Kreis Gießen

Im Keller des »Onkels«

Ein 66-jähriger Heuchelheimer steht wegen sexuellen Missbrauchs eines Nachbarsjungen vor Gericht. Seine Behauptung, impotent zu sein, geriet am Freitag ins Wanken.
19. Mai 2017, 20:16 Uhr
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Von Steffen Hanak , 2 Kommentare

Der Kellerraum ließ sich mit einer Metalltür verschließen. Links stand ein Bett. Ansonsten gab es noch Kisten, Koffer und Lebensmittel sowie einen alten Sekretär. Was Polizeibeamte am 24. August vergangenen Jahres bei einer Hausdurchsuchung in Heuchelheim fanden, passte genau zu dem, was ein 13-jähriger Junge ihnen beschrieben hatte. Und die Ermittler fanden noch mehr: Kondome, Kleidung sowie Bettzeug. Auf der Matratze sicherten sie zudem DNA-Spuren des Kindes. Das berichtete eine Kriminalbeamtin am Freitag vor der Jugendkammer des Gießener Landgerichts. Damit scheint sich zu bewahrheiten, was der Schüler erst seiner Mutter und dann bei der Polizei berichtet hatte: Er war von einem Nachbarn zwei Jahre lang sexuell missbraucht worden. Ein- bis zweimal pro Woche soll sich der 66-jährige Familienvater an dem autistischen Kind vergangen haben. Bereits zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte eingeräumt, dass es zu sexuellen Handlungen mit dem Jungen gekommen war. Allerdings hatte der Mann es so dargestellt, dass der Schüler die treibende Kraft gewesen sei und ihn immer wieder zu Sexspielen aufgefordert habe. Außerdem hatte der Senior behauptet, schon seit Jahren impotent gewesen zu sein. Deshalb sei er auch nie in das Kind eingedrungen (die GAZ berichtete).

Völlig anders klang das, was die Polizistin der Kammer schilderte: Demnach ist der Angeklagte mitnichten impotent. Seine Ehefrau habe berichtet, dass ihr Mann nie Erektionsprobleme gehabt habe. Zwar sei die Beziehung der beiden inzwischen am Ende und die Frau wolle sich scheiden lassen. Deshalb habe die Zeugin auch schon monatelang keinen Sex mehr mit ihrem Mann gehabt. Er habe dies jedoch immer wieder gewollt. Weil die Ehefrau schon länger nicht mehr mit ihrem Mann intim gewesen sei, fühle sie sich sogar mitschuldig, weil der Angeklagte auf den Schüler »ausgewichen« sei, sagte die Polizistin.

Auch die detaillierten Schilderungen des Jungen klangen so, als habe der 66-Jährige Analverkehr mit ihm gehabt, berichtete die Kriminalbeamtin. Der Schüler, der zwar »groß und kräftig« sei, aber im Umgang und bei der Sprachentwicklung nicht einem 13-Jährigen entspreche, hatte sich am 17. August vergangenen Jahres seiner Mutter offenbart. Die wandte sich daraufhin an die Polizei. Der Junge hatte seine Mutter angerufen. »Ich muss dir was Schlimmes sagen«, hatte er angekündigt. »Der Onkel hat was Schlimmes mit mir gemacht. « Das Kind hatte den langjährigen Nachbarn häufiger »Onkel« genannt und auch oft mit dessen noch minderjährigen Kindern gespielt. Diese hatten bei der Polizei schlecht von ihrem Vater gesprochen. Er habe sowohl sie als auch ihre Mutter geschlagen. Im Falle einer Trennung wollten sie zu ihrer Mutter ziehen. Der genannte Kellerraum war für die Kinder laut Polizei tabu gewesen. Selbst die Mutter habe lange Zeit keinen Schlüssel gehabt.

Lehrern war das »sehr sexualisierte« Verhalten des Opfers aufgefallen. Könnte es trotzdem sein, dass der 13-Jährige Dinge erfunden habe? Die Kriminalbeamtin ging nicht davon aus. Aufgrund seiner autistischen Störung neige das Kind gerade nicht zum Fabulieren.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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