Schulschluss auf Burg Nordeck

21. Mai 2015, 22:13 Uhr
Leben ja, Unterricht nein – das ist das neue Konzept auf Burg Nordeck.

Der Jugenddezernent des Landkreises Gießen, Dirk Oßwald, begrüßt die Entscheidung: »Es geht weiter auf Burg Nordeck. Das ist die wichtige Nachricht.« Das bedeutet aber auch: Die Schulleiterin und 14 Lehrer werden nicht übernommen.

Finanzielle Probleme wegen fehlender Einnahmen und sinkende Schülerzahlen hatten im Januar das Landschulheim Burg Nordeck nach 2013 erneut in ein vorläufiges Insolvenzverfahren rutschen lassen. Die Insolvenz konnte vor zwei Jahren noch abgewendet werden, indem die Bereiche Küche/Hauswirtschaft, Technik, Schwimmbad und Garten ausgegliedert wurden. 16 Mitarbeiter wurden entlassen.

Das Landschulheim betreibt derzeit eine Jugendhilfeeinrichtung mit Wohngruppen für Jugendliche, die durch die Jugendämter zugewiesen und finanziert werden, mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, deren Unterbringung vom Landkreis bezahlt wird sowie einigen Selbstzahlern. 44 Jugendliche leben und lernen dort. Der Trägerverein Burg Nordeck verfügt über acht eigene Immobilien und drei angemietete Objekte. Von den eigenen Immobilien werden drei für die Schule genutzt. In den anderen sind Wohngruppen untergebracht.

Der Insolvenzverwalter Ralf Diehl hatte in den vergangenen Monaten einen neuen Betreiber gesucht. Dieser sollte die Burg möglichst mit der bisherigen Konzeption, allen Mitarbeitern und dem gesamten Vermögen – vor allem den Immobilien – übernehmen. Dabei kam er auf die Lebenshilfe zu, die sein Anliegen »fachlich wie wirtschaftlich intensiv geprüft hat«, teilen Pro-Liberi-Geschäftsführerin Ursel Seifert und Lebenshilfe-Vorstand Magnus Schneider in einer Presseerklärung mit. Das Ergebnis: Die Schule der Burg Nordeck arbeite »stark defizitär« und sei »deshalb auf Dauer, auch unter der derzeitigen Verzahnung mit dem Jugendhilfebereich, nicht wirtschaftlich zu führen«. Eine Fortführung dieser Struktur würde »zwangsläufig in die nächste Insolvenz führen«. Im Klartext: Die Lebenshilfe wird die Schule nicht übernehmen – und damit auch nicht Lehrkräfte, Leitung und fünf Gebäude.

Die Lebenshilfe zeigte aber Interesse, den Wohnbereich als Jugendhilfeeinrichtung weiterzuführen. Damit wären etwa 30 der insgesamt 45 Stellen – Erzieher, Psychologinnen sowie im Bereich Verwaltung und Hausmeisterdienste – gesichert. Da der Betrieb zum Ende des Schuljahres auslaufen wird, sollen die bisher dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen sowie die Neuaufnahmen in örtliche Schulen oder zur Sophie-Scholl-Schule in Gießen wechseln.

Landkreis eingebunden

Gegenüber dieser Zeitung sagt Diehl, für die 15 scheidenden Mitarbeiter werde zurzeit ein Sozialplan aufgelegt; man befinde sich in Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Die Häuser, die die Lebenshilfe nicht übernehmen wird, sollen verkauft werden. »Wir mussten uns dafür entscheiden, was machbar war«, sagt der Insolvenzverwalter.

Jugenddezernent Oßwald bestätigt, dass die Lebenshilfe mit den zuständigen Behörden bereits Gespräche über Leistungsvereinbarungen und Konzepte geführt hat. Auch in den nächsten Wochen und Monaten werde der Landkreis in die Planungen eingebunden sein. Ziel der Lebenshilfe sei es, den Betrieb am 1. September offiziell zu übernehmen. »Wir sind froh, einen in der Region bekannten und kompetenten Partner gefunden zu haben«, sagt Oßwald. »Wir erhoffen uns, dass die Lebenshilfe Burg Nordeck in eine pädagogisch und wirtschaftlich gute Zukunft führen wird.«

Dass die Schule aufgegeben werde, sei bedauerlich, betont Oßwald. Das Ende dieser speziellen, kleinen Einrichtung, in der aktuell Jugendliche aus ganz Deutschland unterrichtet werden, sei ein Verlust. »Aber was wäre gewesen, wenn es kein neues Konzept gegeben hätte?« Das wäre wohl das Ende von ganz Burg Nordeck gewesen.

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