Ein Bauer, zehn Leser: Führung auf dem Sonnenhof

Buseck (khn). Seit einem Jahr begleitet diese Zeitung den Sonnenhof und den Landwirt Jürgen Scheld. Wir berichten über seine Arbeit, sein Leben und seine Ansichten. Jetzt waren zehn Leser zu Besuch auf dem Sonnenhof und erhielten einen Einblick in den etwas anderen landwirtschaftlichen Biobetrieb.
24. Oktober 2016, 09:43 Uhr
(Foto: Kays Al-Khanak)

Eckhard Bröckmann ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. 40 Jahre ist das mittlerweile her. Als er den ehemaligen Hofladen und heutigen Aufenthaltsraum auf dem Sonnenhof in Großen-Buseck betritt, nimmt er sofort vertraute Gerüche wahr. »Hier riecht’s nach Milchwirtschaft«, sagt er und lächelt. Der Wiesecker war einer von zehn Lesern, die der Landwirt Jürgen Scheld und die Gießener Allgemeine Zeitung am Samstag zu einer Hofführung eingeladen hatten. Im Rahmen unserer Serie »1 Bauer – 1 Jahr« konnten sie einen Einblick in das Leben und Arbeiten auf dem Biohof erhalten.

Geplanter Beginn der Führung ist um 14 Uhr. Doch schon vorher sind fast alle der zehn Besucher bereits vor Ort. Zu neugierig sind sie auf den Hof und den Bauern, die sie im Rahmen der Serie »kennengelernt« haben. Sie alle hatten dieser Zeitung eine Begründung geschrieben, warum sie bei der Führung mit dabei sein wollen. Christoph Westrupp zum Beispiel aus Buseck nimmt mit Danuta Munske teil. »Auf meinen Nordic-Walking-Touren bin ich schon oft vorbeigekommen. « Seine Eltern hatten drei Kühe und drei Schweine, und nun interessiert es ihn, wie auf dem Sonnenhof gearbeitet wird. Petra Bröckmann aus Wieseck will mehr über das Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie wissen, in dem sich ein Biobauer bewegt. Sabine Lohmann aus Wißmar ist gesunde Ernährung wichtig. Ali Yamini, ihr Begleiter, hat Agrartechnik studiert und will sein Wissen auffrischen.

Bereits während der Vorstellungsrunde fragen die Teilnehmer der Hofführung dem Bauern Löcher in den Bauch. Wie groß ist der Hof? Wie viele Tiere gibt es? Konzentriert sich Jürgen Scheld nur auf Kühe? Warum ist der Hof so breit aufgestellt? Der Landwirt steht Rede und Antwort – auch bei unbequemen Themen. Sabine Lohmann zum Beispiel ärgert sich darüber, dass die meisten Kühe in der Landwirtschaft keine Hörner mehr haben. Auch Jürgen Scheld lässt diese ausbrennen. »Warum machen Sie das?«, fragt die Leserin ihn. Vor vielen Jahren hatte der Biobauer darauf verzichtet, den Kühen die Hörner zu nehmen. Zwei Jahre lang klappte das. Bis er eines Tages eine gefährliche Situation mit einem dominanten Rind miterleben musste – und die Konsequenzen zog. »Ich habe Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern, meinen Auszubildenden und allen anderen Menschen hier auf dem Hof.«

Zuerst führt Jürgen Scheld die Gruppe zu den Kuhställen. Das Wetter spielt nicht mit, immer wieder gibt es einen kräftigen Regenschauer. Herbert Meckel, der zusammen mit seiner Ehefrau Marina aus Villingen gekommen ist, schüttelt sich kurz und lacht. »Wir sind doch nicht aus Zucker.« Wie es sich für einen Biobauernhof gehört, sind die über 70 Rinder auf der Weide. »Hier ist der Kuhstall«, sagt der Bauer mit Blick in die leere Stallung mit einem Augenzwinkern. »Schön ist etwas anderes.« Dafür verzücken die drei bis vier Wochen alten Kälbchen einige der Besucher. Sie gehen auf Tuchfühlung, und die jungen Tiere begegnen den Besuchern mit Neugierde und Zutraulichkeit. Jürgen Scheld erzählt von den Herausforderungen, vor denen ein Landwirt in der Milchwirtschaft steht. Einfacher, ist sein Tenor, wird es nicht. Er stellt seinen Maschinenpark vor, die Saisongärten, erläutert die Fruchtfolge, zeigt die beiden Schweine und das Gehege, in dem sich Hühner tummeln.

Ute Weidenbach vom Siegbacher Ziegenhof betreibt zusammen mit Jürgen Scheld die Hofkäserei. Dort gibt sie den Lesern einen Einblick in die Herstellung von Käse. Eine Auswahl davon dürfen die Besucher anschließend im Aufenthaltsraum probieren – sowie Quark- und Apfelkuchen, die Seniorchefin Emmi Scheld zubereitet hat.

Und? Hat es Spaß gemacht? »Na klar«, sagt Hans-Peter Kastner. Beeindruckt hat den Laubacher, dass der Bauer klar macht: Ja, wir lassen die Tiere schlachten. Aber vorher stellen wir sicher, dass sie ein schönes Leben haben. »Ein Bauer, der respektvoll mit seinen Tieren umgeht. Das merkt man sofort«, sagt auch Sabine Lohmann. »So einen Einblick bekommt man nicht oft«, ergänzt Christoph Westrupp. »Ich bin dankbar, dass die Zeitung das ermöglicht hat.«

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