Hessen

Es dröhnt im Wald

Es geht voran im Wald bei Grünberg: Drei 200 Meter hohe Windräder sollen gebaut werden. Unser Redakteur Burkhard Bräuning, Gegner des Projektes, beschreibt den Stand der Dinge.
12. April 2017, 21:00 Uhr

Von Burkhard Bräuning , 14 Kommentare
Muldenkipper liefern Steinerde an, Traktoren, Bagger und Walzen sind unterwegs: Im Wald bei Grünberg wird alles vorbereitet für den Aufbau dreier Windräder im Mai. (Fotos: bb)

Der Specht gibt sein Bestes. Er macht seinen Job, und den macht er gut: Hämmert gegen einen Baum. Er war hier im Wald immer der Star, der Alleinunterhalter. Jetzt aber hört man ihn kaum noch. Sein Hämmern geht unter im Lärm der Maschinen. Dieser Krach übertönt alles. Schweres Gerät ist im Einsatz: Raupenfahrzeuge, Bagger, Muldenkipper, riesige Traktoren. Es rattert, brummt, dröhnt und tutet. Früher schaffte der Specht hier mühelos den höchsten Dezibel-Wert. Jetzt hat er keine Chance mehr.

 

Schneise der Verwüstung

 

Von den Windrädern, die im Wald gebaut werden sollen, ist noch nicht viel zu sehen. Man arbeitet noch auf und tief in der Erde. Gruben werden ausgehoben, Schneisen geschlagen. Nein, es sieht nicht gut aus. Von der Windenergieanlage WEA 1 bis zur WEA 3 prägen große Löcher, kaputte alte Wege, breite neue Wege, umgefallene Hochsitze, Erdhaufen, dicke schwarze Kabel und aufgewirbelter Staub das Bild. Aber man sieht, besser ahnt schon, was es mal werden soll. Das Fundament für die Windenergieanlage II ist bald fertig, es fehlt noch der Beton. Und dann wird es schnell nach oben gehen: Im Mai soll mit dem Aufbau der Windräder begonnen werden.

Auf der Baustelle war zu hören, dass sich die Windräder im September drehen sollen. Im Probebetrieb. Dann wird auch bald Strom fließen. Mehr oder weniger. Im Moment sieht es aber noch eher danach aus, als würde der Wald einmal umgepflügt. Die großen Traktoren rasen hin und her. Die Muldenkipper liefern Steinerde an. Bagger baggern, Walzen walzen. Die verbreiterten und neu angelegten Wege werden geschottert.

Im Winter war es rings um die Baustelle für die WEA 2 noch ganz still. Nur Vögel zwitscherten – und der Specht hämmerte. Viele Menschen hat man damals dort nicht gesehen. Nur Jäger, Holzfäller, einsame Spaziergänger. Jetzt ist Leben im Wald. Viele wollen sehen, was nun wird, wie es aussieht im Forst. Viele kommen, um ihr Meinungsbild zu festigen, Gegner wie Befürworter. Manche sagen: »Sieht doch gar nicht so wild aus.« Andere kontern: »Ja, mag sein, aber das Schlimmste steht uns ja noch bevor.« Das Schlimmste, das sind die 200 Meter hohen Windräder. Die Arbeiter im Wald sind zurückhaltend, aber freundlich. Geben gerne Auskunft, wenn man sie fragt. Sie kommen von weit her. Aus der Region verdient kaum jemand etwas an dem Bau.

 

Bald noch mehr Windräder?

 

Ja, man kann für die Windräder sein – oder dagegen. Man kann auch differenzieren: Hier ja, da eher nicht. Den Zustand des Waldes aber kann man nicht schönreden. Im Moment ist es so: Quer durch den Forst zieht sich eine Schneise der Verwüstung. Es ist ein Akt der Zerstörung. Lebensraum wurde vernichtet. Man kann das in Kauf nehmen, wenn man bedingungslos für die Energiewende ist. Oder kritisieren, wenn man differenzierter denkt. Wenn alles fertig ist, wird es nicht mehr nach Truppenübungsplatz aussehen. Aber dann steht da etwas, das alles andere toppen wird: Drei zweihundert Meter hohe Windräder – Riesen aus Stahlbeton, gegen die selbst die höchsten Bäume aussehen wie mickrige Setzlinge.

Aber erst mal heute. Der Bau der Fundamente hat Fragen aufgeworfen. Bohrungen ließen vermuten, dass doch – entgegen der Genehmigung, Rüttelstopfsäulen dafür sorgen sollen, dass die Stahlkolosse auf festem Grund stehen. Das Regierungspräsidium teilte auf Anfrage mit, dass sich an der Genehmigung nichts geändert habe. Die Bohrungen dienten dazu, die Tragfähigkeit des Bodens zu ermitteln. Die Bohrkerne lagen – für jeden Interessierten sichtbar – tagelang im Wald.

Bleibt nur die Frage, warum die Bohrungen erst jetzt gemacht wurden – und nicht vor dem Bauantrag. Beim RP ist man sicher, dass die Baufirma weiß, was sie tut und die Windräder wie genehmigt gebaut werden.

Für Aufregung und für schlimmste Befürchtungen sorgt derzeit in Grünberg eine Skizze, auf der eine Erweiterung des Windparks zu sehen ist. Gerüchte kursieren viele. Da ist viel Wut, aber auch Resignation. Lange haben Bürger gegen den Bau gekämpft. Nun müssen sie die neue Situation erst einmal verkraften.

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