einem Moment, als er beide Käufer vor sich hatte, zur mitgeführten Neun-Millimeter-Pistole griff und neun Mal schoss. Lorenzo wurde tödlich getroffen.

Staatsanwältin Christina Dern zeigte sich überzeugt, dass die Angeklagten schon am Tag vor der Tat geplant hatten, ihre späteren Opfer zu berauben und mit vorgehaltener Waffe zu zwingen, das mitgeführte Geld herauszugeben. Als der Angeklagte dann mit den Käufern zusammen war, habe er es jedoch nicht über sich gebracht, sie Auge in Auge zu bedrohen. Der Angeklagte sei zwar ein erfahrener Betrüger, aber ein Raub wäre Neuland für ihn gewesen. Schließlich habe er seinen Plan geändert und sich entschlossen, seine Opfer ohne Vorwarnung niederzuschießen. Dass er nur einen der Käufer tödlich getroffen habe, sei bei dem wenig geübten Schützen Zufall gewesen.

Die Freundin sei in die Tat, auch in den Einsatz der Waffe, eingeweiht gewesen. Der Angeklagte habe aus Habgier, Heimtücke und um eine Straftat zu decken, getötet. Dern beantragte, den Angeklagten wegen Mordes, versuchten Mordes, versuchten schweren Raubes und versuchten Raubes mit Todesfolge zu lebenslanger Haft zu verurteilen. Für die Ex-Freundin, die sich des versuchten schweren Raubes und des versuchten Raubes mit Todesfolge strafbar gemacht habe, beantragte sie vier Jahre Haft.

Verteidiger: »Affekthandlung«

Die Nebenklagevertreter Elke Edelmann und Florian Mangold regten an, bei dem Angeklagten die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Damit könnte er im Falle einer lebenslangen Haft nicht nach 15 Jahren entlassen werden. Für die Opfer-Vertreter steht fest, dass sich der Angeklagte spätestens auf der Fahrt zur Kinderakademie entschlossen habe, die Münchner zu erschießen, um vor Entdeckungen sicher zu sein. Zudem habe er schon vorher versucht, alle Spuren, die zu ihm führen, zu beseitigen.

Rudolf Karras, Verteidiger des Angeklagten, sagte, sein Mandant habe die Waffe nur mitgeführt, um seine damalige Freundin zu schützen. Was in den letzten Minuten vor der Tat passiert sei, wisse man nicht. Zwei Zeuginnen hätten eine gereizte Stimmung zwischen den drei Männern beobachtet. Der Angeklagte habe sich tatsächlich mit einem Betrug, dessen Details Karras nicht ausführte, Geld beschaffen wollen. Zwischen den Männern hätten sich dann große Spannungen aufgebaut. Unter dem Einfluss von Medikamenten sei es dann zu einer Affekthandlung gekommen. Er habe sich bedroht gefühlt und geschossen, was vorher nie geplant gewesen sei. Der Verteidiger beantragte, den Angeklagten wegen versuchten Betrugs und Totschlags zu verurteilen. Einen konkreten Strafantrag stellte Karras nicht.

Knut Hillebrand, Verteidiger der Angeklagten aus Mücke, sagte, seine Mandantin habe lediglich von einem geplanten Betrug gewusst. Ihr eigentlicher Tatbeitrag sei gering. Eine Haftstrafe von neun Monaten sei deshalb ausreichend. Am 20. Dezember soll das Urteil verkündet werden.

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