Frauen im Spagat zwischen Fußball und Tradition

29. Juni 2011, 18:45 Uhr
Fotografin Lela Ahmadzai vor der Bilderwand. (Foto: pwz)

Während Frauen-Fußball in Deutschland emanzipiert ist, dürfen afghanische Frauen nicht in der Öffentlichkeit Fußball spielen. Erst 2005 wurde die Frauen-Nationalmannschaft Afghanistans gegründet. Trainieren können die Fußballerinnen nur auf einem gesicherten Gelände unter Militärschutz. Nicht selten muss das Spiel unterbrochen werden, da Militärhubschrauber auf dem Feld landen. Das Training findet dreimal in der Woche statt. Die Spielerinnen im Alter zwischen 17 und 24 dürfen nur Mittags von 13 bis 16 Uhr trainieren. Würden sie später den Heimweg antreten, wäre es zu gefährlich. Manche Frauen nehmen eine vierstündige Anfahrt auf sich, gehen zur Schule oder arbeiten. »Sie sind alle keine Topverdiener«, weiß Ahmadzai.

Probleme in der Gesellschaft

Die Fußballerinnen haben noch weitere Sorgen. Da in der Gesellschaft Fußball als ungeeignet für Frauen gilt, gefährden sie ihre Familien und ihr Umfeld und nehmen all dies in Kauf, weil sie ihren Sport lieben. Die Ausstellung zeigt die schwierigen Umstände, unter denen die Nationalmannschaft trainiert.

Die Initiative »Welcome 2011 - Welcome to Bad Nauheim/Friedberg« organisierte die Ausstellung. Bürgermeister Michael Keller erläuterte die ungewöhnliche Wahl des Ausstellungsorts: »Unser Ziel war, das Bild einer alltäglichen Sportanlage in Deutschland dem Bild einer afghanischen Sportanlage gegenüberzustellen.« Er sei fasziniert von den Fotos. Durch sie verstehe man, was Emanzipation in anderen Teilen dieser Erde bedeute.

Künstlerin Lela Ahmadzai kam mit 17 Jahren nach Deutschland. »Als Exil-Afghanin war es mir eine Herzensangelegenheit, etwas zu leisten«, sagte sie. Bei Reisen zurück in ihr Heimatland interviewte sie Frauen. Obwohl sie Burkas trugen, wollten sie nicht, dass das Material veröffentlicht wird. Ahmadzai suchte daher nach Frauen »mit Gesichtern«. Während ihrer Arbeit stieß sie durch Zufall auf das Nationalteam, berichtete sie.

Neben den ausgestellten Fotos entstand auch der Film »Die Ersten auf dem Platz«. Er zeigt die Fußballerinnen im Spannungsfeld zwischen Fußball und Tradition. Die Frauen fühlen sich meist noch zu jung, um zu heiraten, doch ihre Familien drängen sie dazu. Sie wollen Fußball spielen, achten aber gleichzeitig ihre Kultur und Religion. Ahmadzais Film, der mit deutschen Untertiteln zu sehen war, erntete viel Applaus. Zu ihrer Ausstellung wollte sie nicht viel sagen: »Die Fotos sollen selbst wirken.« Ahmadzai war zuletzt im November in Afghanistan. Dann kleide sie sich traditionell. »Ich trage aber immer weite Kleidung, damit ich meine Kamera darunter mitnehmen kann«, verriet sie.

In einer Talkrunde, moderiert von Natalie Buch, stellte sich auch Nadia Qani vor. Sie kam 1980 als Asylsuchende nach Frankfurt. Heute gehört sie zu den zehn besten Unternehmerinnen Hessens. Sie fühle sich wie eine Deutsche, vergesse aber nicht ihre alte Heimat. 2001 gründete sie »ZAN (persisch für Frau) Verein zur Förderung der Rechte afghanischer Frauen«. Die Arbeit und Geduld, die sie investierte, wurden durch viele Auszeichnungen wie dem Bundesverdienstkreuz belohnt.

»Mit großem Spaß dabei«

Holger Obermann, Entwicklungshelfer und erster Nationaltrainer der afghanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft, gab Einblicke in seine Arbeit. Mit nur sieben Mädchen fing alles an. »Sie spielten mehr schlecht als recht, aber sie waren mit großem Spaß dabei«, erzählte er. Nun seien es rund 200 Spielerinnen. Obermann betonte die große Gastfreundlichkeit der Afghanen. Er habe nicht alle Einladungen annehmen können. »Afghanistan ist in den Medien falsch vertreten. Der erste Grundsatz heißt Gastfreundlichkeit«, unterstützte ihn Ahmadzai. Fußball leiste Aufklärungsarbeit und lasse die Menschen zusammen kommen.

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