Kreis Gießen

Von Rüstungskonzerzen und Inszenierungswut

02. Februar 2017, 12:10 Uhr
Der Tod steht hinter den Waffen – hier in einer Szene aus dem Film »Vom Töten leben« von Wolfgang Landgraeber. (Foto: Eikon Südwest)

»Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Erde verändern«, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Genau dieses Thema hat sich auch die »Globale Mittelhessen« auf die Fahnen geschrieben: Das Film-Festival lebt vom Engagement vieler Menschen und will auch dazu anregen, selbst tätig zu werden. Als einziger Ort im Landkreis nahm in diesem Jahr die Projektwerkstatt in Saasen an dem Programm der Globale teil und präsentierte Filme, die zum Nachdenken über die außen- und innenpolitische Arbeit Deutschlands und der Europäischen Union bringen sollen.

Die Globale unternimmt in jedem Jahr wieder den Versuch, den eurozentristischen Blick auf die Probleme dieser Welt zu hinterfragen. Lokale Umweltzerstörung, Ressourcenplünderung und Menschenrechtsverletzungen werden in den Filmen immer auch als Auswirkungen und Reflexe der weltweiten Unterwerfung aller Lebensbereiche unter das Diktat der ökonomischen Verwertbarkeit begriffen.

Inszenierungswut in Haiti

Wie etwa am Dienstag in »Vom Töten leben«, indem Filmemacher Wolfgang Landgraeber die schwäbische Kleinstadt Oberndorf mit dem Hauptsitz des Rüstungskonzerns Heckler&Koch besucht. Bereits vor dreißig Jahren drehte er dort den Dokumentarfilm »Fern vom Krieg«. In seinem 2016 erschienen Film begegnet Landgraeber wieder den Akteuren aus seiner älteren Produktion und wirft einen Blick darauf, wie sich die letzten drei Jahrzehnte auf ihren Umgang mit der Thematik ausgewirkt haben.

Im Film »Tödliche Hilfe« wird am Beispiel des schweren Erdbebens im Januar 2010 in Haiti gezeigt, wie Entwicklungshilfe selbst zum Problem wird: Viele Akteure, eine wahre Inszenierungswut, viele eigene Interessen und wenig Aufmerksamkeit für die wirklichen Probleme sorgten dort dafür, dass zwei Jahre später über eine Million Menschen immer noch in provisorisch aufgestellten Hütten ohne Wasser und Strom ausharren mussten – trotz rund 11 Milliarden Euro Hilfsmaßnahmen.

Der Mittwoch stand dann ganz unter dem Zeichen von Umweltschutz und Landwirtschaft: Mit »Bikes vs. Cars« wurde Plädoyer für den Radverkehr gehalten und mit »Agrokalypse« die wirtschafts- und umwelttechnischen Probleme durch die industrielle Sojaproduktion beleuchtet.

Für Kurzentschlossene bietet sich auch der heutige Donnerstag nocheinmal für einen Besuch an: Um 18 Uhr läuft »Tomorrow«, der sanfte Lösungen für die verschiedenen Probleme zeigt. »Beyond the Red Lines« blickt ab 20.30 Uhr in den Braunkohle-Widerstand.

Nach jedem Film wurde in der Projektwerkstatt angeregt diskutiert und die Thematiken ausführlich beleuchtet. Dazu konnte man sich in diesem Jahr über einige neue Besucher freuen: »Zum ersten Mal kamen auch Menschen hierher, die sich sonst nicht für die Angebote der Projektwerkstatt interessieren«, erklärte Jörg Bergstedt von der Projektwerkstatt. Die Werkstatt war in diesem Jahr zum vierten Mal in das Programm der Globale integriert.

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