Cyber-Crime

In den Tiefen des Netzes

Das Internet – unendliche Weiten und unendliche Möglichkeiten. Es tun sich dort aber auch unendliche Tiefen auf. Erpressung, Betrug, Waffen- und Drogenhandel.
07. Dezember 2017, 21:00 Uhr
Waffenkauf im Internet? Dazu muss man erst einmal in die tiefsten Tiefen des Netzes hinabsteigen. (Foto: dpa)

»Es gibt so gut wie nichts, was es im Netz nicht gibt«, sagt Kriminalhauptkommissar Dirk Hintermeier, beim Polizeipräsidium Mittelhessen verantwortlich für die Präventionsarbeit im Bereich Internetkriminalität. Er hat einige Beispiele parat.

Erst kürzlich wurden wieder Fälle in den Landkreisen bekannt: Vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter rufen bei Privatleuten an, um einen angeblichen Schaden am Rechner beheben zu wollen. Der Täter versucht, das Opfer so lange auf dem Computer hin und her zu navigieren, bis er an die Daten des Online-Banking gelangt. »Der Betrüger lässt sich viel Zeit, erklärt alles haarklein. Das kann schon einmal zwei Stunden dauern«, berichtet Hintermeier.

Wie man sich schützen kann: Microsoft ruft keine Kunden an. Sind viele Hintergrundgeräusche zu hören, ist davon auszugehen, dass der Täter in einem Callcenter sitzt, das weltweit mit dieser Masche operiert. Ebenfalls auffällig: Die Täter sprechen meist Englisch, oft mit indischem Akzent. »Sofort auflegen, keinesfalls den Anweisungen folgen. Anschließend sollte man die Polizei informieren und zur Sicherheit die Kontobewegungen überprüfen«, sagt Hintermeier. Es sei wichtig, dass die Polizei davon erfahre. Dann könne man gezielt mit Warnhinweisen an die Öffentlichkeit gehen.

Unternehmen sind das Ziel von Betrügern, die sich mit sogenannten Botnets Zugriff zu Rechnern verschaffen wollen. Die Täter richten ein Netz von Computern ein, das das System des Unternehmens mit Unmengen von Anfragen in die Knie zwingt. 20 000 solcher Anfragen innerhalb von einer Sekunde sind keine Seltenheit, sagt Hintermeier. Oft werde zuerst eine »kleine« Attacke gefahren, verbunden mit den entsprechenden Forderungen. Zahle der Unternehmer nicht, nehme man sein System zum Beispiel einen Tag vom Netz, kann die Drohung lauten. Bei einer Firma, die ihre Geschäfte zum Großteil über das Internet abwickelt, kann ein solcher Tag sehr teuer werden. Und das »Lösegeld« ist dann oftmals das kleinere Übel. »Daher gibt es diesem Bereich eine hohe Dunkelziffer«, ist sich der Experte sicher. »Hier wünschen wir uns eine Meldepflicht.«

Wie man sich schützen kann: »Alte Software ist schlecht«, betont der Kriminalhauptkommissar. Man sollte stets darauf achten, dass das System auf dem neuesten Stand ist, dass man ein aktuelles Anti-Virenprogramm besitzt. »Auf keinen Fall zahlen, sondern die Polizei einschalten. Und zwar schnell, damit wir noch Daten des Täters sichern können.« Wie viel Schutz man seinem System zukommen lasse, das sei auch eine Kostenfrage und damit eine unternehmerische Entscheidung, macht er die Verantwortung des jeweiligen Konzerns deutlich.

Ein ähnlicher Fall: Ein Unternehmen schaltet eine Stellenanzeige im Netz und bekommt per E-Mail eine Bewerbung. Klickt man die Datei an, wird die Festplatte verschlüsselt. »Womöglich mit den kompletten Kundendaten.« Gegen Zahlung einer entsprechenden Summe wird das Ganze dann wieder freigegeben.

Wie man sich schützen kann: Wie bei den Botnets: Software aktuell halten, die Polizei einschalten und nicht zahlen. Die Datensicherung sollte zudem auf einen anderen Rechner ausgelagert werden. Denn oft ist auch die externe Festplatte, die mit dem infizierten Rechner verbunden ist, betroffen.

Schützen kann man sich vor Fallen im Internet meistens dadurch, dass man sich vorsichtig und verantwortungsvoll verhält. Das gilt im Besonderen für den Bereich des Internets, der vor allen Dingen mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht wird: dem Darknet . Zutritt nur mit Tor-Browser, einem Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten. Man kann damit – vereinfacht gesagt – surfen, ohne digitale Spuren zu hinterlassen, indem man über verschiedene Knotenpunkte in der ganzen Welt geleitet wird, ehe man im Internet landet.

Das ist legal. »Jeder hat das Recht, im Internet anonym unterwegs zu sein«, sagt Hintermeier. Besuche man allerdings hochverschlüsselte Seiten oder tummle sich auf einschlägigen Marktplätzen, wo zum Beispiel Waffen oder Drogen angeboten werden, »kann es ganz schnell strafrechtlich relevant werden«. Der Kriminalhauptkommissar erinnert an den Amokläufer von München, der seine Waffe im Darknet von einem Händler aus Marburg bezog. »Es ist so lange erlaubt, bis ich etwas Verbotenes tue. Und wie man im Fall Marburg sieht, haben wir auch in diesem Bereich unsere Ermittlungserfolge.«

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