Anwohnerprotest

Misstöne in Laubachs »Musikerviertel«

Die Planung privater Investoren, im Laubacher »Musikerviertel« fünf vierstöckige Mehrfamilienhäuser zu bauen, stoßen auf Protest. Anwohner haben bereits Unterschriften gesammelt.
08. November 2017, 10:05 Uhr
Das frühere Singalumnat in Laubach: Private Investoren wollen hier fünf viergeschossige Mehrfamilienhäuser errichten. Anwohner aus dem Musikerviertel lehnen die Planung als zu massiven Eingriff in »Gebietsstruktur« mit Ein- und Zweifamilienhäusern ab. (Foto: tb)

Erst nach längerer Diskussion und im zweiten Anlauf hat sich Laubachs Haupt- und Bauausschuss Ende Oktober für die Aufstellung des Bebauungsplans »Johann-Sebastian-Bach-Straße« ausgesprochen. Ein Grünen-Antrag, vorsorglich die Bebauung auf zwei Voll- und ein Staffelgeschoss zu beschränken, fand keine Mehrheit.

Der Anlass der Diskussionen ist bekannt: Investoren streben die Neuordnung der Fläche an, auf dem sich das alte Singalumnat befindet und seit Jahrzehnten vor sich hin bröselt. Der »Schandfleck« soll fünf vierstöckigen Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage weichen. Heute wird das Stadtparlament über die Magistratsvorlage befinden, samt Ergänzungen des Fachausschusses (Stellplatzsatzung gilt weiter/Vorkehrungen gegen Gefahren durch Asbest beim Abriss).

Erst der erste Verfahrensschritt

Der Aufstellungsbeschluss ist nur der erste Schritt eines Bauleitplanverfahrens, in dessen Verlauf die Stadt etwa Firsthöhen oder Geschossigkeit definieren kann. Doch längst regt sich Protest: Eine Anwohnerinitiative hat sich gebildet, rund 180 Unterschriften gesammelt. Dessen Sprecher Andreas Wenig: »Rund 90 Prozent der Bewohner des Musikerviertels haben unterzeichnet.«

Wie Wenig vorwegschickt, habe man nichts gegen die Beseitigung der Bauruine. Der Widerstand richte sich vielmehr und vor allem gegen das Ausmaß der Bebauung (laut Bauverwaltung wird die bei gut 14 Metern Firsthöhe vier bis fünf Meter über den Altbestand ragen, die Red.). Wie berichtet, reklamieren jedoch die Investoren, ohne Viergeschossigkeit sei das Projekt »wirtschaftlich nicht darstellbar«. Verwiesen wird auf die allein 2,5 Mio. Euro »Einstandskosten«, ohne dass auch nur ein Gebäude hochgezogen sei. 500 000 Euro für den Grunderwerb, Abriss und Bau der Tiefgarage werden als dickste Brocken genannt.

Nur zwei Voll-, ein Staffelgeschoss

Geplante Mehrfamilienhäuser mit vier Vollgeschossen, plus Pultdach und zum Teil Dachterrasse, halten die Anwohner dagegen, würden den »Gebietscharakter« des Viertels erheblich beeinträchtigen. Geprägt durch Ein- und bis Zweifamilienhäuser mit maximal zwei Voll- und einem Dachgeschoss, würden die um »über acht Meter« überragt werden. Eine »optische gebäudeerhöhende Wirkung« entstehe zusätzlich, da die beiden vorderen Anwesen näher an die Straße gebaut werden sollten. Die Wohnhäuser direkt nebenan seien aufgrund der Topografie wesentlich tiefer aufgestellt, was die optische Wirkung noch erhöhe. Schließlich verweist man auf die Einsichtmöglichkeiten auf die Grundstücke und Wohngebäude der Anlieger, die es zu begrenzen gelte. Gefordert wird aus all diesen Gründen die Begrenzung auf zwei Voll-und ein Staffelgeschoss.

Befürchtungen der Anwohner resultieren ferner aus der Zahl von 42 Wohnungen und bis zu zwölf Gewerbeeinheiten. Daraus erwüchsen eine erhebliche Verschärfung der Parkplatz- und Verkehrssituation. Mit Hinweis auch auf die nahe Kita Adolf-Wieber-Straße sollte erst ein Gutachten zur erwartbar höheren Belastung des Viertels erstellt werden. Die werde auch dadurch steigen, dass die Investoren statt benötigter 90 nur 56 Stellplätze schaffen wollten.

Stadt in der Verantwortung

Neben einem Beschluss gewünschter Korrekturen sieht die Initiative eine Vertagung als Alternative. So wäre Bürgerbeteiligung, etwa in Form eines von der Stadt moderierten Gespräches zwischen Anwohnern und Investoren, vorzuschalten. Was auch den Gremien die Abwägung erleichterte.

Wie die Anwohner abschließend konstatieren, sei es ganz natürlich, dass Investoren aus einem Investment einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen suchten. Doch seien diese kaum daran interessiert, wie sich die Situation vor und nach dem Investment darstelle. »Die Kommune aber hat das Interesse der Anlieger im Verhältnis zu den rein finanziellen Interessen des Investors abzuwägen und alle Entscheidungen und Folgelasten, die sich daraus ergeben, zu verantworten.«

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