Bundestagswahl

Die Grünen zwischen Nostalgie und Realismus

»Atomkraft, nein Danke!«-Fahnen und Latschen waren einmal. Die Bundestagskandidatin der Grünen, Eva Goldbach, erklärt, warum grüne Themen wichtig bleiben.
13. September 2017, 13:00 Uhr
Die Bundestagskandidatin der Grünen, Eva Goldbach, hört beim politischen Stammtisch in der »Speckmaus« in Langgöns zu, weiß aber auch schlagkräftig zu antworten. (Foto: isb)

An alte Zeiten fühlte sich manch ein Anwesender nur durch die »Atomkraft nein Danke«-Fahne erinnert. Die Zeit der latschentragenden Zauseln mit Blumen und provokanten Plakaten ist vorbei. Warum habe die Partei den Biss verloren, fragt ein Gast. Weil die Welt komplizierter geworden sei, die Probleme nur durch komplexe und schwierige Lösungen zu bekämpfen. »So einfach wie in den 80ern geht es nicht mehr, sobald man in der Regierungsverantwortung steht, kann man nicht mehr nur die reine Lehre vertreten«, sagt Eva Goldbach, Kandidaten der heimischen Grünen für den Bundestag.

Willkommene Kandidatin

Als die Grünen 1983 erstmals in den Bundestag einzogen, da waren ihre Ziele neu, das Parteiprogramm gelang mit knappen Botschaften – die ehrliche Antwort von Eva Goldbach: »Wenn wir urgrün sind, dann fühlen sich die Menschen in ihrem Umfeld und Besitz bedroht«. Die Alternative sei nur, nicht in der Regierung zu sein und somit gar nichts machen zu können.

Ein Hauch von Nostalgie-Wehmut ist auch in der Speckmaus zu spüren. Die Linken stünden mittlerweile eher mit radikal-ökologischem Habitus da, so kritische Stimmen. »Wenn man weiß, dass man nicht in die Regierung kommt, kann man das weiter so machen«, sagt Goldbach mit hochgezogenen Augenbrauen. Also ein bisschen schwer, den alten Flair des Rebellischen ziehen zu lassen; aber eine Kandidatin mit Sinn für Realität, die diese auch offen ausspricht, so schien es, war mit ruhiger, aber mimischer Zustimmung durchaus willkommen.

Ökologische Landwirtschaft fördern

So wenig in diesem Punkt die Besitzer der kritischen Stimmen noch nach den einstigen Grünen aussehen, so tut es auch Goldbach nicht. Politik kann auch oberflächlich sein – ein ironischer Kommentar: Auch optisch sei die Kandidaten der Grünen ein Gewinn für den Bundestag, man denke nur an die Wirkung, die FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner habe…

Die Fragensteller beschäftigt ein Querschlag durch die politischen Themen, von kommunal bis Bundesebene. Kindergartengeld, Tempolimit, Operationswut in Krankenhäusern – die Wahlkreiskandidatin antwortet auf alles, verweist aber auch auf Kollegen, die mehr im entsprechenden Thema sind. »Mit einem Löwenherz«, so sagt sie, geht es aber immer noch in erster Linie um die grünen Themen. Und da hat sie auch handfeste, konkrete Vorschläge: zum Beispiel sollen Landwirte mehr Geld für mehr ökologische Arbeit – Vielfalt der Ackerfrüchte, weniger Masse an Tieren – bekommen, statt für mehr Fläche und Masse.

Atomausstieg? Na klar!

Der SUV-Beliebtheit soll zumindest in den Betrieben entgegengesteuert werden, denn diese großen Wagen mit hohem CO2-Ausstoß seien vor allem beliebte Firmenwagen. Das »ökologischste Fahrzeug« solle dann steuerlich absetzbar sein. Auch ein Tempolimit bis möglichst 120 Kilometer pro Stunde auf deutschen Autobahnen müsse eingeführt werden, denn auch hier führe eine hohe Geschwindigkeit zu hohem Schadstoffausstoß. Und natürlich, Atomausstieg: ja, auf jeden Fall!

Goldbach zeigt sich bodenständig. Ihr selbst habe der Termin viel gegeben, die direkte Rückmeldung an einem Tisch, was die Menschen bewegt, biete ihr neuen Stoff zum Nachdenken und verbessern, so lautet ihre positive Bilanz des Wahlkampftermins.

Info

Die Stammtischparole

»Was früher die FDP war, das sind doch heute die Grünen.«

Eva Goldbach: Es gibt drei politische Themen, an denen man sieht, wie weit Grüne und FDP auseinanderliegen: Die Energiewende, die Flüchtlingspolitik und der Diesel. Die Grünen wollen die Energiewende vorantreiben, die FDP will sie verlangsamen. Die Grünen wollen eine humane Flüchtlingspolitik, die FDP will einen härteren Kurs einschlagen. Die Grünen wollen die Verkehrswende einleiten und den Strukturwandel bei der deutschen Automobilindustrie gestalten. Die FDP hält an veralteter Technologie fest und will die Automobilindustrie vor Veränderungen »schützen«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Atomausstieg
  • Atomenergie
  • Christian Lindner
  • Deutscher Bundestag
  • FDP
  • Nostalgie
  • Tempolimit
  • Kreis Gießen
  • Isabelle Becker
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.