Echte »Grie Soß«

Es kann nur eine geben

Die traditionelle »Frankfurter Grüne Soße« muss aus frischen Kräutern der Rhein-Main-Region bestehen. Jetzt folgt die erste Saison mit EU-Siegel. Was RP Gießen und Erzeuger dazu sagen.
10. März 2017, 09:00 Uhr

Grüne Soße ist für viele eine kulinarische Institution der Frankfurter Region. Seit einem Jahr ist dafür ein EU-Siegel möglich, das diese geografische Herkunft schützt. Dieses EU-Siegel für die traditionelle »Frankfurter Grüne Soße« ist bei den regionalen Herstellern vorerst auf wenig Beachtung gestoßen. Nur die Gärtnerei Schecker aus Frankfurt-Oberrad hat bislang Interesse bekundet, die Spezialität mit geschützter geografischer Angabe herzustellen, teilte das hessenweit zuständige Regierungspräsidium Gießen dieser Zeitung mit.

Vor einem Jahr hatte die EU die »Frankfurter Grüne Soße« unter besonderen Schutz gestellt. Demnach dürfen nur noch bestimmte Kräutermischungen den Namen tragen, die unter anderem strenge geografische Vorgaben erfüllen. »Wenn ›Frankfurter Grüne Soße‹ draufsteht ist, ist nun auch grüne Soße aus Frankfurt drin«, freut sich Grüne-Soße-Erzeuger Rainer Schecker von der Gärtnerei Schecker. 2006 hatte er den Verein zum Schutz der Frankfurter Grünen Soße gegründet und einen entsprechenden Antrag bei der Europäischen Union eingereicht.

Entsprechende Kontrollen der Hersteller könnten wohl Mitte bis Ende April beginnen – »ab einem ausreichenden Wachstum der Kräuter«. Bei einer Kontrolle prüfen Experten zum Beispiel, ob alle verwendeten Kräuter wirklich in Frankfurt oder angrenzenden Kommunen angebaut wurden. Es geht auch um das Mischungsverhältnis der sieben für Grüne Soße typischen Kräuter: Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Kresse, Pimpernelle, Borretsch und Sauerampfer.

Betriebe brauchen Zeit

»Man muss den Betrieben Zeit lassen«, meint Schecker. »Die Grüne Soße ist kein Produkt, das man in der Schublade liegen hat. Die Kräuter brauchen zum Teil ein Jahr bis zur Ernte.« Erzeuger müssen künftig auch dokumentieren, auf welchen Feldern sie die Kräuter heranziehen. »Das ist nichts, was von heute auf morgen funktioniert«, ist auch Thorsten Haas, stellvertretender Pressesprecher des RP Gießen, überzeugt. »Ein Hemmnis ist, dass bei vielen Betrieben noch das alte Papier zum Einwickeln vorrätig ist.« Auf dem geschützen Original steht ab jetzt nämlich »Frankfurter Grüne Soße g.g.A«. Auch die Gärtnerei Schecker hatte dieses Problem im letzten Jahr, hat aber nachgerüstet. »Jetzt haben wir neues Papier für die neue Saison, das den Richtlinien entspricht.«

Info

Feiertag und Weltrekordversuch im Juni

Das kulinarische Aushängeschild Frankfurts bekommt seinen eigenen Feiertag. Zum ersten Grüne-Soße-Tag am 22. Juni seien in Frankfurt diverse Konzerte, Koch-Shows, Partys und ein Weltrekord geplant, teilten die Organisatoren gestern mit. Ins Kaufhaus MyZeil im Zentrum sollen eine Messe und Koch-Events locken, am Frankfurter Hafen wird eine »Grie Soß After Work Party« steigen. Auch auf Römer und Roßmarkt soll es Veranstaltungen geben. Geht es nach den Organisatoren, werden sich außerdem viele Firmen, Schulen und Gaststätten beteiligen. Mit ihrer Mithilfe soll es einen Weltrekord im Essen von Grüner Soße geben. Der Plan: Jeder, der eine Portion der Spezialität verspeist, registriert sich damit im Internet – so wird jede Portion gezählt. Eine bisher aufgestellte Bestmarke existiert noch nicht. Die Organisatoren träumen außerdem davon, dass die Skyline der Stadt am Grüne-Soße-Tag grün leuchten wird. (dpa/lhe)

Das Regierungspräsidium erklärte, theoretisch wären Kontrollen schon vergangenes Jahr möglich gewesen. Nur sei das Siegel für die Betriebe zu spät und überraschend gekommen, als dass sie sich rechtzeitig hätten registrieren können. So hätten etwa die Gärtnereien, in denen die Kräuter wachsen, ihre Planung nicht mehr anpassen können. Die Betriebe hätten etwa noch »bis zu tausend Tonnen« altes Einwickelpapier gehabt. Es habe spezielles Einwickelpapier gefehlt, in das die Kräuter für die Soße laut EU-Vorgaben in Handarbeit eingeschlagen werden müssen.

Nun hatten die Erzeuger der Region ein Jahr Zeit, um die Voraussetzungen für eine siegelkonforme Produktion zu schaffen. Aber die dafür zu erfüllenden, strengen Richtlinien scheinen die meisten nicht auf sich nehmen zu wollen, könnte man meinen.


Keine Meldepflicht für Erzeuger

Gärtnereien und Betriebe sind allerdings nicht verpflichtet, sich zu registrieren, wenn Sie den geschützten Namen auf ihr Produkt drucken möchten, erklärte uns das RP Gießen. Die Kontrolleure kämen zwar nicht auf Bestellung, aber Erzeuger, die das Siegel nutzten, könnten früher oder später mit einer Kontrolle rechnen – auf eigene Initiative oder auch durch die Meldung von anderen Erzeugern. Die Erzeuger in der Region seien durchaus bekannt, weiß auch Schecker.

Zur Untätigkeit verdammt ist das Regierungspräsidium deshalb nicht: Seit Einführung des Labels kontrollieren Mitarbeiter auf Wochenmärkten, im Einzelhandel oder in Gaststätten, ob der Name »Frankfurter Grüne Soße« missbräuchlich genutzt wird. Das ist etwa der Fall, wenn auf der Packung zwar »Frankfurter Grüne Soße« steht, zugleich aber »Ursprung Kräutermix aus EU-Ländern« vermerkt und der Hersteller nicht im geografisch festgelegten Gebiet um Frankfurt herum ansässig ist.

Solcher Missbrauch werde fortlaufend bei Qualitätskontrollen von Obst und Gemüse mitgeprüft, berichtete die Gießener Behörde. Wie viele Kontrollen es bei Grüne-Soße-Herstellern waren, könne man aber nicht sagen. Bei sechs Kontrollen stellten die Prüfer Verstöße fest. In einem solchen Fall werde eine Frist gesetzt, um die Kennzeichnung zu korrigieren. Werde diese nicht eingehalten, sei das ein Verstoß gegen das Markengesetz – das Verfahren werde dann an die Staatsanwaltschaft weitergegeben.

Ob sich viele Erzeuger um das Siegel bemühen werden? »Es wird ein Nischenprodukt, aber auch ein Premiumprodukt bleiben«, erwartet Schecker. »Die Fläche um Frankfurt, auf der die Kräuter angebaut werden können, ist schließlich begrenzt.« Die öffentliche Diskussion um das EU-Siegel habe das Gericht aber auch überregional bekannt gemacht, freut sich Schecker. »Das ist auch gut für die Region.«

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