Vor 29 Jahren

Als die Feuerwehrhütte in Großen-Buseck brannte

Heute ist die Steinshütte in Großen-Buseck ein beliebter Ausflugspunkt. Der Vorgängerbau, von der Feuerwehr ehrenamtlich errichtet, brannte 1988 kurz nach Fertigstellung ab.
20. April 2017, 18:00 Uhr
Bürger und Feuerwehrleute stehen vor den Trümmern der Freizeitstätte.

Seit fast 40 Jahren gibt es die Freizeitanlage im Weidental mit der Steinshütte. Schon Jahre zuvor hatte die Freiwillige Feuerwehr Großen-Buseck an gleicher Stelle das Waldfest zum 1. Mai ausgerichtet. Warum gerade dort? Woher kommt der Name Steinshütte? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, sprach die »Gießener Allgemeine Zeitung« mit Heinrich Kimmel. Kaum ein anderer kennt die Geschichte der Steinshütte besser als er.

Der ehemalige Ortsbrandmeister (1968 bis 1993) und Vorsitzende des Feuerwehrvereins (1968 bis 1998) half nicht nur beim Auf- und Ausbau tatkräftig mit, sondern hat auch als Mann vom Fach (Maurermeister) die wesentlichen Schritte in die Wege geleitet und zudem mit der Kamera begleitet.


Die Autobahn macht’s möglich

Als 1975 bis 1981 der Teilabschnitt der Autobahn 480 zwischen Wettenberg und dem Reiskirchener Dreieck fertiggestellt wurde, führte Kimmel als Mitarbeiter des Straßenbauamtes die Bauaufsicht über die Strecke von Daubringen bis zum Reiskirchener Dreieck. Der damals angefallene nicht brauchbare Boden wurde auf dem gemeindeeigenen Gelände im Weidental entsorgt. Die so entstandene Erdkippe wurde planiert und begrünt. Feuerstellen zwischen dicken Steinbrocken, die man vom Dörfelsberg herangeschafft hatte, dienten zum Einlegen von Grillgut. Zuvor mussten die jungen Leute, wenn sie grillen wollten, teils auf Ackerfurchen ausweichen.



Aus Zelt wird feste Hütte

Das Gelände bot sich geradezu an, um Waldfeste zu feiern. Die Feuerwehr lud zum 1. Mai die Bevölkerung dazu ein, besorgte Getränke und stellte Kirmesgarnituren bereit. Der Zuspruch war groß. Ein Zelt bot Schutz vor Regen. Es musste aber jedesmal ausgeliehen und aufgebaut werden. Darum hat der Feuerwehrverein schon bald vom ehemaligen Zeltverleiher Kattenbeck in Beuern die Holzbinderkonstruktion erworben. Anstelle einer Zeltplane wurde eine feste Dacheindeckung vorgenommen.

Die Wände bestanden zunächst weiterhin aus Zeltplanen. 1978 stellte die Gemeinde Großen-Buseck kostenlos Holzstämme zur Verfügung, die Zimmermann Heinrich Stein, damals stellvertretender Ortsbrandmeister, für eine feste Holzverschalung zurechtsägte. Zusätzlich erhielt die Halle einen Betonfußboden und einen Anbau für einen Thekenraum. 1986 entstand die St.-Florians-Hütte mit der fest eingebauten Grillstelle in der Mitte. Anfang 1988 wurde die Toilettenanlage fertiggestellt. Damit war das Werk nach zehn Jahren vollendet, die Ehrenamtlichen konnten zufrieden aufatmen.


Feuerschein um Mitternacht


1988: Die Feuerwehr muss die eigens von ihr errichtete Hütte selbst löschen. (Repro: siw)
1988: Die Feuerwehr muss die eigens von ihr errichtete Hütte selbst löschen. (Repro: siw)
Dann der große Schock: Am Sonntag, dem 26. Juni 1988, kurz nach Mitternacht brennt die Hütte lichterloh. Vermutlich waren Brandstifter am Werk. Die Feuerwehr konnte nur noch ein Übergreifen der Flammen auf die Toilettenanlage und die Grillhütte verhindern. Die große Hütte hingegen wurden ein Raub der Flammen und die St.-Florians-Hütte und Toilettenanlage vom Brandrauch gezeichnet. 165 000 DM hoch war der Schaden. Glück im Unglück: Kimmel hatte drei Monate zuvor eine Versicherung abgeschlossen. Damit war zumindest der finanzielle Schaden abgedeckt.


Woher der Name "Steinshütte" kommt

1989: Die neue Hütte steht. (Repro: siw)
1989: Die neue Hütte steht. (Repro: siw)
Die Zimmerei Stein erhielt den Auftrag zum Wiederaufbau, der pünktlich zum Waldfest am 1. Mai 1989 vollzogen war. Um auswärtige Besucher den Weg zur Hütte zu weisen, stellte Erwin Diehl (Sohn des ehemaligen Bürgermeisters Georg Diehl und Schriftführer im Feuerwehrverein) ein Hinweisschild auf. Darauf stand »Steinshütte«. So bekam das »Kind« seinen Namen.

Die Anlage erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Allein 2016 wurde sie 67-mal vermietet. Da wegen des Betreibens eines angeblich wirtschaftlichen Betriebes seinerzeit dem Feuerwehrverein die Gemeinnützigkeit aberkannt werden sollte, wurde vor 20 Jahren der Feuerwehrfreizeitanlagenverein mbH gegründet. Von 1997 bis 2013 war Kimmel, heute 86 Jahre alt, auch hier Vorsitzender und Geschäftsführer. Der Überschuss aus der Vermietung wird regelmäßig gemeinnützigen Vereinen und Institutionen gespendet. Die Vereinsaktiven kümmern sich nicht nur ehrenamtlich um die Pflege und Instandhaltung der Freizeitanlage im Weidental mit dem nahe liegenden in Eigenleistung errichteten Aussichtsturm (als »Kimmels Rentnerturm« bezeichnet), sondern auch um die Rekultivierung der Attenbergs-kuppe mit der Wetterschutzhütte. Auch den Springbrunnen im Schlosspark stiftete der Verein.

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