Hungen

Hungen ist statistische Tourismus-Hochburg

Nirgendwo in Hessen steigen die Übernachtungszahlen prozentual so stark wie in Hungen. Daran hat ein bunter Hund maßgeblichen Anteil.
13. November 2017, 12:51 Uhr
Seit gut einem Jahr betreibt Katharina Diepolder in Hungen das Hotel am Markt. Das macht sich bei den Übernachtungszahlen positiv bemerkbar. (Archivfoto: ti)

Die Statistik macht vieles möglich. Sie macht zum Beispiel Hungen zur Tourismus-Hochburg in Hessen. Ernsthaft. Ein aktueller Bericht des Statistischen Landesamts in Wiesbaden– »Gäste und Übernachtungen im hessischen Tourismus« weist für die Schäferstadt für den vergangenen August 1741 Übernachtungen aus. Ein Jahr zuvor, im August 2016, wurden gerade mal 577 Übernachtungen gezählt. Das bedeutet eine Steigerungsrate von 278,5 Prozent.

 Das hat keine andere Gemeinde in Hessen geschafft. Auch für die ersten acht Monate 2017 sieht es insgesamt gut aus. 8107 Übernachtungen von Januar bis einschließlich August bedeuten eine Steigerung um 119 Prozent. Woher aber kommt die sprunghaft gestiegene Beliebtheit von Hungen? »Wir haben auch gestaunt«, sagt Bürgermeister Rainer Wengorsch. Die Antwort aber liegt für ihn auf der Hand. Oder vielmehr am Marktplatz. Dort hat im September 2016 Katharina Diepolder, die zuvor im Laubacher Schlosshotel »Bunter Hund« wirkte, das »Hotel am Markt« übernommen. »Dank ihrer Kompetenz und ihrem Fachwissen hat sich das Haus gut entwickelt«, lobt der Bürgermeister.

Hungen nicht nur wegen Hotelbetrieb auf gutem Weg

Hungen sei in Sachen Tourismus in den vergangenen Jahren überhaupt ein gutes Stück vorangekommen, auch, aber nicht nur wegen des reaktivierten Hotelbetriebs. Die Käsescheune, die Schaf-Thematik mit Wanderweg und Erlebnisraum und das Radwegenetz machten die Stadt für Besucher attraktiv. Gut angenommen werde nicht zuletzt der in diesem Jahr eröffnete Lutherweg. »Nicht nur ich sehe immer häufiger Besucher, die mit Rucksack und Wanderstöcken unterwegs sind«, freut sich Wengorsch.

In Sachen Tourismus setzt Hungen auf naturnahe Erholung. (Archivfoto: us)
In Sachen Tourismus setzt Hungen auf naturnahe Erholung. (Archivfoto: us)

Diese Klientel spricht übrigens auch Katharina Diepolder an. Sie blickt zufrieden auf ihr erstes Jahr in Hungen zurück. »Unsere Erwartungen haben sich sehr schnell und sehr gut erfüllt«, sagt sie. Hilfreich sei dabei gewesen, dass sie viele Stammgäste aus dem »Bunten Hund« nach Hungen mitnehmen konnte. Unter der Woche seien die 14 Zimmer mit Geschäftsreisenden gut ausgelastet, am Wochenende setzte man auf Pauschalen, die sich unter anderem an Wanderer, Radfahrer und eben Pilger richten. Wellness ist ebenfalls im Programm.

Schäferwagenherberge von Mai an buchbar

In der kommenden Saison wird Hungen mit einem weiteren und ganz besonderen Übernachtungsbetrieb punkten können: die Schäferwagenherberge in Nonnenroth wird spätestens von Mai an buchbar sein. Sechs hölzerne Schäferwagen, nach historischem Vorbild neu gebaut und mit insgesamt 18 Schlafplätzen, warten auf die ersten Besucher. Sie stehen zwar direkt am Lutherweg, sind aber längst nicht nur für Pilger interessant. Wie Ortsvorsteher Werner Leipold berichtete, hat ein Bildungsurlaubsbetreiber schon für die nächsten fünf Jahre hier jeweils eine Woche gebucht. Großmütter wollen hier mit ihren in Berlin oder Hamburg lebenden Enkeln ein Wochenende verbringen, Alte-Herren-Fußballer gemütlich feiern. Und auch die Bezirkslandfrauen haben die Schäferwagen im Visier. Gut möglich also, dass die Übernachtungszahlen in Hungen 2018 weiter nach oben klettern.

Hungen ohne Campingplätze Schlusslicht

Betrachtet man allerdings die absoluten Zahlen, so bildet die Schäferstadt unter den vier Ostkreis-Kommunen das Schlusslicht in Sachen Tourismus. Vor allem Grünberg und Laubach kommen dank ihrer Campingplätze und Schulungszentren auf deutlich mehr Übernachtungen.

In Grünberg wurden zwischen Januar und August 41 856 Übernachtungen gezählt, (+1,2 Prozent) in Laubach 38 717. Für Laubach bedeutet das ein Minus von 8,9 Prozent. Der Grund dafür liegt an der Schottener Straße. Dort schloss 2016 das Hotel »Bunter Hund«; Eigentümer Karl Georg Graf zu Solms-Laubach will es verkaufen. Laubach hat seither 21 Doppelzimmer und ein Einzelzimmer weniger im Angebot.

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