Grünberg

Windpark Grünberg: Ärzteinitiative warnt vor Infraschall

26. April 2015, 12:33 Uhr
Standorte der geplanten »Mühlen« im Windpark Grünberg (IGL-Nord).

Die Initiative, der die Mediziner Dr. Ortger Krantz, Dr. Heide Krantz, Dr. Dieter Devynck und Dr. Gisela Quass angehören, warnt insbesondere vor Gesundheitsgefahren, resultierend aus Infraschall, erzeugt durch die Turbinen der geplanten drei Windräder. In ihrem Appell an Grünbergs Bürgermeister, Stadträte und Stadtverordnete fordert man ein Abrücken von dem Vorhaben, lägen doch die Standorte zu nah an Siedlungen wie auch der Theo-Koch-Schule.

In Sorge um die Gesundheit der Mitmenschen müsse man, so die Mediziner eingangs, mit größtmöglicher Sicherheit ausschließen können, dass aufgrund des Infraschalls irgendwelche Krankheitsrisiken bestehen könnten. Hierzu wäre ein gesicherter Nachweis erforderlich. »Diese Bestätigung wurde jedoch längst nicht erbracht, obwohl dies von denjenigen Akteuren, welche vor allem durch die Windenergienutzung bevorteilt werden, vorsätzlich behauptet wird.« Aus zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ergebe sich derzeit vielmehr eine »glaubhafte Bestätigung« für die gesundheitsgefährdende Wirkung von Infraschall.

»Diese Erkenntnisse zwingen alle Verantwortlichen zum grundlegenden Überdenken der bisherigen Vorgehensweise im Zuge der Planungs- und Genehmigungspraxis für Windenergieanlagen.« Als Ärzte richte man überdies seine Achtsamkeit auf die leidvollen Erfahrungen, denen Anwohner von Windturbinen permanent ausgesetzt seien. Patienten klagten über Symptome wie »Schlafstörungen, Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Schwindel, Übelkeit, Gleichgewichtsstörungen, Bluthochdruck, Tinnitus, Konzentrationsstörungen, Depressionen, Lernschwierigkeiten bei Kindern, Angstgefühle, Unruhe, Panikattacken, Vibrieren im Brustkorb, Herzrasen, Atemnot«.

»Keine Versuchspersonen sein«

Die beste Vorsorge sei immer die Vermeidung andauernder schädlicher Immissionen. Grundsätzlich sollten jedoch keine Windturbinen in der Umgebung von Wohnhäusern, Arbeitsstätten, Schulen, Kindergärten etc. betrieben werden. Die Frage nach einem hinreichenden Schutzabstand sei bei Infraschall – »nachweislich auch durch Hindernisse wie Häuser oder übliche Schallschutzmaßnahmen kaum zu schwächen und auch in geschlossene Räume eindringend« – noch nicht zuverlässig zu beantworten.

Nach heutigem Wissensstand müsse man sich deshalb für möglichst große Abstände aussprechen. Als erste Richtlinie hierzu könnte die in Bayern gültige Regel dienen, die einen zehnfachen Abstand, bezogen auf die Höhe der Anlage, verlange. Bei einer Gesamthöhe der Grünberger »Mühlen« von rund 200 Metern (knapp 140 Meter Nabenhöhe) fordert die Ärzteinitiative daher einen Mindestabstand von 3000 Metern. Hier geplante Standorte lägen, so weiter das Schreiben der Initiative, deutlich näher zu den Ortschaften Lehnheim, Lauter, Weickartshain, Stockhausen und auch zu großen Teilen des Stadtgebietes. Ein landwirtschaftlicher Hof reichte gar nur bis auf rund 650 Meter an die nächstliegende Anlage heran, die TKS mit über 1500 Kindern nur rund 1200 Meter. »Wie schädlich sich hörbarer Lärm auf die kognitive Entwicklung und Lebensqualität von Kindern auswirkt, hat ganz aktuell die NORAH-Studie nachgewiesen. Über die negativen Wirkungen des unhörbaren Infraschalls herrscht immer noch weitgehende Unkenntnis.«

Weiter: Vorgesehene Flächen lägen alle auf einer durchschnittlichen Höhe von über 300 Meter ü.N.N. Bei einer »vertraglich zugesicherte Anlagenhöhe von 210 m« würden sich die Großwindanlagen bis zu mehrere Hundert Meter gegenüber dem Wohnsitz auftürmen. Die Anlagen stünden daher für fast alle Grünberger Stadtteile und die meisten angrenzenden Dörfer immer im Sichtbereich, in den überwiegenden Fällen zudem auch in Hörweite sowie eben im direkten Infraschall-Wirkungsbereich zu den Bewohnern.

Fazit und Forderung der Mediziner: »Keine Genehmigung (...) für den Fall, dass die Standorte nicht einen weitgehend als sicher geltenden Mindestabstand von 3000 m zur Wohnbebauung bzw. zu den Grünberger Schulen aufweisen.

Noch besteht die Möglichkeit, eine fatale Entwicklung mit unabsehbaren gesundheitlichen Folgen für unsere Patienten und Mitbürger aufzuhalten. (...) Wir Grünberger Bürger wollen auf keinen Fall unfreiwillig zu Versuchspersonen werden!«

IGL-Nord: Zum Stand der Dinge

Die Kritik der Ärzteinitiative Grünberg richtet sich zuvörderst gegen die Planungen oberhalb des Lehnheimer Kreuzes. Was ist der Stand der Dinge bei »IGL Nord«?

»Wir sind beim Finalisieren der Genehmigungsanträge«, sagte Geno Marlene Allersmeier als Projektleiterin der »iTerra Wind« GmbH & Co. KG auf Anfrage dieser Zeitung. Um zugleich zu konkretisieren, dass es aktuell nur um diese drei »Mühlen« im Norden des Interkommunalen Windparks Grünberg-Laubach (IGL) gehe. Noch nicht akut nämlich ist laut Allersmeier der Windpark nahe Lauter (die GAZ berichtete). »Ob und wann IGL-Süd folgen wird oder könnte, ist derzeit noch nicht absehbar.« Nicht korrekt sei mithin, wenn die »Ärzteinitiative Grünberg« bereits von späterhin fünf Windrädern ausgehe.

Die von den Medizinern in ihrem Appell an die Stadt genannten Anlagenstandorte (siehe auch Grafik) stimmten mit der Planung von i-Terra zwar nicht mehr ganz überein, die Verschiebungen betrügen aber nur einige Meter. Auch stimmten die eingezeichneten Abstände in Teilen nicht genau, übermäßige Abweichungen gebe es aber nicht; »außer bei der Ziegelhütte, da beträgt der Abstand nach aktueller Planung rund 700 Meter.«

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