Parkinsonklinik: Insolvenzantrag

30. Mai 2010, 13:44 Uhr
Schieflage: Die Geschäftsführung der Parkinsonklinik in der Parkstraße hat Insolvenzantrag gestellt. (Foto: nic)

Bad Nauheim (jw). Die Parkinsonklinik im Zentrum für Bewegungsstörungen GmbH Bad Nauheim hat am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt. Zur Insolvenzverwalterin wurde die Frankfurter Rechtsanwältin Petra Fuchs bestellt. »Der laufende Klinikbetrieb soll während des vorläufigen Insolvenzverfahrens ohne jegliche Einschränkung fortgeführt werden. Die Versorgung der derzeit etwa 60 stationär behandelten Patienten ist damit auch weiterhin gewährleistet«, teilte Fuchs mit. Die Klinikleitung wollte bislang keine Stellung nehmen.

Als Rettungsanker für die angeschlagene Klinik wird von Seiten der Politik eine Einbindung in das Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) genannt. Bürgermeister Bernd Witzel sagte, die Probleme der Parkinsonklinik seien seit Längerem bekannt. »Die Politik kann nicht in die Klinikstruktur eingreifen. Als Gesundheitsstadt sind wir aber daran interessiert, dass die Klinik Bestand hat.«

Die Parkinsonklinik wurde 1991 als Fachklinik für Neurologische Rehabilitation und als Spezialklinik für Parkinsonerkrankungen und Bewegungsstörungen eröffnet. Seit Mai 2001 verfügt sie auch über Akutbetten. Wie viele andere Häuser auch, sei die Klinik von der Ausgabenbegrenzung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) betroffen, erläuterte die Insolvenzverwalterin. Was dies genau bedeutet, darüber gab es am Freitag keine Angaben. Kenner der Klinikszene sagten, die Parkinsonkilinik »wackele« schon lange. Ende 2006 hatte der ägyptische Investor Khaled Altoukhy, Eigentümer der privaten Misr-Universität for Science and Technology (MUST) in Kairo, die Parkinsonklinik erworben. Seit dem tragischen Tod der Geschäftsführerin Karin Prokein im Juni 2008 gebe es eine »Schieflage«, hieß es weiter. Ob die finanziellen Schwierigkeiten im Bereich der stationären Patienten oder eher bei den Reha-Betten hervorgerufen wurden, ist nicht bekannt.

Insolvenzverwalterin Fuchs teilte mit, trotz der Ausgabenbegrenzung der GKV sei es dank der Kombination aus Akut- und Reha-Behandlung gelungen, eine stabile Grundauslastung zu erreichen. Im Dezember 2009 und im Januar dieses Jahres war die Klinik wegen Arbeiten an den Brandschutzauflagen geschlossen. Dennoch, so Fuchs, habe sich die Belegung wieder stabilisiert: »Die Geschäftsleitung der Parkinsonklinik sieht deshalb auch eine günstige Prognose für die operative Fortführung und bittet Mitarbeiter, Lieferanten und Kreditgeber um Unterstützung in ihrem Bemühen um die Versorgung der Parkinsonkranken.«

Etwa 100 Mitarbeiter sind in der Klinik beschäftigt. Die Gehälter seien durch die Bundesagentur für Arbeit im Wege des Insolvenzgelds garantiert. Fuchs: »Eine Vorfinanzierung des Insolvenzgelds wurde durch die vorläufige Insolvenzverwalterin bereits in die Wege geleitet, so dass es nicht zu nennenswerten Verzögerungen bei der anstehenden Gehaltszahlung kommen wird.« Mit einer Entscheidung über den Insolvenzantrag sei Anfang August zu rechnen.

Bürgermeister Witzel sagte, bereits vor einem Jahr sei erwogen worden, die Parkinsonklinik ins GZW einzugliedern. Dies sei damals aber nicht gelungen. An diesem Montag treffe er sich mit dem Ärztlichen Direktor des GZW, Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger. Dann werde man auch das Thema Parkinsonklinik anspreche. Witzel: »Der Erhalt der Klinik, die wichtig für den Gesundheitsstandort Bad Nauheim ist, kann nach unserem Ermessen nur im Verbund mit anderen Kliniken gelingen. Wir wollen da helfen und suchen eine Lösung.«

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