Selten und seltsam

15. Mai 2017, 20:16 Uhr
Der Chor Politöne aus Marburg singt in der evangelischen Kirche Daubringen. (Foto: vh)

Politische Ironie bestimmte den Auftritt des Marburger Chores Politöne und junger Flüchtlinge aus dem Lumdatal in der evangelischen Kirche Daubringen. Unter dem Motto »Heimatabend« bot der Konzertanteil ein seltenes und gleichzeitig seltsames Programm. Hinzu kamen Redebeiträge und Anspiele zu den Begriffen Flucht und Heimat.

Chor mit politischen Botschaften

Der Chor ist eine Besonderheit in Mittelhessen. Er wurde im Februar 1980 auf Initiative des DGB-Kreises Marburg-Biedenkopf gegründet. Gewerkschafter mit Lust am Singen waren aufgerufen, künftig Konferenzen und Kundgebungen kulturell mitzugestalten. Dass manches Lied auch eine politische Botschaft transportiert, offen oder versteckt, ist ein natürliches Anliegen der Chormitglieder, die aus vielen Ländern stammen.

Dirigent Gerd Schiebl erläuterte den Zuhörern, es handele sich bei den Stücken mitunter um regionale Lieder aus den Herkunftsländern der Sänger. Die Kinderhymne von Bertholt Brecht rückt den deutschen Nationalpathos nach dem verlorenen Weltkrieg zurecht. Von Zwangsumsiedlungen betroffen waren die Lemken, ein russinischer Volksstamm in Osteuropa. Der Chor sang das Traditionslied »Dobry w Hameryci«.

Die Ankunft im fremden Land wurde dort manchmal zur Unterhaltung im Schlager verarbeitet. Insofern kann auch ein Schlager politisch sein. Politöne sang »Griechischer Wein« und »Zwei kleine Italiener«. Die Kabarettistin Carolin Kebekus hat das Sarah-Connor-Lied »Wie schön du bist« als Anti-Nazi-Stück »Wie blöd du bist« umgemünzt. Dem Chor ging das gefällig über die Lippen. Mit »One world« von Sting endete der Musikteil.

Einen Ausdruckstanz zeigte der Jugendliche Farhad Kaddo. Anspiele zum Ankommen im fremden Land brachten Matin Barzkar, Wagd Marjan und Daron Ali. In einem Solovortrag über das Funktionieren von Integration glänzte Marjan mit guten Deutschkenntnissen und sorgte für Heiterkeit mit dem Gebrauch der Spruchweisheit »Was der Bauer nicht kennt ...«. Seine Botschaft: Die fremde Sprache zu lernen sei das Allerwichtigste.

Staufenbergs Jugendpfleger Sven Iffland dankte den Mitwirkenden und lud zu einem internationalen Buffet mit »Geflüchteten und Geborenen« ins Gemeindehaus ein. Der ungewöhnliche »Heimatabend« beeindruckte das Publikum durch das Verweben von scheinbarer Harmlosigkeit mit politischem Kalkül.

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