Kreis Gießen

»Luther« mit heimischen Stimmen

14. Februar 2017, 21:15 Uhr
Teil einer beeindruckenden Kulisse: Sängerinnen aus Hüttenberg, Langgöns, Linden und Pohlheim beteiligen sich an der Aufführung des Pop-Oratoriums in Mannheim. (Foto: pm)

Gänsehaut pur: 2200 Sängerinnen und Sänger – darunter etwa 50 aus Mittelhessen – haben in der ausverkauften SAP-Arena in Mannheim vor 10 000 Zuschauern am Pop-Oratorium »Luther« mitgewirkt. Generations- und konfessionsübergreifend bildeten sie einen riesigen Chor bei der rund zweistündigen Aufführung mit Musical-Profis, 40-köpfigem Orchester und Band. Passend zum Jahr des Reformationsjubiläums wurde das Leben Martin Luthers musikalisch eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Stiftung Creative Kirche mit Sitz in Witten ist Veranstalter dieser bundesweiten Tournee, die mit »Luther« in diesem Jahr unter anderem noch in München, Siegen und Berlin gastiert.

Zu den mitwirkenden Solisten zählt auch der zwölfjährige Giulio Riccitelli aus Hüttenberg, der in dem Pop-Oratorium Martin Luther als Kind verkörpert. In der SAP-Arena bekam er lautstarke Unterstützung aus seiner Heimat. Die 50 Aktiven aus Hüttenberg, Langgöns, Linden, Pohlheim, Gießen und Butzbach im Alter zwischen zwölf und 52 Jahren studierten für ihren Auftritt in Mannheim ein halbes Jahr die 120 Seiten umfassende Chorpartitur ein. Zwölf Proben in Hüttenberg, eine Regionalprobe im Oktober in Mannheim und eine Hauptprobe Ende Januar in Ludwigshafen mit allen beteiligten 52 Chören: So reisten die Mittelhessen am Tag der Aufführung zur SAP-Arena an. Erst bei der fast vierstündigen Generalprobe traf der Megachor auf die Bühnenprofis. Bis auf ein paar Kleinigkeiten waren Dirigent Heribert Feckler und Komponist Dieter Falk vollauf zufrieden mit dem Gesang.

Bei Abschluss in Berlin dabei

Nur anderthalb Stunden später ist die SAP-Arena bis unter die Hallendecke mit Publikum gefüllt. »Luther, Luther, wer ist Luther? Martin Luther« erschallt es gleich zu Beginn des Oratoriums aus den über zweitausend Kehlen. Die Musicalstars bringen eine spannende Szenerie auf die Bühne. Im Mittelpunkt steht der Reformator, der im Jahr 1521 vor dem Reichstag von Worms aufgefordert ist, seine kirchenkritischen Aussagen zu widerrufen. Das Pop-Oratorium erzählt von Luthers Ringen um die biblische Wahrheit und von seinem Kampf gegen Obrigkeit und Kirche. Die im Stile einer Gerichtsdoku erzählte Story will die Angst im 16. Jahrhundert vor Tod und Teufel widerspiegeln und Luther als Menschen zeigen, der innerlich zerrissen ist, aber trotz Repressionen nicht von seinen Überzeugungen ablässt.

Komponist Dieter Falk und Texter Michael Kunze haben dazu dramatische Dialoge, aber auch eingängige Melodien geschaffen, die im Laufe der Aufführung wie Ohrwürmer im Gedächtnis haften bleiben: »Wir sind Gottes Kinder, wo auch immer, keiner ist allein«, heißt es da wiederkehrend. Oder auch »Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert, das die Mächtigen das Fürchten lehrt«. Fehlen darf nicht der Klassiker »Ein feste Burg ist unser Gott«. Und so siegen am Ende das Prinzip Hoffnung und die Freiheit des Geistes über allen Formen der Unterdrückung. Langanhaltender Applaus entlohnt Darstellercrew und Massenchor für eine perfekte Show und ein reibungsloses Zusammenspiel.

Für die heimischen Chormitglieder, die von rund 250 mitgereisten Fans per Bus oder Privat-Pkw nach Mannheim begleitet wurden, hatte sich der Aufwand gelohnt. Alle waren begeistert von der Atmosphäre und der eindrucksvollen Inszenierung: Ende Oktober ergibt sich eine weitere Auftrittsmöglichkeit für die Mittelhessen. »Ich habe spontan 75 Plätze für die Abschlussveranstaltung in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin angemeldet, die vom ZDF aufgezeichnet wird«, sagte Mitorganisator Andreas Haupt, der maßgeblich am Zustandekommen dieses Engagements beteiligt war. Dann kann sogar Simone Riccitelli ihren Chorauftritt nachholen. Sie hatte als musikalische Leiterin die Partitur des Pop-Oratoriums mit den 50 Sängerinnen und Sängern einstudiert, konnte aber selbst krankheitsbedingt nicht in der SAP-Arena mitsingen.

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