Geschäftsaufgabe

Lindens »schärfster Laden« steht vor dem Aus

In der Werkzeugschleiferei Lechner wird alles geschärft, was in die Maschine passt. Damit ist zum Jahresende Schluss. Die beiden Männer, die dort arbeiten, verbindet eine besondere Beziehung.
07. Dezember 2017, 18:00 Uhr
Ein gutes Team: Klaus Dieter Lechner (l.) und Adolf Schrader, die Schneidegeräte auf Vordermann bringen. (Foto: se)

Machen Sie ein Bild, auf dem ich schlau aussehe«, bittet Adolf Schrader. »Damit ich bei meiner nächsten Bewerbung bessere Chancen habe«, unkt er. Zwar tut es ihm leid um den »schärfsten Laden« der Stadt, doch mit 84 Jahren kann man langsam ans Aufhören denken und das Pensionärsdasein genießen. Obwohl ihn die Arbeit in der Werkzeugschleiferei Lechner immer noch reizt.

Aber die Stadt Linden wird am Ende des Jahres um einen Gewerbebetrieb ärmer sein. Denn »der schärfste Laden« der Stadt schließt zum Jahresende. Damit verliert Linden eine bemerkenswerte Produktionsstätte und einen außergewöhnlichen Dienstleistungsbetrieb.

Zwei Männer verlieren ihren Job

Darüber hinaus verlieren zwei Männer ihren Job, unter anderen Umständen eine bedauerliche Sache, doch in diesem Fall ist keine Existenz bedroht. Und das hat aber nichts mit der gesamtwirtschaftlichen Lage und dem damit einhergehenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften zu tun. Es geht zum einen um den Firmeninhaber Klaus Dieter Lechner, der mit seinen 66 Jahren zwar bereits das Rentenalter erreicht hat, aber noch lange nicht ans Aufhören denkt, und zum anderen ist da der 84-jährige Adolf Schrader, der in der Messermanufaktur Lechner stundenweise ausgeholfen hat. Beide, soviel darf verraten werden, stehen im neuen Jahr »nicht auf der Straße«.

Übrigens haben die Genannten ein besonderes Verhältnis zueinander. Lechner ist der Chef, Schrader der Mitarbeiter. Doch zuvor lagen die Dinge etwas anders. Vor mehreren Jahrzehnten war Schrader Inhaber der 1975 gegründeten Schleifwerkstatt.

Kleine Werkstatt in Lich

Die Arbeiten wurden zunächst im Privathaus verrichtet, später zog die Firma um in den Leihgesterner Tannenweg und wurde dann von Klaus Dieter Lechner, einem Industriemechaniker mit Meisterbrief, übernommen. Das war 1992. Schrader wurde Mitarbeiter, und daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn der ehemalige Chef nur noch stundenweise für seine »alte Firma« tätig ist.

»Geschärft wird alles, was in die Maschine passt«, erzählt Lechner. Ketten für Kettensägen, spezielle Werkzeuge, Fräsen, Sägeblätter für Holz und Metall, Scheren aller Art, auch für Rasenmäher, Heckenscheren, natürlich auch elektrische. Im »schärfsten Laden der Stadt« bleibt nichts stumpf.

Zu den Kunden zählen nicht nur Privatleute, sondern auch Firmen und Einrichtungen, zum Beispiel die Stadt Linden und die Justus-Liebig-Universität Gießen. Darüber hinaus stellt Lechner Messer her, auch Spezialanfertigungen auf Kundenwunsch. Im Büro, das auch als Verkaufsraum genutzt wird, befinden sich zahlreiche Messer – Qualitätsprodukte, versteht sich. Gern betreibt Lechner auf heimischen Märkten – Marienmarkt Großen-Linden, Historischer Markt Lich – einen Verkaufsstand und bietet auch einen Schleifservice an. Im Taunus ist er ebenfalls vertreten.

Hallenmiete und Dach sorgen für Schließung

Das Geschäft läuft nicht schlecht. Aber warum wird die Firma nicht aufrechterhalten? Ganz einfach: »Die Hallenmiete wird erhöht«, bedauert Lechner. »Außerdem ist das Dach undicht.« Größere Investitionen lohnen sich für ihn aber nicht mehr. Künftig soll die Halle als Lagerraum genutzt werden. Adolf Schrader und Klaus Dieter Lechner werden nun andere Wege bestreiten, aber nicht mehr zusammen.

Während der 84-jährige Schrader dann in erster Linie Pensionär ist, ist Lechner davon noch weit entfernt. Im neuen Jahr seinen beruflichen Status zu definieren, ist nicht ganz leicht: »Ab 2018 bin ich Rentner, angestellter Mitarbeiter und außerdem selbstständig«, berichtet der 66-Jährige schelmisch.

Als Bezieher einer Altersrente ist er einerseits Ruheständler – aber nicht im Wortsinn. So wird der Industriemeister sein Wissen und Können künftig der Schnorr Schleiftechnik GmbH in Münchholzhausen zur Verfügung stellen. Hier nimmt er eine Dreiviertelstelle mit 30 Arbeitsstunden in der Woche an und wird ab 2. Februar außerdem in Lich im Rosenweg 36 eine kleine Werkstatt betreiben, in der Kleinwerkzeuge, vor allem von Privatleuten, geschärft werden.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Linden
  • Neujahr
  • Linden
  • Harold Sekatsch
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.