Stadtentwicklung

Wider gähnend leere Schaufenster

Läden, die vor Langem geschlossen wurden, verhängte Fenster – kein schöner Anblick. Wer daran etwas ändert, Wohnraum schafft, dem zahlt Laubach jetzt einen Zuschuss.
04. Juli 2017, 18:05 Uhr
Ein Beispiel von vielen: Seit Jahren stehen in der Laubacher Obergasse Ladenlokale leer. Erst jüngst ist ein weiteres hinzugekommen. (Fotos: tb)

Beim Gang durch Laubachs Innenstadt – zumindest was die Straßen in B-Lage betrifft – springt einem das Problem ins Auge: gähnende Leere in vielen Schaufenstern. Auch, aber nicht nur in der Obergasse, wo gerade ein weiterer Dienstleister ausgezogen, ein Schild »Laden zu vermieten« an der Tür hängt. Wenigstens tut sich jetzt auf der Straßenseite gegenüber etwas. Nur ein schwacher Trost: Mit dem Problem zunehmender Leerstände von Ladenlokalen hat nicht nur die Stadt an der Wetter zu kämpfen.

CDU: Völlig falscher Weg

Um Passanten, seien es nun »Eingeborene« oder Gäste, den traurigen Anblick zu ersparen oder zumindest weniger oft zuzumuten, geht Laubach jetzt einen eigenen Weg: Wer ein lange leerstehendes Geschäft zur Wohnung umwandelt, den belohnt die Stadt künftig mit einem Zuschuss. Einmalig, in Höhe von 20 Prozent der Erwerbs- bzw. Sanierungskosten, höchstens aber 5000 Euro. Entsprechende Magistratsvorlage samt Förderrichtlinie hat das Stadtparlament jüngst beschlossen. Die Förderung folgt dem bereits 2012 beschlossenen Vorbild, wonach in gleicher Höhe Zuschüsse für Erwerb und Sanierung von Altbauten gezahlt werden.

Zurück zu aktuellen Parlamentsdiskussion: Der Gründe für das Darben des Einzelhandels sind viele, vor allem ist da das veränderte Konsumverhalten (Stichwort: Internet) zu nennen. Eine Ursache für immer mehr Leerstände in Laubach ist nach Bürgermeister Klug aber auch die schwierige Weitervermietung nach einer Geschäftsaufgabe: »Die vielfach veralteten Ladenlokale erfüllen moderne Standards nicht, oft sind kaum Lagerraum und Parkplätze vorhanden.« Online-, aber auch Großflächenhandel verringerten überdies den Bedarf an kleinen Ladenflächen.

Um dem entgegenzuwirken, setze die Stadt auf eine »bauliche Entwicklung in den Ortskernen«. Und sehe in der Förderung des Umbaus von Geschäftsräumen zu Wohnraum ein Mittel zum Zweck.

Was in der jüngsten Stadtverordnetensitzung jedoch nicht nur auf Gegenliebe stieß: Für Siegbert Maikranz (CDU) etwa ist dies »der völlig falsche Weg«. Nicht das Schließen von Läden, deren Erhalt müsse Ziel sein. »Was werden wohl die Geschäftsleute sagen, wenn es in der Nachbarschaft immer weniger Läden gibt?« Der Beschluss laufe zudem der jüngst aufs Gleis gesetzten Wirtschafts-Taskforce zuwider. Dass es nicht um Zuschüsse für Schließungen gehe, sondern um ohnedies seit Jahren leerstehende, einen traurigen Anblick bietende Läden gehe, hielt Michael Köhler (Grüne) dagegen. Und verwies auf das erfolgreiche Altbauprogramm. Eine gute Sache ist die Schaffung von Wohnraum in gescheiterten Läden auch für Hartmut Roeschen (SPD). Ganz anders wieder Hans-Georg Frank (BfL), für den die Ursache des Übels im Ja zu Märkten im Gewerbegebiet liegt.

Missbrauch mit Frist begegnen

Am Ende wurde die Vorlage mit 16 Stimmen von SPD, Grünen und FW, bei elfmal Nei von CDU, FDP, BfL und FBLL beschlossen. Auf Grünen-Wunsch in die Förderrichtlinie aufgenommen: Die Anwesen müssen im IKEK-Fördergebiet liegen (Stadtkern Laubach, Ortsteile) und mit einer Fristsetzung (Dauer des Leerstands, noch festzulegen) soll einem Missbrauch begegnet werden.

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