Von oben

Ein Denkmal mit Ortsbeirat

Kloster Arnsburg – dieser Ort ist weit über die Grenzen des Kreises hinaus bekannt. Doch während jeder das Ausflugsziel kennt, wissen die meisten über die Bewohner nur wenig.
26. Juni 2017, 12:05 Uhr
Beliebtes Ausflugsziel und Wohnort für über 90 Menschen: Kloster Arnsburg.

»Das Dorf, das kaum einer kennt«: So lautet der Beitrag über Bollnbach, der Mitte Mai unsere Serie »von oben« eröffnete. Heute geht es um Kloster Arnsburg, und da müsste der Titel ganz anders lauten: »Das Dorf, das kaum einer nicht kennt.« Das 1174 gegründete und im 18. Jahrhundert erweiterte Zisterzienserkloster gehört zu den prominentesten Orten im Landkreis Gießen. Es gibt zahlreiche und ganz unterschiedliche Gründe, dorthin zu fahren. Zu nennen wären: zwei Restaurants, eine Galerie, ein Tierpark, wechselnde Ausstellungen, Konzerte, Wanderwege, die Kriegsgräberstätte und regelmäßige Führungen.

 

94 wohnen im alten Kloster

 



Was vielen aber vielleicht gar nicht richtig bewusst ist: Im Kloster leben auch Leute. Arnsburg ist seit der Gebietsreform ein regulärer Stadtteil von Lich, allerdings der kleinste. 94 Einwohner sind hier gemeldet, 18 davon mit Nebenwohnsitz. Die mit dem Hauptwohnsitz dürfen alle vier Jahre einen Ortsbeirat wählen. Chefin des dreiköpfigen Gremiums ist seit 2011 Nicole Lang. Wenn man wissen will, wie es sich lebt im ehemaligen Kloster, ist sie die richtige Ansprechpartnerin.

Ein bisschen abgeschieden sind die Arnsburger schon. »Für die Kinder fährt der Schulbus oben am Klosterwald. Es gibt das Anruflinientaxi, aber das muss man planen. Ohne Auto geht es also nichts«, sagt die Ortsvorsteherin. »Das muss man in Kauf nehmen, wenn man so idyllisch wohnen will.«

 

Feiern an der Nordmanntanne

 

Eine Zeitlang war Lang einziges Mitglied im Ortsbeirat. Dass sie nun wieder zu dritt sind, findet die Ortsvorsteherin schön. Zumal Arnsburg wächst. Die mittlerweile über 90 Einwohner sind dem Umstand geschuldet, dass die früheren Hotelzimmer im Bursenbau zu Apartments umgebaut worden sind. Dort leben vor allem jüngere Leute, die Fluktuation ist entsprechend.

Eine Dorfgemeinschaft wie in anderen Orten gibt es in Arnsburg nicht. »Wir haben keine Feuerwehr und keinen Gesangverein«, sagt die Ortsvorsteherin. Aber zweimal im Jahr, zu Weihnachten und zu Ostern, lädt Lang alle Anwohner zu einem Fest an der Nordmanntanne ein, die dann für diesen Anlass geschmückt wird. Und was sind die Hauptaufgaben der Ortsvorsteherin. »Ich halte Kontakt zum Bauhof und zur Forstverwaltung und achte darauf, dass die Anlagen in Ordnung sind,« erzählt Lang.

Vor allem auf den Spielplatz muss sie ein Auge haben. Der ist als Picknickplatz beliebt. Dagegen habe sie auch nichts einzuwenden. »Aber gegrillt werden darf dort nicht.«



Alle 94 Einwohner von Arnsburg haben übrigens ein und denselben Vermieter. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803, bei dem weltliche Landesherren für ihre in den Revolutionskriegen erlittenen Verluste entschädigt wurden, gehört das Kloster den Grafen zu Solms-Laubach. Die zuletzt 22 Arnsburger Mönche waren schon im November 1802 pensioniert worden. Nach ihrem Weggang folgten für Arnsburg zwei düstere Jahrzehnte. Das Kloster diente als Steinbruch, die Kirchen von Bellersheim und Birklar wurden aus Steinen der einstigen Klosterbibliothek errichtet. Erst 1820 stoppte die Regierung in Darmstadt den Abriss. Glücklicherweise. Bis zur Sanierung der Klosteranlagen gingen aber noch weitere eineinhalb Jahrhunderte ins Land.

 

Wiederaufbau und kein Ende

 

1960 weihte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im einstigen Kreuzgang eine Kriegsgräberstätte ein. Im selben Jahr gründete sich der Freundeskreis Kloster Arnsburg, der sich seither um den Erhalt des alten Gemäuers kümmert. Eine wahre Sisyphos-Aufgabe. In den 1960-er Jahren wurden die Mauern saniert, keine 50 Jahre später bröckelten die Steine schon wieder. Sieben Jahre und gut eine Million Euro waren nötig, um die Mauerkronen zu befestigen. Dieses Werk ist geschafft, aber die Arbeit geht weiter. Als nächstes muss das Dach über dem Dormitorium saniert werden.

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