Biebertal

Windräder am Helfholz?

25. September 2014, 18:58 Uhr
Windräder (Symbolfoto)

Weitere Kriterien könnten sich als Fußangeln erweisen. Trotzdem hat die« Volkswind«, ein Projektierer und Betreiber von Windenergieanlagen aus dem niedersächsischen Ganderkesee, bereits Vorverträge mit privaten Grundstückseigentümern abgeschlossen.

Windenergie stand auf der Tagesordnung des Bauausschusses am Mittwoch im Bürgerhaus Rodheim Bieber. Rund 20 Bürger übernahmen die Zuhörerrolle. Volkswind-Mitgeschäftsführer Dr. Malte Huchzemeier und der für Hessen zuständige Projektierer Arno Floren stellten die 1993 gegründete Firma und beide potenziellen Flächen vor. Der Standort Bubenrod wäre die östliche Verlängerung der existierenden Wind-Vorrangfläche in Hohensolms wo bereits sieben Windräder Strom erzeugen. Die Fläche befindet sich ausschließlich in privater Hand. Drei Windräder könnten dort gebaut werden. Die Eigentumsverhältnisse am »Helfholz« sind zweigeteilt: wiederum Privatbesitz sowie Grundstücke der Gemeinde im nördlichen Bereich. Fünf bis sieben Windräder passten insgesamt dorthin, je nachdem, ob Biebertal seine Fläche ebenfalls verpachten würde.

Kommunales Interesse

Bürgermeister Thomas Bender teilte mit, dass Bürgerbeteiligung vorgesehen ist, aber nicht etwa mittels Neugründung einer Genossenschaft, sondern im Zugriff auf die Bürgergenossenschaft Sonnenland in Großen-Buseck. Sonnenland-Vorsitzender Uwe Kühn sei in das Biebertaler Vorhaben schon eingebunden.

Wie Dr. Huchzemeier ausführte, sei die Bürgerbeteiligung möglich über den Erwerb von Genussscheinen der Sonnenland-Genossenschaft. Sonnenland könne sich am Gesamtprojekt einbringen (Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent) )oder mit ein bis zwei Windrädern in Eigenregie, Volkswind übernähme deren Wartung. Der Geschäftsführer würde das getrennte Modell bevorzugen. Sonnenland müsste dann knapp sieben Millionen Euro investieren und anderthalb Millionen Eigenkapital dafür aufbringen. Bürgermeister Bender meldete das vorrangiges Interesse der Gemeinde Biebertal an Pachteinnahmen und Gewerbesteuer an. Weniger denke die Gemeinde an Unternehmertum. Bestenfalls käme der Erwerb von Genussscheinen in Frage.

200 Meter hohe Masten

Dr. Huchzemeier erläuterte das Vorgehen der Volkswind: Das Unternehmen pachtet oder kauft Land, sucht den geeigneten Anlagenbauer, sei insofern Hersteller unabhängig, und betreibt die Windparks in Eigenregie. Deren Laufzeit heute: 25 Jahre (bisher 20). Man verfüge auch über erste Erfahrungen mit dem Bau von Windparks im Wald.

Die Biebertaler Windräder wären jeweils 199 Meter hoch (141 Meter Nabenhöhe, 117 Meter Rotordurchmesser) und hätten 2,4 Megawatt Leistung. Bei Stückkosten von 3,4 Millionen Euro wären maximal 34 Millionen Euro zu investieren. Jeder Windrad-Standort benötigt eine Fläche von 2500 Quadratmeter für den Aufbau des Windrads per Schwerlastkran sowie für die Dauer von 20 oder 25 Jahren für etwaige Wartungsarbeiten. Bei Standorten im Wald müsste entsprechend abgeholzt werden. Zufahrtswege benötigen eine Mindestbreite von 4,5 Metern und werden mit Schotter befestigt.

Käme der Plan vollends zur Ausführung, wäre Königsberg von drei Seiten von Windparks umgeben. Im Westen der bestehende Windpark Hohensolms, nördlich die Helfholz-Fläche, im Süden »Bubenrod« und möglicherweise im Südosten ein Windpark auf Lahnauer Gebiet. Der Teilplan Energie im Regionalen Entwicklungsplan Mittelhessen untersagt die Einkreisung einer Ortschaft wie auch die Aufreihung von Windparks nebeneinander, wie im Falle Bubenrod zu Hohensolms. Hinzu kommt, dass Bubenrod faktisch kein Einzelgehöft, sondern eine Siedlung mit etwa 50 Bewohnern ist. Bei Einzelgehöften gilt ein Mindestabstand von 600 Metern, für Ortsränder ein Kilometer. Das nächste Windrad zu Bubenrod hält nur die 600 Meter ein. Nun gilt es heraus zu finden, ob der Bebauungsplan Bubenrod als Einzelgehöft ausweist. Am Helfholz ist Wasserschutzgebiet der Zone III: Bauen ist prinzipiell möglich (nur I und II wären Ausschlussgründe).

Königsbergs Ortsvorsteher Wolfgang Lenz meinte, man beobachte, dass in Hohensolms die Windräder manchmal tagelang still stünden. Wie solle er den Königsbergern also erklären, warum jetzt weitere Windräder gebaut würden? Kürzlich sei in Rodheim-Bieber der Uhu gesichtet und erstmals an das Gießener Regierungspräsidium gemeldet worden. Dieser Umstand müsse beachtet werden.

Angesichts der ungeklärten Fragen sollen jene vorerst geklärt werden. Inge Mohr (FW) beantragte die Zurückstellung des Grundsatzbeschlusses, ob Biebertal Windenergie wolle oder nicht. Mehrheitliche Zustimmung (eine Nein-Stimme, eine Enthaltung).

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