A statt B

Wird die B3 zur Autobahn?

Die Stadt Marburg bemüht sich momentan intensiv, die Bundesstraße 3 als Autobahn umwidmen zu lassen. Davon betroffen wären auch Lollar und Staufenberg.
19. Juni 2017, 10:00 Uhr

Von Kays Al-Khanak , 1 Kommentar
In Zukunft könnte dieses gelbe Schild auf der Bundesstraße 3 blau sein – wenn sie zur Autobahn umgewidmet wird. (Foto: Archiv)

Aktuell sind die Schilder gelb. Okay, im Laufe der Jahre sind Schmutzränder und -Stellen hinzugekommen. Aber die Farbe zeigt, dass dies eine Bundesstraße ist – noch. Denn die Stadt Marburg trommelt dafür, aus der B 3 eine Autobahn zu machen: die A 485, und damit wären die Schilder blau. »Fakt ist«, sagt Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, »wir haben bisher formal keinen Autobahnanschluss, und das ist es, was Investoren auf Karten vor ihrer Entscheidung lenkt.« Die Verkehrsanbindung schrecke sie ab, obwohl Marburg durch die B 3 nicht nur autobahnähnlich, sondern faktisch autobahngleich angebunden sei. »Das müssen wir immer wieder erklären«, sagt Spies. Der Schritt zur Umwidmung sei deshalb nötig. Und er sei zuversichtlich, dass dies auch gelinge.

Von diesem Infrastruktur-Vorteil, sagt Spies, profitiere die gesamte Region. Die direkte Autobahnanbindung werde »ein bedeutender wirtschaftlicher Standortfaktor und ein gewichtiges Argument, um überregional tätige Investoren anzuwerben«. Nachteile sieht die Stadt Marburg nicht. Für die Verkehrsteilnehmer ändere sich nichts. Weil es bereits eine Mautpflicht gibt, rechnet die Stadt auch nicht mit einem Verdrängungseffekt des Schwerlastverkehrs auf die umliegenden Straßen.

»Es gibt keine Steigerung der Verkehrsmenge, keine Verbreiterung der Straße und keine Anpassung des Tempolimits auf der Stadtautobahn.«

Die Stadt Marburg hat Gespräche sowohl mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur als auch mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Energie und Landesentwicklung geführt. Beide Ministerien, sagt Spies, sähen genauso wie der Landkreis Gießen keine grundsätzlichen Probleme, wünschten aber das Einvernehmen der an der Bundesstraße liegenden Kommunen.

Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller sieht eine Umwidmung der B 3 zur A 485 »durchaus positiv, hätten wir als 8500 Einwohnerstadt dann doch mit Staufenberg-Süd und Staufenberg-Nord gleich zwei Autobahnabfahrten«. Dies könnte die Attraktivität der Stadt weiter steigern. Durchaus problematisch sei es, wenn der Schutzstreifen entlang der Autobahn verbreitert werde, denn dann könne darauf nicht mehr gebaut werden. Für ein eventuelles weiteres Gewerbegebiet an einer der beiden Abfahrten wäre dies aber kein Problem, sagt Gefeller.

Gefeller erwartet jedoch von der Stadt Marburg, dass sie gemeinsam mit der Stadt Staufenberg einen erweiterten Lärmschutz prüft und dann auch umsetzt. Er hoffe im Zuge der Umwidmung auf neue Lärmmessungen, die dann dazu führen, dass entweder durch zusätzliche Wälle oder durch ein Tempolimit zwischen den beiden Staufenberger Abfahren der Lärmschutz verbessert werde. »Das ist auf jeden Fall ein Herzenswunsch vieler Staufenberger, die entlang der B 3 wohnen«, sagt Gefeller.

»Generell könnte uns die Umwidmung egal sein, wenn sich für die Stadt keine Nachteile ergeben«, sagt Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek. Er hat vor allem die Ortsdurchfahrt im Blick, wenn er an die Umwidmung der Bundesstraße denkt. »Wir haben schon jetzt zu viel Schwerlastverkehr, der durch die Kernstadt fährt.« Mehr dürfe es auf keinen Fall werden. Außerdem dürfe sich die Lärmschutz-Situation vor allem an der Clemens-Brentano-Europschule, die oberhalb der jetzigen B 3 liegt, nicht verschlechtern. In einem Punkt jedoch sieht Wieczorek einen Pluspunkt: Die Außenwirkung wäre noch etwas besser, wenn die Stadt mit einem nahegelegenen Autobahnanschluss werben könnte.

Marburgs Oberbürgermeister Spies sieht keine Kosten auf die Stadt, geschweige denn auf die Anrainer-Kommunen zukommen. Den Austausch der derzeit gelben Bundesstraßen-Schilder un blaue Autobahn-Schilder zahle der Bund als Träger der Straße. Ein zusätzlicher Lärmschutz sei wohl nicht erforderlich, da sich die Emissionen, die von der Straße ausgehen, nicht ändern würden. Es wäre allerdings vorstellbar, dass die Umwidmung zur Autobahn ein Anlass sei, die Lärmemissionen erneut zu messen – und dann notwendige Schrittwe einzuleiten.

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