Sturmtief Burglind

Sturmtief "Burglind": Pegel im Gießener Land steigen bedrohlich

Sturmtief »Burglind« sorgt im Landkreis Gießen für viel Regen und steigende Pegel. Die Lumda und die Salzböde traten über die Ufer. In Wißmar droht die Lahn, den Campingplatz zu überfluten.
03. Januar 2018, 18:40 Uhr
Mehrere Flüsse im Kreis sind über die Ufer getreten (Foto: pad)

Mike Will blickt am Mittwoch besorgt in Richtung Lahn. Der Pächter des Restaurants Kormoran und Campingplatzes am Wißmarer See lebt am und mit dem Fluss. Bereits um Weihnachten hatte ihm der gestiegene Pegel Sorgen gemacht, doch da hatte sich die Lage noch einmal entspannt. Durch Sturmtief »Burglind« fiel am Oberlauf nun aber soviel Regen, dass er Alarm geschlagen hat.

Ich erwarte, dass die Lahn noch 80 Zentimeter höher steigt

Mike Will


Bereits am Dienstagabend wurde der Keller der Gaststätte ausgeräumt, Zapfanlagen und Gerätschaften in eine obere Etage gebracht. Am Mittwochnachmittag rücken die Freiwilligen Feuerwehren aus Wißmar, Launsbach und Krofdorf-Gleiberg zum Hochwassereinsatz an. Mit einer Menschenkette werden Sandsäcke von einem Laster zum Restaurant transportiert,  damit die Kellerfenster verbarrikadiert. Die Lahn beginnt da bereits, das Ufer zu überschwemmen, nähert sich Zentimeter um Zentimeter der Gaststätte.

 

 
Fotostrecke: Hochwasser im Gießener Land

 

Zeitgleich sind andere Feuerwehrleute auf der Baustelle nebenan im Einsatz: Hier wird gerade ein neues Sanitärgebäude für den Campingplatz errichtet. Dies ist zwar so konstruiert, dass ihm auch ein Jahrhunderthochwasser nichts anhaben kann. Das trifft aber auf den Stromkasten der Baustelle nicht zu. Kurzerhand wird er an einem Baum heraufgezogen und so in Sicherheit gebracht. Die Containervermietung transportiert derweil die Baucontainer ab. »Der Campingplatz ist im Winter eigentlich geschlossen«, erklärt Will. Einige Camper lassen dennoch ihre Wohnwagen stehen. Jetzt, wo das Hochwasser naht, müssen sie diese schnell in Sicherheit bringen.

Lumda strömt durch Kleingärten

Will überprüft den Pegelstand der Lahn in Marburg regelmäßig. »Im Moment fließen hier 220 Kubikmeter Wasser pro Sekunde vorbei.« Beim Jahrhunderthochwasser 1984 waren es 320 Kubikmeter. Die Prognose von flussaufwärts macht ihm Sorgen. »Ich erwarte, dass sie noch 80 Zentimeter höher steigt«, sagt er. Er hofft, dass die Hochwasserschutzmaßnahmen am Oberlauf und die Schaffung neuer Überflutungsflächen ihm ein wenig Luft verschafft. Für Mitternacht erwartet er den Scheitel der Flut.

Straße zwischen Heuchelheim und Kleinlinden überschwemmt

Flussaufwärts ist die Lahn bei Odenhausen über die Ufer getreten, hat Felder und das Areal des Kanuverleihs überschwemmt. Auch an den Nebenflüssen sieht es nicht besser aus: Bei Daubringen fließt die Lumda durch Kleingärten, steht das Wasser nur wenige Zentimeter unterhalb der Fahrbahn der Straße zwischen Daubringen und Lollar. Auch die sonst eher beschauliche Salzböde hat zwischen Odenhausen und Salzböden ihr Flussbett verlassen. Vor der Brücke der Schmelz bildet sie einen gewaltigen See.
Eine weitere Folge von Sturmtief »Burghild«: Zwischen Heuchelheim und Kleinlinden ist die Lahnparkstraße überschwemmt. Auch auf der Main-Weser-Bahn kam es zwischen Langgöns und Kirch-Göns sturmbedingt zu einer kurzzeitigen Sperrung.

Info

Weiteres Ansteigen in der Nacht erwartet

Die Stadt Gießen meldete am Mittwoch, dass die Lahn die Hochwassermeldestufe 2 überschritten hat. Ein weiteres Ansteigen des Pegels wird erwartet. »Vereinzelt kann es zu Überflutungen von Kellern und Tiefgaragen kommen.« Meldestufe III könne laut Regierungspräsidium kurzzeitig erreicht werden. "Bebaute Gebiete könnten in größerem Umfang überflutet werden, überörtliche Verkehrsverbindungen gesperrt und der Einsatz von Deich- und Wasserwehr unter Umständen erforderlich sein." Auch abseits von Wieseck und Lahn droht Gefahr: »Durch Rückstauungen und den steigenden Grundwasserspiegel können aber auch andere Freiflächen betroffen sein.« Das Regierungspräsidium erwartet, dass die Pegelstände in der Nacht auf Donnerstag ihren Höhepunkt erreichen, dann allerdings wieder sinken. (pm)

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