Kreis Gießen

Geheimnisvoller Grundstein

Bei Sanierungsarbeiten an der CBES Lollar/Staufenberg wurde aus baulichen Gründen der Grundstein entfernt. Dabei kam Unerwartetes ans Licht.
20. März 2017, 12:53 Uhr
Norbert Panz und Astrid Patzak-Schmidt wollen die zeitgeschichtlichen Dokumente in der Schule ausstellen. (Foto: khn)
Fast wie Weihnachten sei es gewesen, erzählt Astrid Patzak-Schmidt, als bei den Sanierungsarbeiten von Haus A an der Clemens-Brentano-Europaschule etwas Unerwartetes ans Licht kam. Die Lehrerin war dabei und vor allem aufgeregt, als der Grundstein des Gebäudes herausgeholt und die darin eingelassene Kupferkassette geöffnet wurde. Dort fanden sich zeitgeschichtliche Dokumente: unter anderem eine Urkunde von der Grundsteinlegung, Münzgeld aus D-Mark-Zeiten sowie eine Gießener Allgemeine Zeitung vom 31. März 1967.
Die Art der seit August 2016 laufenden Sanierung von Haus A ist schon ungewöhnlich genug: Das Gebäude wird mit einem Holzbau »umhüllt«. Gedämmt wird das Gebäude mit Zellulose, das Dach besteht aus Blech. Zusätzlich zur Fassade wird der bisher offene Innenhof überdacht. Kosten: zwei Millionen Euro.


Kassette gefunden

Für die Hülle setzten die Bauarbeiter Metallwinkel ein. Aus statischen Gründen musste einer davon genau an der Stelle angebracht werden, an dem sich bis zu diesem Zeitpunkt der Grundstein befand. Als die Arbeiter den Stein herausholten, fiel ihnen die dort eingelassene Kassette auf, erzählt der stellvertretene Schulleiter Norbert Panz.
Der Grundstein? (Foto: khn)
Der Grundstein? (Foto: khn)
Die Urkunde zur Grundsteinlegung hatten sieben Bürgermeister der damals noch eigenständigen Gemeinden Lollar, Daubringen, Staufenberg, Mainzlar, Ruttershausen, Odenhausen/Lahn und Salzböden unterschrieben. Darin ist zu lesen, wie die Mittelpunktschule Lollar in Staufenberg entstanden ist. Dieser Name rührt daher, weil sich die Einrichtung zum damaligen Zeitpunkt auf Staufenberger Gebiet befand. Erst später gingen die Flächen bei einem Tausch an Lollar. Der Neubau kostete 5,2 Millionen D-Mark und war nötig geworden, weil die Volksschule in Lollar aus allen Nähten platzte. Damals entstanden ein Klassen- sowie ein Verwaltungstrakt, eine Sonderschule, eine Hausmeisterwohnung sowie eine Pausenhalle und ein Sportplatz.

Die Urkunde endet mit den Sätzen: »Möge Gott, der Herr, den Bau vor allen Unbilden schützen! Möge er die Jugend, die in ihm ein- und ausgehen soll, vor Sorgen, Not- und Kriegszeiten bewahren!« Für Panz ist dieser Wunsch aktuell geblieben.


1966 oder 1967?

Die Urkunde ist auf den 31. März 1967 datiert, dem Tag der Grundsteinlegung. Auf dem Grundstein ist aber 1966 eingemeißelt. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Der stellvertretende Schulleiter glaubt, dass im Herbst 1966 die Schachtarbeiten begonnen hätten, dann der Winter dazwischen gekommen sei und die Arbeiten erst im Frühjahr 1967 beendet werden konnten.

Interessant der Blick in die Gießener Allgemeine vom Tag der Grundsteinlegung. Berichtet wird unter anderem über die Generalversammlung der Lollarer SPD und die Neuwahlen des Vorstandes. Neuanmeldungen, heißt es dort weiter, hätten die Abgänge aus der Partei überstiegen. Goldene Zeiten! Und in Mainzlar, titelte die Allgemeine, hatte die Gemeindeversammlung den Haushalt einstimmig verabschiedet. Unter anderem ging es um den Ausbau der Straße »Am Boden« und den Kauf einer Orgel.
Panz wünscht sich, dass die historischen Dokumente für eine Weile in der Schule ausgestellt werden. Möglich sei aber auch, dass der Landkreis Gießen die Kupferkassette zusammen mit dem Grundstein bald wieder eingraben will. Darüber wolle er mit dem Landkreis reden, sagt er. Dabei wird die Sanierung von Haus D kein Thema sein. Denn der Landkreis habe in Aussicht gestellt, dass das Gebäude in den kommenden drei bis fünf Jahren saniert werden könnte. Wer weiß, was sich dann findet…

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