Freiwilliges Soziales Jahr

Willkommen in Madikwe

Klara Weberling hat ein Jahr im südlichen Afrika verbracht. Die junge Frau aus Atzbach hat dort in einer Kindertagesstätte gearbeitet. Sie berichtet, was sie dort zu schätzen gelernt hat.
13. September 2017, 20:24 Uhr
Klara Weberling mit der kleinen Queeni. (Fotos: privat)

»Wenn der Tank leer ist und das Auto mit dem Wasser nicht kommt, muss man damit leben. Genauso, wenn der Strom ausfällt. Und das kam öfters vor. Fließendes Wasser und Strom: Was hierzulande selbstverständlich ist, das lernt man ganz anders zu schätzen«. Klara Weberling ist vor rund vier Wochen aus Südafrika zurückgekehrt. Um einiges an Erfahrungen reicher. Ein Jahr lang hat die junge Frau dort in einer Kindertagesstätte gearbeitet. Nicht etwa in einer der Metropolen wie Johannesburg oder Kapstadt. Sondern vielmehr auf dem sprichwörtlichen platten Land in der Nordwest-Provinz, drei Autostunden von Johannesburg entfernt, unweit der Grenze zu Botswana. In einer eher armen Gegend in einem Kindergarten für Schwarze, getragen von einem lokalen Entwicklungsprojekt, dem »Madikwe Rural Development Program«. In einer Gegend, in der auch schon mal der Strom ausfallen kann.

Warum ausgerechnet Südafrika?

Warum macht man das? Wie kommt man dazu? Australien ist »in«, auch Neuseeland. Und die USA sind für Schüler von 16 oder 17 Jahren seit Jahrzehnten ein Klassiker. Aber Südafrika?

Es war Klara Weberlings Freiwilliges Soziales Jahr, das sie nach dem Abi an der Gießener Herderschule dort absolvierte – so wie 53 weitere junge Deutsche, die es über das Deutsch-Südafrikanische Jugendwerk respektive die Organisation »Weltwärts« in den Süden Afrikas zog.

»Südafrika hat mich immer gereizt«, erzählt die junge Atzbacherin, und so hat sie sich durchgegoogelt und ihre Bewerbung losgeschickt. Denn die Kombination mit der Arbeit mit Kindern, das kam ihr zupass. Zumal sie in ihrer Kirchengemeinde in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv ist.

Andere Strukturen als hierzulande

Der Kindergarten, der für ein Jahr Klara Weberlings Arbeitsplatz sein sollte, war bei ihrer Ankunft noch nicht fertig: Streichen, PVC-Boden verlegen – all das war noch zu erledigen, bevor das nur 36 Quadratmeter messende Holzhaus als Domizil für 25 Kinder fertig war. Auch das eine lehrreiche Erfahrung. 36 Quadratmeter für 25 Kinder? Da würden bei uns nicht nur die überengagierten Helikopter-Mütter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Andere Strukturen eben, und ohnehin wurde die meiste Zeit draußen gespielt, berichtet die junge Frau.

Und wie hat es mit der Verständigung geklappt? »Eigentlich gut«, lacht Klara Weberling. Denn man lernt eben schnell, wenn es nötig ist. Auch wenn man wie sie von Setswana, der Sprache in der Region, keinerlei Vorkenntnisse hatte.

Kostenloser Kita-Besuch

Anders als hierzulande ist der Kita-Besuch für die Familien generell kostenlos und finanziert sich über Spenden. Und die Kinder kommen, denn es gibt dort zwei Mahlzeiten am Tag; ein gewichtiger Faktor für arme Familien in einer eher strukturschwachen Region. Ein Fahrrad ist für viele Menschen dort eher ein Luxus; dementsprechend begehrt sind die Zweiräder, die in einer nahen Werkstatt aus Fertigteilen montiert werden, die ihren Ursprung in China haben.

Rassentrennung gibt es offiziell seit dem Ende der Apartheid nicht mehr, rein praktisch ist eine rassistische Segregation insbesondere auf dem Land noch spürbar, berichtet die junge Frau: Eben in Einrichtungen wie dem kostenlosen Kindergarten, der nur von Schwarzen besucht wird, während die weißen Bürger andere Betreuungsmöglichkeiten bevorzugen.

Engagement zählt

Und wie finanziert man ein solches Jahr im Ausland? Im Rahmen des Weltwärts-Programms musste die junge Frau Spender und Sponsoren suchen, die in Summe 2400 Euro bereitstellen. Sie bekam ihrerseits dafür den Flug, die Miete und ein monatliches Taschengeld bezahlt.

Und wie geht es weiter? War es hilfreich mit Blick auf den weiteren (beruflichen) Lebensweg? Wohl doch. Denn Klara Weberling wird jetzt in Köln mit dem Studium beginnen: Lehramt an Förderschulen mit den Schwerpunkten »emotionale und soziale Entwicklung« sowie Deutsch und »Natur- und Gesellschaftswissenschaften.

Weltwärts und FSJ

Weltwärts ist ein Gemeinschaftswerk des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und zivilgesellschaftlicher Organisationen. Der Freiwilligendienst leistet einen Beitrag zu Völkerverständigung und nachhaltiger Entwicklung. Während ihres Aufenthaltes unterstützen die Weltwärts-Freiwilligen ein konkretes Entwicklungsprojekt und übernehmen dabei Aufgaben, die die jeweilige Partnerorganisation ohne das Engagement der Freiwilligen nicht oder nicht in diesem Umfang leisten könnte. – Einer der Partner ist das Deutsch-südafrikanische Jugendwerk. www.dsjw.de

www.weltwaerts.de

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