Büdingen - zwischen Flüchtlingshilfe und NPD-Erfolg

11. März 2016, 17:01 Uhr

Büdingen (dpa/lhe) - Sie singen mit Flüchtlingskindern, ermöglichen Frauen Yoga-Kurse oder unterrichten Deutsch: Die ehrenamtlichen Helfer in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Büdingen (Wetteraukreis). Seit Wochen packen sie, wie überall im Land, in der Flüchtlingskrise kräftig mit an. Das müsse gewürdigt werden, gerade auch mit Blick auf die Ergebnisse der Kommunalwahl, betont Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) am Freitag bei einem Besuch der Einrichtung. Er spricht damit das Abschneiden der rechtsextremen NPD an, die am vergangenen Sonntag in der Wetterau-Stadt überraschend 10,2 Prozent der Stimmen geholt hatte und Büdingen damit bundesweit in die Schlagzeilen brachte.

Ehrenamtliches Engagement für die Flüchtlinge sei auch ein «Ausdruck unserer demokratischen Haltung», sagt der Minister. «Toleranz und Vielfalt muss als Grundhaltung eines demokratischen Gemeinwesens auch in Zukunft Platz haben. Und das gerade in Zeiten wie diesen, in denen wir bei Kommunalwahlen gemerkt haben, wie viele aus Protest Parteien wählen, die sich nicht ausdrücklich zu unserer demokratischen Grundordnung bekennen.»

Büdingen beherbergt seit Dezember eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Eine ehemalige US-Kaserne bietet Platz für maximal 800 Menschen, derzeit leben hier etwa 340 Asylsuchende. Das läuft nach Angaben der Stadt ohne größere Probleme. Entsprechend erschüttert ist man hier über den Wahlerfolg der Rechtsextremen.

Bürgermeister Erich Spamer (FWG) glaubt, dass es sich dabei um eine «reine Protestwahl» gehandelt habe. «Ich hoffe, dass wir diejenigen, die sich bei der Kommunalwahl aus Protest nach rechts orientiert haben, wieder einfangen können.»

Dieter Egner vom «Netzwerk Neue Nachbarn - Hilfe für Flüchtlinge» sagt: «Die Enttäuschung über das Wahlergebnis ist schon groß.» Dass Egner in Büdingen mit anpackt, macht auch sein grauer Pullover mit der Aufschrift «Hessen: Wir helfen» deutlich. Die Grundstimmung in Büdingen sei aber positiv, meint er.

Die ehrenamtliche Helferin Susanne Kleinmann fügt hinzu: «Es gibt viele Schicksale hier, die einen sehr berühren. Und dann erschüttert es mich sehr, wenn ich solche Wahlergebnisse wie die für die NPD sehe. Das macht mich auch wütend.» Über ihr Engagement sagt sie: «Die Erfahrungen, die ich bisher mit den Flüchtlingen gemacht habe, finde ich bereichernd und positiv. Die Menschen sind durchweg freundlich, höflich und dankbar.»

Zu den Bewohnern der Erstaufnahme in Büdingen gehört auch eine Familie aus Syrien. In der Heimat in Damaskus hätten sie alles gehabt, erzählt der Vater, ein Immobilienkaufmann. Der Bürgerkrieg, die Angst um ihr Leben, um die Kinder, zwang die Familie zur Flucht. Im Oktober erreichten sie Deutschland, seit etwa zwei Monaten leben sie in Büdingen.

«Es ist schwierig von null anzufangen. Wir möchten uns hier gut integrieren, hier in Frieden leben können», sagt der Mann. Eine junge Helferin dolmetscht für ihn. Sie fühlten sich willkommen, die Menschen seien freundlich und die Mitarbeiter der Einrichtung offenbar ein gutes Team. Dass eine rechtsextreme Partei bei der Wahl am Sonntag Stimmen gewonnen hat, das hat die Familie mitbekommen. Aber sie vertrauten auf das Gesetz, sagt der Vater. «Wir fühlen uns sicher hier.»
 

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