Hessen

Noch ganz sauber?

Das Wasser in Hessen wird schmutziger. Neben Rückständen von Haushaltschemikalien, Körperpflegeprodukten und Pflanzenschutzmitteln finden sich zunehmend auch Spuren von Medikamenten.
20. März 2017, 18:02 Uhr
Die Bedeutung von Abwasser als Ressource für Trinkwasser steht im Zentrum des Weltwassertags. Experten warnen vor einer zunehmenden Verunreinigung der Gewässer. (Foto: dpa)

Der Verband der kommunalen Unternehmen in Hessen sorgt sich um die Qualität der Wasserversorgung. In der über 100 Mitglieder zählenden Vereinigung sitzen sowohl die Verantwortlichen von Wasserversorgern als auch von Abwasserentsorgern. Sie wollen nicht mit dem Problem der zunehmenden Verunreinigung der Gewässer durch unterschiedlichste Schadstoffe alleine und auf den Kosten für die Beseitigung sitzengelassen werden.

Vor welchen Gefahren warnen die Wasserexperten der konkret?

Neben den Rückständen aus Haushaltschemikalien, Körperpflegeprodukten und Pflanzenschutzmitteln finden sich zunehmend auch Spuren von Medikamenten in den Gewässern. Da die Bevölkerung immer älter wird, nimmt auch die Zahl der Medikamente und damit die Verunreinigung des Wassers mit diesen Schadstoffen zu, warnen die für die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung zuständigen Unternehmen.

Gibt es eine akute Gefährdung des Trinkwassers in Hessen?

Nein. Der Versorger Hessenwasser hat jedoch an einzelnen Messstellen vor seinen Trinkwasseraufbereitungsanlagen festgestellt, dass Grenzwerte durch Mikroverunreinigungen vereinzelt überschritten werden.

Info

Weltwassertag

Um auf die Bedeutung des Wassers für das tägliche Leben aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen Ende 1992 den 22. März zum Weltwassertag erklärt. Seit 1993 findet er jedes Jahr statt. In diesem Jahr haben die Vereinten Nationen den Weltwassertag unter das Motto »Abwasser« gestellt, um auf die Bedeutung von Abwasser als Ressource für Trinkwasser, Nährstoffe und Energie hinzuweisen. In den Jahren zuvor ging es um die Themen »Wasser und Arbeitsplätze«, »Wasser und nachhaltige Entwicklung«, »Wasser und Energie«, sowie »Wasser und Nahrungssicherheit«.

Was sind Mikroverunreinigungen im Wasser?

Da die Schadstoffrückstände von beispielsweise Medikamenten oft nur in sehr geringen Mengen nachweisbar sind, werden sie als Mikroverunreinigungen oder Spurenstoffe bezeichnet.

Was fordert die Vereinigung kommunaler Unternehmen (VKU)?

Das Verursacherprinzip sollte viel stärker in den Fokus rücken. Die in der VKU organisierten Unternehmen wollen nicht der Reparaturbetrieb für die Versäumnisse von Industrie und Landwirtschaft sein. Gefordert wird eine Produktkennzeichnungspflicht auf Verpackungen oder Beipackzetteln, auf denen die Auswirkungen von Wirkstoffen auf die Umwelt aufgeführt werden. Zulassungsverfahren von Arzneimitteln sollten zudem im Hinblick auf die Auswirkungen der Inhalte auf die Gewässer angepasst werden.

Was wollen die Wasserversorger und Abwasserentsorger nicht?

Die flächendeckende Einführung einer vierten Reinigungsstufe in öffentlichen Kläranlagen. Die Anschaffungskosten sind zu hoch, die Effizienz dafür zu niedrig, argumentieren die Experten vom Verband kommunaler Unternehmen.

Wie viele Kläranlagen gibt es in Hessen insgesamt?

Rund 700 öffentliche Abwasserreinigungsanlagen gibt es im Land. Dazu kommen nach Angaben des Statistischen Landesamtes noch 192 Betriebe in Hessen, die eine oder mehrere Kläranlagen betreiben. Die Anlagen verfügen über mehrere Reinigungsstufen. Die Gesamtlänge des Abwasserkanalnetzes in Hessen beträgt 39 000 Kilometer.

Was tut die Landesregierung für sauberes Wasser?

Das Land unterstützt zwei Pilotanlagen mit einer vierten Reinigungsstufe, um Erkenntnisse bei der Beseitigung der Mikroverunreinigungen zu sammeln. Rund 55 Prozent der Investitionskosten von jeweils etwa fünf Millionen Euro werden nach Angaben des Umweltministeriums dabei übernommen.

Welche Forderungen stellen Umweltschützer?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) plädiert dafür, in der Nähe von Wasserwerken die Kläranlagen aufzurüsten und gezielt punktuell eine vierte Reinigungsstufe einzuführen. Bei der Wassergewinnung im hessischen Ried zeigt sich nach Angaben von BUND-Experte Hans-Joachim Grommelt, dass sich sauberes Wasser mit belastetem Wasser vermischt. Dadurch würden der Grenzwerte derzeit noch nicht überschritten.

Wie sollten Medikamente entsorgt werden?

Medikamente sind nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft im Restmüll gut aufgehoben, sofern der Müll verbrannt wird. Sonst sollten sie bei Apotheken oder Schadstoffsammelstellen abgegeben werden. Der Verband setzt sich für eine Wiedereinführung der Rücknahmepflicht durch Apotheken ein.

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