Gedenkstelen in Allendorf am Rosenplatz eingeweiht

15. September 2014, 13:38 Uhr
Die Stelen auf dem Rosenplatz wurden gestern eingeweiht.

28 Metalltafeln erinnern an die einstigen Mitbürger, an die Familien Glück, Reinberg, Manela, Isenberg, Schloss, Rosengarten, Berlin, Weinberg und Grünewald, die es heute in Allendorf nicht mehr gibt. Nur einer dieser 28 Menschen hat den Holocaust überlebt. Die anderen starben in Vernichtungslagern wie Treblinka und Auschwitz.

Rund 100 Bürger und Mandatsträger scharten sich um die Stelen, kamen ins Gespräch und nahmen Anteil am Schicksal jener, die auf den Tag genau vor 72 Jahren unter den Augen der Öffentlichkeit aus der Stadt verschleppt und ermordet wurden.

»Die in den Todesfabriken im Osten umgebrachten Menschen haben keine Gräber, deshalb haben wir uns für die Stelen als Zeichen des Gedenkens entschieden«, erläuterte Brigitte Heilmann vom lokalen »Arbeitskreis Gedenkstelen« die Beweggründe, einen Gedenkort zu schaffen. Mitfühlen, so Heilmann, könne man häufig erst dann, »wenn hinter anonymen Zahlen Namen, Gesichter und persönliche Schicksale stehen«. Mit den Stelen wolle man die Namen der Allendorfer Opfer des Holocaust »in die Gemeinde zurückholen – zumindest symbolisch«. Wer sich an Gräuel der Vergangenheit nicht erinnern wolle, »wird anfällig für neue Ansteckungsgefahren«, sagte Heilmann, angelehnt an ein Zitat des Altbundespräsidenten von Weizsäcker. In diesem Sinne wiesen die Stelen auch in die Zukunft – als »ein Denkmal, das uns mahnt, die Bedrohung von Minderheiten, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gemeinde nicht dulden zu wollen«.

»Verdrängen, vergessen, verschweigen – die deutsche Erinnerung hat ihre eigene Geschichte«, sagte Landrätin Anita Schneider. Spätestens mit der Zerstörung jüdischer Gotteshäuser am 9. November 1938 sei Antisemitismus unter der Nazi-Diktatur »staatsoffiziell geworden«. Auch bei aktuellen Themen wie dem Terror des »Islamischen Staats« oder der Not von Flüchtlingen bestehe für Deutschland eine »besondere Verantwortung«. Den in Allendorf gefundenen Weg einer »öffentlichen Gedenkkultur« begrüßt sie ausdrücklich. Nie wieder dürften Menschen als mehr oder weniger wertvoll als andere eingestuft und behandelt werden.

Eine christliche Perspektive nahm Annette Vogel, Vorsitzende des Synodalvorstandes des Dekanats Kirchberg ein. Während der NS-Herrschaft sei »die Würde des Menschen zugunsten einer Ideologie geopfert« worden, Gott aber habe jedem Menschen Würde verliehen. »Möge diese Gedenkstätte einen guten Platz in den Herzen und Köpfen der Menschen finden«, so Vogel.

»Die Stelen sollen sich uns in den Weg stellen«, formulierte Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause und freute sich, dass »es so vielen Menschen ein Anliegen ist, diese Aktion zu unterstützen«. Noch immer täten sich viele schwer, »die NS-Zeit als Teil der Geschichte zu akzeptieren«. Nun habe man einen angemessenen Ort des Gedenkens gefunden, zumal am Standort der Stelen früher Wohnhäuser jüdischer Familien standen.

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