Schwimmunfall

»Wir dachten, die Frau würde tauchen«

Zwei Zehnjährige verhindern im Biebertaler Familienbad eine Tragödie. Als eine Frau regungslos im Wasser liegt, reagieren sie genau richtig. Im Gespräch erzählen sie, wie es dazu kam.
14. Juli 2017, 08:00 Uhr
Zwei Zehnjährige retteten einer Frau im Biebertaler Familienbad das Leben. (Foto: pm)
Jasmin Bangert konzentriert sich in diesem Moment auf die Kinder im Nichtschwimmerbecken. Dann hört sie hinter sich schnelle Schritte. Augenblicke später stehen Till Kraft und Nils Crombach vor ihr: »Im Wasser liegt eine Frau, die bewegt sich nicht mehr!« Die Zehnjährigen sind Stammgäste im Biebertaler Familienbad. Die Ferienzeit nutzen die Wasserratten, um sich auszutoben. Immer wieder springen sie vom Startblock ins Becken. Plötzlich fällt ihr Blick auf eine Seniorin, die kurz vorher noch gemütlich ihre Bahnen gezogen hatte. Doch zu schwimmen scheint sie mittlerweile nicht mehr. »Wir dachten, die Frau würde tauchen«, sagen die Jungs. Zunächst bewundern sie die Frau, weil sie so lange unter Wasser sein kann. Aus der Bewunderung wird aber schnell Verwunderung. »Wir haben vielleicht 15 Sekunden gewartet. Aber so lange kann ja keiner die Luft anhalten. Da war uns klar, dass mit der Frau was nicht stimmt«, erinnern sich Nils und Till. Gerade noch im Badespaß-Modus, schalten die beiden Kinder ganz schnell und rennen zur Badeaufsicht.

 

Die Retter: Till (l.) und Nils.
Die Retter: Till (l.) und Nils.

Ein kurzer Blick in Richtung des Schwimmerbeckens, dann rettet Bangert der Seniorin das Leben: »Sie lag mit dem Rücken nach oben regungslos im Wasser.« Als sie die Frau, die wohl einen Kreislaufkollaps erlitten hatte, im Wasser umdreht, schnappt diese sofort nach Luft. »Zum Glück ist alles glimpflich ausgegangen«, sagt Bangert.

Nils und Till haben daran den größten Anteil. »Die Jungs haben sofort richtig reagiert«, lobt Michael Schaad, Betriebsleiter des Schwimmbades, »darüber bin ich sehr froh.« Den beiden Jungs hat er für ihre schnelle Reaktion seinen Dank ausgesprochen. Die Antwort der Zwei: »Das ist doch selbstverständlich!«

Grundsätzlich ist es selbstverständlich, Menschen in Not zu helfen. Jedoch ist das tatsächliche Handeln eine andere Frage, glaubt Bangert: »Es gibt Kinder, die gehen dann weg, weil sie Angst haben. Deswegen ist es toll, was die Jungs gemacht haben.«

 

Fachpersonal fehlt

 

Die Rettungsaktion nutzt Schaad im Gespräch mit dieser Zeitung, um auf ein grundsätzliches Problem im Bäderbetrieb hinzuweisen. »Wir haben einen deutlichen Mangel an Fachpersonal«, sagt Schaad. Durch den demografischen Wandel häuften sich solche Fälle wie der der Seniorin. Zudem gebe es immer mehr jugendliche Nichtschwimmer.

Vielleicht sorgen Till und Nils eines Tages für mehr Sicherheit in den hiesigen Schwimmbädern. Ihre erste Reifeprüfung haben sie schon bestanden. (Foto: pm)

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