Schwere Schäden

Holzwurm im Kloster Arnsburg!

Das Dach ist undicht, das Gebälk marode: Der Freundeskreis Kloster Arnsburg steht vor einem großen Problem. 750.000 Euro müssen aufgetrieben werden.
11. Dezember 2017, 08:00 Uhr
Durch die Biberschwanzziegel des Arnsburger Ostflügels sickert der Regen, am Dachstuhl nagt der Holzwurm. Freundeskreis-Geschäftsführerin Marion Knorr und die Vorstandsmitglieder Artur Knorr und Bernd Birkenstock hoffen auf Zuschüsse für die Sanierung. (Foto: us)

Rund 500 Gäste feierten im November im Dormitorium von Kloster Arnsburg die Hubertusmesse. Dass hoch über ihren Köpfen der Holzwurm nagt, merkten sie nicht. Doch den Vorstand des Freundeskreises Kloster Arnsburg treibt das Problem schon seit drei Jahren um. Nur weil mehrere marode Balken des Dachstuhls abgestützt wurden, kann der ehemalige Schlafsaal der Mönche weiter als Veranstaltungsort genutzt werden. Doch das ist nur eine vorübergehende Lösung. Das Dach des Ostflügels muss saniert werden. Mittlerweile liegen auch Zahlen auf dem Tisch: Die Kosten für die gesamte Maßnahme werden auf 750 000 Euro geschätzt.

750 000 Euro Kosten

Für den Freundeskreis war 2017 ein spezielles Jahr. Ende April nahm der langjährige Vorsitzende, Landrat a.D. Ernst Klingelhöfer, seinen Abschied. Ihm folgte, der Tradition folgend, Landrätin Anita Schneider nach. »Wir sind froh, dass wir uns so aufstellen konnten«, sagt der stellvertretende Vorsitzende Bernd Birkenstock, der sich gemeinsam mit Schriftführer und Beisitzer Artur Knorr um den Erhalt der Gebäude kümmert. Die Dachsanierung hat den beiden schon einiges an Arbeit abverlangt und wird es auch weiterhin tun.

Immer wieder repariert

Der zweigeschossige Ostflügel des ehemaligen Zisterzienserklosters Arnsburg ist rund 60 Meter lang. Im Obergeschoss befindet sich das beeindruckende Dormitorium mit seinem zwei- und dreischiffigen Gewölbe. Um zu merken, dass mit dem Dach etwas nicht in Ordnung ist, muss man kein Fachmann sein. »Es regnet durch«, sagt Birkenstock. Immer wieder habe man die Eindeckung repariert. An den vielen unterschiedlichen Biberschwanzziegeln kann man das Flickwerk von außen gut erkennen.

Nicht ganz einfach dagegen gestaltete sich die Untersuchung des Dachstuhls. Bevor die Fachleute loslegen konnten, musste erst einmal aufgeräumt werden. »Der Dachfuß und vor allem die Gewölbetrichter lagen voller Schutt,« berichtet Birkenstock. Im wesentlichen handelte es sich dabei um Material früherer Dachsanierungen. Nicht alles konnte ausgeräumt werden. Im Bereich der Mauerkronen und der Traufe fanden deshalb nur stichprobenartige Untersuchungen statt.

Zwingender Handlungsbedarf

Ehe die Gutachter anrückten, hat sich der Freundeskreis-Vorstand eng mit der Denkmalpflege abgestimmt. »Wir sind ja Laien«, sagt Artur Knorr. Für die Arbeit an Baudenkmälern sei aber ein hohes Maß an professioneller Kenntnis notwendig.

Das Schadensgutachten hat das Ingenieurbüro Frischmuth aus Gelnhausen erstellt, das u.a. bereits auf dem Schiffenberg und auf dem Vetzberg tätig war. Ergebnis: Es besteht zwingend Handlungsbedarf. Die Dachbinder zwischen den Sparren sind erheblich verformt. Insekten und Pilze haben starke Schäden an den Balken hinterlassen. Die Dachstuhlkonstruktion muss zwingend instand gesetzt werden. Und: Weitere verborgene Schäden können nicht ausgeschlossen werden.

Drei Bauabschnitte

So weit, so schlecht. Aber es gibt auch gute Nachrichten. »Die Sanierung kann in drei Bauabschnitte unterteilt werden,« berichtet Bernd Birkenstock. Das heißt: Auch die Finanzierung kann auf drei Jahre gestreckt werden. Hinter der steht aber noch ein großes Fragezeichen. Wird es Zuschüsse geben? Und, wenn ja, in welcher Höhe? Laut Vorstand wurden Anträge bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Gießen, beim Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden und bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gestellt. Erst wenn die Antworten vorliegen, kann ein Finanzierungsplan aufgestellt werden. »Möglich, dass wir dann noch Fundraising betreiben müssen«, sagt Birkenstock.

Allgemein beobachtet der Vorstand, dass die Spenden in der Breite zurück geht. »Wir bekommen aber zwischendurch immer mal wieder von privater Seite namhafte Beträge.« Und auch die Besucher der Klosterruine tragen zum Erhalt des Kulturdenkmals bei. Jeder, der durch die Drehtür schreitet, bezahlt zwei Euro Eintritt.

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