Allendorf

Über 250 Menschen kamen zur Mahnwache nach Allendorf

07. Mai 2013, 21:03 Uhr
Rechtsradikale hatten am 1. Mai die Haustür von Martin Laufenberg (Mitte) eingetreten. Den Teilnehmern der Mahnwache schilderte er die Ereignisse – und seine Gefühle nach der Tat. (Foto: khn)

»Wir lassen uns unser schönes Lumdatal nicht von einigen wenigen in den Dreck ziehen«, sagte Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller, der seine Rede auch im Namen seiner Amtskollegen Kurt Hillgärtner (Rabenau) und Annette Bergen-Krause (Allendorf/Lumda) hielt. Die Mahnwache sei ein deutliches Zeichen gegen Intoleranz und für ein friedliches Miteinander

Auf dem Nouvion-Platz an der Kreuzung Bahnhofstraße/Londorfer Straße kamen schon vor 18 Uhr die ersten Menschen zusammen; beginnen sollte die Mahnwache um 18.30 Uhr. Der Platz war mit einem Banner der evangelischen Kirche und einem selbst gemalten Plakat mit der Aufschrift »Vielfalt statt brauner Brei« geschmückt. Christian Zuckermann, Fraktionschef der Grünen im Allendorfer Stadtparlament, freute sich über die Resonanz – vor allem deshalb, weil die Mahnwache relativ spontan organisiert worden war. »Auf dem Papier habe ich die Mahnwache angemeldet, aber die wahren Organisatoren sind die Bürger Allendorfs.«

Neben Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause, der das Gartentor beschädigt worden war, war Martin Laufenberg ein Betroffener der Randale am 1. Mai. Er erzählte den Zuhörern von den Ereignissen: Ende März warfen Unbekannte Eier auf sein Haus, nun traten Randalierer die Tür ein (wir berichteten am gestrigen Dienstag ). »Sie sind Sieg Heil rufend weitergezogen und wurden dabei gefilmt«, sagte Laufenberg. Er habe vier Kinder, sein Sohn stehe gerade vor der Konfirmation. »Dort hat er die Regeln des Umgangs mit anderen Menschen gelernt«, sagte Laufenberg. »Das ist bei den Rechtsradikalen wohl schiefgegangen.«

Gefeller sagte, er sei dankbar, »dass so viele Leute gekommen sind«. Die Zahl der rechtsradikalen Aktivisten im Lumdatal sei überschaubar, aber sie würden immer radikaler agieren. Dennoch müsse man in den Dialog miteinander treten. »Sie haben mich auf ihrer Internetseite gefragt, was denn so geil an Demokratie sei«; sagte Gefeller. »Das ist das, was wir heute hier sehen« – außerdem Menschenwürde, Recht auf Leben, Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden sowie die Glaubens- und Meinungsfreiheit. »Das sind in unserer Verfassung verankerte Grundrechte, die auf den Trümmern der Nazidiktatur gewachsen sind.« Neonazis achteten die Grundrechte ihrer Mitmenschen nicht. Ilse Staude, Politikerin der Grün-Alternativen Liste in Staufenberg und Betroffene rechter Einschüchterungsversuche, fügte hinzu: »Diejenigen, denen Heimat angeblich so wichtig ist, ziehen unsere Heimat in den Dreck.«

Mischa Jung ist Leiter des Jugendzentrums (Juz) in Treis. Er hatte die Gruppe auf ihrer Facebook-Seite angeschrieben, sie ins Juz »zu einem Kaffee« eingeladen und zum Dialog aufgefordert. Geantwortet hätten sie nur mit Pseudonym und der Ansage, das gehe auch per E-Mail. »Habt den Mut und zeigt Euer Gesicht«, sagte er. »Ich will mit Menschen reden, nicht mit Internetseiten.« Jung kündigte an, Exit – ein Aussteigerprogramm für Rechtsradikale – ins Lumdatal zu holen.

Der Kirchberger Dekan Hans-Theo Daum fasste ein wichtiges Ziel der Mahnwache in Worte. »Wir stehen hier an der Seite der Menschen, die bedroht werden. Wir machen deutlich, habt keine Angst, wir alle sind auf Eurer Seite.«

Rechte randalierten bei Allendorfer Bürgermeisterin

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