Überschallknall

Abfangjäger rücken immer häufiger aus

Gleich zweimal an einem Wochenende steigen Bundeswehrjets auf. Der Überschallknall, den sie erzeugten, sorgte für Aufregung in der Region. Experten erklären, warum sich die Fälle häufen.
17. Juli 2017, 10:11 Uhr

Mit Überschallknallen haben zwei Bundeswehrjets am Freitagabend für Verunsicherung in Hessen gesorgt. Der laute Knall war in Gießen, im Vogelsbergkreis und in der Wetterau zu hören. Vor allem im Main-Kinzig-Kreis habe die Polizei deshalb Anrufe registriert, sagte ein Sprecher des Präsidiums in Offenbach. »Da haben sich viele besorgte Bürger gemeldet.« Sie seien von einer Explosion ausgegangen. Auch in der Redaktion dieser Zeitung gingen Anrufe ein. Bereits im September hatte ein Überschallknall in Mittelhessen für Aufregung gesorgt. Damals hatten zwei britische Kampfjets die Schallmauer durchbrochen.

Dieses Mal waren jedoch Jets der Bundeswehr am Himmel – angefordert, da der Funkkontakt zu einem ägyptischen Passagierflugzeug abgerissen war. Die Abfangjäger waren daraufhin in Neuburg an der Donau gestartet. Nach Informationen der Polizei Mittelhessen führte die Flugroute der Bundeswehrjets über Fulda, Wetterau und Marburg in Richtung Bielefeld in Nordrhein-Westfalen. Nötig wurde das Eingreifen der Abfangjäger jedoch nicht – die Besatzung des Fliegers zum Flughafen Münster/Osnabrück meldete sich via Funk, bevor die Jets aufgeschlossen hatten. Sie hatten zuvor vermutlich eine falsche Frequenz eingestellt.

 

Weiterer Vorfall in Stuttgart

 

Ebenfalls wegen unterbrochenen Funkkontakts haben zwei »Eurofighter« der Bundeswehr am Samstagabend eine koreanische Passagiermaschine am Stuttgarter Flughafen zum Landen gezwungen. Die Boeing 777 der Korean Air war mit 211 Passagieren auf dem Weg von Seoul nach Zürich, als der Funkkontakt abbrach, wie eine Sprecherin des Flughafens sagte. Daraufhin stiegen Abfangjäger auf – was im Großraum Stuttgart zu zwei Überschallknallen führte. Nachdem das Korean-Air-Flugzeug gelandet war, wurde festgestellt, dass das Funkgerät defekt war, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Es sind oft Minuten lähmender Ungewissheit. Wenn der Funkkontakt zu einem Flugzeug abbricht, müssen deutsche Behörden das Schlimmste annehmen: Wurde der Flieger entführt? Handelt es sich um einen Terroranschlag? Meldet sich die Besatzung dann tatsächlich nicht mehr, steigen Bundeswehrjets auf. Und das kommt gar nicht so selten vor. Etwa ein- bis zweimal im Monat rücken Abfangjäger aus, weil der Funkkontakt unterbrochen ist, sagt ein Sprecher der Luftwaffe. Dass sie eine Maschine tatsächlich zum Landen zwingen – so wie am Samstag in Stuttgart – sei aber »eine Besonderheit«.

 

Keine sofortige Eskalation

 

»Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun«, erklärt der Experte der Luftwaffe. Warum sich die Einsätze der Abfangjäger aber gerade jetzt häufen? »Es hängt damit zusammen, dass Ferienzeit ist«, sagt er. »Das ist wie auf der Autobahn: Wenn da mehr unterwegs sind, passiert auch mehr.« Wann die Abfangjäger dann tatsächlich aufsteigen, sei abhängig vom Einzelfall. »Es wird nicht sofort eskaliert.« Wann die Jets starten, hänge von mehreren Kriterien ab – eines davon sei die Flugroute des betreffenden Maschine. Überfliege sie »sensible Punkte« wie ein Atomkraftwerk oder Großstädte, werde eher eingegriffen. »Dann sind die Nerven nicht ganz so stark.«

Bei den jüngsten Fällen war die Sorge unbegründet. Der Ernstfall ist selten: Nach Zahlen des Verteidigungsministeriums von Ende 2016 stiegen »Eurofighter« in den vergangenen fünf Jahren sechsmal wegen Terrorverdachts auf. Immer gab es Entwarnung.

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