Parkinsonklinik: Am 15. Oktober ist Schluss

Bad Nauheim (chh). Lange rumorte es im Umfeld der Parkinsonklinik, nun ist das Aus besiegelt: Die Klinik wird zum 15. Oktober geschlossen. Die 120 Mitarbeiter haben ihre Kündigungen bereits erhalten.
29. September 2010, 20:36 Uhr
Spätestens am 15. Oktober müssen die Patienten und Mitarbeiter die Parkinsonklinik verlassen. (Archivfoto: nic)

Das bestätigte am Mittwoch Monika Nemtut vom chefärztlichen Sekreteriat. Genau wie die anderen Mitarbeiter steht sie vor einer ungewissen Zukunft: »Wie soll man sich denn fühlen, wenn man nach zwölf Jahren Arbeit die Kündigung erhält? Eine neue Stelle habe ich noch nicht. Wir sind alle am Suchen, um dem Arbeitsamt nicht zur Last zur fallen. Das ist traurig, aber wahr.«

Am 26. Mai dieses Jahres hatte die Geschäftsführung der Parkinsonklinik im Zentrum für Bewegungsstörungen GmbH, so der offizielle Firmenname des Privatkrankenhauses, einen Insolvenzantrag gestellt. Es dauerte nicht lange, bis sich das nächste Unheil über der Klinik in der Franz-Groedel-Straße zusammenbraute: Wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung wird aktuell gegen die Geschäftsführer Marion Schiebel-Zuske und Ulrich Schomber sowie eine weitere Mitarbeiterin ermittelt (die Allgemeine Zeitung berichtete). Schiebel-Zuske und Schomber hatten die Nachfolge von Klinik-Chefin Karin Prokein angetreten, die vor mehr als zwei Jahren von einem Mitarbeiter erschlagen worden war.

2,5 Millionen Euro Schulden, 100 000 Euro Verlust im Monat, kein Käufer: Diese Zahlen soll die Insolvenzverwalterin den Mitarbeitern am 20. November auf einer Betriebsratssitzung mitgeteilt haben. Doch wie konnte es soweit kommen? Anderen Parkinsonkliniken in der Region geht es gut. Wie zum Beispiel der Gertrudis-Klinik in Biskirchen, rund 60 Kilometer von Bad Nauheim entfernt. »Uns geht es wirtschaftlich hervorragend«, sagt Katalin Fornadi. Die Geschäftsführerin der Gertrudis-Klinik ist der Meinung, dass die Probleme der Klinik schon beim Bau vor 20 Jahren angefangen haben. »Die Zimmer in Bad Nauheim wurden einfach zu klein konzipiert. Man wollte unbedingt so viele Zimmer wie möglich bauen. Wir gehen da einen anderen Weg.« Die Klinik in Biskirchen sei hotelähnlicher. Man könne zwar in Notfällen noch Patienten aufnehmen, doch im Grunde seien alle Betten belegt.

Genau da soll es bei der Parkinsonklinik in Bad Nauheim haken, erfuhr die Wetterauer Zeitung. In den letzten zehn Jahren ging es mit der Bettenbelegung bergab: Im Jahr 2001 waren 144 von 160 Betten belegt. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags in diesem Jahr waren es nur noch 60. »Wäre man, anstatt in Arabien und sonstwo auf der weiten Welt die Show zu machen, lieber in die 420 Parkinsonregionalgruppen in Deutschland gegangen, um Patienten zu gewinnen, und hätte sich um das Haus gekümmert, wäre es nie soweit gekommen«, sagte ein Klinikmitarbeiter am Dienstag.

Nach WZ-Informationen wird die Insolvenzverwalterin das Scheitern in einer heute erscheinenden Pressemitteilung damit rechtfertigen, dass die Krankenkassen der Klinik keinen Akutstatus verliehen haben.

Ein weiteres Problem ist, dass die Klinik jahrelang kein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem hatte. Dieses System sollte bereits im Jahre 2006 nach der internationalen Norm ISO 9001:2000 zertifiziert werden. Laut einem Bericht der Klinik hat man jedoch erst im April diesen Jahres solch ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt. Zertifiziert sei es aber immer noch nicht. Doch solch eine Zertifizierung ist laut Hans Ditzel, Pressesprecher der Hessischen Krankenhausgesellschaft, »gängige Praxis«. »Die Krankenhäuser sind gesetzlich zu Maßnahmen der Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements verpflichtet, eine gesetzlich verpflichtende Vorgabe für eine Qualitätszertifizierung besteht indes nicht. Gleichwohl dürfte sich ein sehr großer Teil der Krankenhäuser einer Zertifizierung unterworfen haben«, erklärt Ditzel.

Am 15. Oktober werden also die letzten Patienten die Klinik verlassen müssen, genauso wie die 120 Mitarbeiter. Doch was wird aus ihnen? Katalin Fornadi von der Gertrudis-Klinik in Biskirchen: »Einige haben sich schon bei uns gemeldet und erfragt, ob sie in unserer Klinik unterkommen können.«

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