Rechte randalieren bei Allendorfer Bürgermeisterin

Allendorf/Lumda (khn). Während am 1. Mai mehrere hundert Demonstranten einen Aufmarsch der NPD in Frankfurt verhindert hatten, zogen in Allendorf/Lumda Rechtsradikale durch die Stadt und randalierten - unter anderem bei Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause.
07. Mai 2013, 12:32 Uhr
Die Rechtsradikalen haben die Haustür von Martin Laufenberg eingetreten. (Foto: bf)

Die Polizei geht davon aus, dass diese Gruppe für Sachbeschädigungen bei Bergen-Krauses und Martin Laufenberg in der Kernstadt verantwortlich ist. Die Bürgerschaft im Lumdatal reagiert und kündigt eine Mahnwache an.

Gegen 23 Uhr knallte es am 1. Mai zwei Mal an Laufenbergs Tür. Wie Donnerschläge hätte es geklungen, sagt der Allendorfer, der früher bei den Grünen aktiv, aber im Zuge des Bundeswehreinsatzes im Kosovokrieg aus der Partei ausgetreten war. Ende März hatten Rechtsradikale sein Haus schon einmal mit Eiern beworfen. Deshalb sei ihm schnell klar gewesen, dass er wieder zur Zielscheibe der Gruppe geworden sei. Diesmal hatten sie seine Haustür eingetreten. Warum? Laufenberg hat auf seinem Grundstück eine Fahne gegen Atomkraft und für Frieden gehisst. »Das reicht also schon aus, um zum Feindbild zu werden«, sagt er.

Nachdem die vier jungen Männer – Nachbarn von Laufenberg hatten sie beobachtet – weitergezogen waren, sind sie wohl danach zum Haus der Bürgermeisterin gegangen. Dort beschädigten sie das Gartentor, wie Polizeisprecher Willi Schwarz auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung bestätigt. Schon vorher seien sie beobachtet worden, wie sie – wohl unter Alkoholeinfluss – mit einem Bollerwagen durch die Stadt gezogen seien und Parolen skandiert hätten.

Das Eintreten der Haustür bei Laufenberg ist mehr als eine Sachbeschädigung. Es sei ein Einbruch ins Private, sagt der Allendorfer. »Die Tür stand auf, das war ein blödes Gefühl.« Und genau das sei das Ziel der Rechtsradikalen: Andere Menschen einschüchtern. Doch Laufenberg steht auf, geht am selben Abend bewusst noch einmal durch die Kernstadt. »Ich wollte demonstrieren, dass ich mir meine Heimat nicht nehmen lasse.« Die Fahne einholen werde er nicht. »Das wäre das falsche Zeichen«, sagt er. Denn das Hissen der Flagge zeige, »dass wir anteilnehmende Bürger sind«. Was passiert sei, gehe über einen Dummen-Jungen-Streich hinaus. Laufenberg sagt: »Was passiert als nächstes?« und überlegt, sein Grundstück mit einer Kamera überwachen zu lassen.

Neben der Sachbeschädigung ermittelt die Polizei auch in einem besonderen Fall des Betrugs im Internet. Unbekannte haben auf den Namen von Bürgermeisterin Bergen-Krause ein Möbelstück bestellt und ihr nach Hause liefern lassen, bestätigt Polizeisprecher Schwarz gegenüber dieser Zeitung. Eine Provokation der Rechtsradikalen?

Die Bürgerschaft im Lumdatal indes reagiert auf die Ereignisse in der Region. Am heutigen Dienstag soll ab 18 Uhr an der Kreuzung Londorfer Straße/Bahnhofstraße eine weitere Mahnwache stattfinden. Schon Mitte April waren zu einer ähnlichen Veranstaltung in Lollar mehr als 200 Menschen gekommen. Die Polizei bittet zudem um Hinweise zur Gruppe und zu den Sachbeschädigungen unter Telefon 06 41/70 06-25 55.

Mahnwache gegen Rechts mit 200 Menschen in Lollar

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