Mega-Stau

In sechs Stunden von Frankfurt nach Gießen - "Der Gipfel der Pendler-Erfahrung"

Der Mega-Stau am Mittwoch kostete viele Pendler unzählige Nerven. Ein Betroffener schildert seinen Heimweg vom Frankfurter Flughafen nach Gießen - und verrät die Lehren, die er daraus zieht.
30. November 2017, 15:00 Uhr

Von Erik Scharf , 4 Kommentare
(Foto: einsatzfotos.tv)

Steffen Milchsack ist ein besonnener Mensch. So schnell bringt ihn nichts aus der Ruhe. Seine Geduld wurde am Mittwoch aber auf eine harte Probe gestellt. Seit 20 Jahren pendelt Milchsack aus Gießen zu seinem Arbeitsplatz am Frankfurter Flughafen. Doch das, was sich am Mittwoch auf der A5 abspielte, hat auch er noch nicht erlebt. "Ich kann mich an einen Fall erinnern, als ein Gefahrguttransporter auf der A5 umgekippt ist. Da habe ich an einem Montagmorgen mal drei Stunden gestanden."

 

Das war der Gipfel der Pendler-Erfahrung

Steffen Milchsack

Mittelafrika statt A5

Am Mittwoch waren es fast sechs Stunden. "In der Zeit hätte ich auch nach Mittelafrika fliegen können", scherzt Milchsack am Tag danach. Nach einem Unfall in Richtung Norden kurz vor Friedberg musste die Autobahn mehrere Stunden komplett gesperrt werden. Es bildete sich ein kilometerlanger Stau, Hunderte Pendler und Reisende standen auf der Stelle. Zwischen 16 und 19 Uhr wurden zwischen dem Frankfurter Nordwest-Kreuz und Friedberg auf der A5 zehn Unfälle registriert.

+++ Darum gab's die Vollsperrung im Berufsverkehr +++

Um 18 Uhr startete Milchsack am Flughafen in das "Wechselbad der Gefühle", wie er sagt. Ab dem Frankfurter Kreuz stand er im Stau. Im Radio war von einer zusätzlichen Stunde Fahrtzeit die Rede. "Klar denkt man sich da: Ist nicht so toll, aber da kommt man schon durch", sagt Milchsack. Schließlich habe so ein Stau immer eine negative Vorgeschichte. "Da hofft man dann eher, dass keiner schwerer verletzt ist."

Radio als einzige Abwechslung

Steffen Milchsack. (Foto: pm)
Steffen Milchsack. (Foto: pm)

Aus einer Stunde Fahrtzeit wurde aber eine Stunde Wartezeit. Bei Bad Homburg stand Milchsack rund 60 Minuten auf der Stelle. "Da kommt dann die Phase, wo man verärgert ist, weil man einfach nichts machen kann, außer den Feierabend auf der Autobahn zu verbringen." Abwechslung bietet da einzig das Radio. "Da habe ich von Pop bis Klassik alle möglichen Sender durchgehört", sagt Milchsack.   

 

+++ Weiterer Unfall legte auch die B3 lahm +++

Letztlich half nur Geduld. Manche Autofahrer schnappten für ein paar Minuten nach frischer Luft, der Rest ließ es im Wagen über sich ergehen. Denn das leichte Schneetreiben machte einen Ausflug auf die Straße nicht angenehmer. Vielmehr machte man sich Gedanken, so Milchsack, was vielleicht noch alles auf die Autofahrer warte - Schnee, Glätte, Eis? Ihm blieb nur übrig, abzuwarten. "Der Versuch, über Landstraßen und Schleichwege auszuweichen bringt meistens auch nicht viel", sagt der 46-Jährige.

Auch Züge waren massiv verspätet

Auf den Schienen lief es übrigens nicht viel besser. Eine Signalstörung sorgte für massive Verspätungen auf der Strecke zwischen Frankfurt und Gießen. Egal, ob im Auto oder im Zug: "Das war der Gipfel der Pendler-Erfahrung", sagt Milchsack. Um Mitternacht kam Milchsack schließlich in Gießen an. "Ein Glas Wein habe ich noch getrunken, dann bin ich todmüde ins Bett gefallen", sagt Milchsack.

Für die Zukunft hat Milchsack vorgesorgt. In seinem Auto hat er eine Flasche Wasser, Müsli-Riegel und eine Decke deponiert. Für den Fall der Fälle. Er und Tausende Pendler hoffen trotzdem, dass sie all das nicht so schnell brauchen.

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